10. August 2014

Mit Sabine Kluger wollen wir den Gottesdienst in der Shinanomachi-Kirche besuchen. Sabine ist pünktlich da, wir kommen mit 5 Minuten Verspätung an, unangemeldet. Nakagawa-Kun rennt auf uns zu uns zu begrüßen - er muss mit seiner Jugendgruppe gleich ins Camp fahren. Nakagawa-kun ist ein alter Freund aus den Tagen des Kampfes gegen die Militärdiktaturen in Südkorea (Park, Chun und Ro). Damals war seine Mutter noch dabei, hatte immer einen Rucksack voller Nahrungsmittel für die vielen Studenten, die sich damals an den Demos beteiligten. In den 70er und 80er Jahren stand diese Kirche im Mittelpunkt des Protestes gegen die Machthaber in Seoul. Wie viele Nächste haben wir damals durchgebetet für Menschenrechte und Demokratie in Südkorea, wie viele Reden sind hier gehalten worden zur Situation in Südkorea. Wie viele Samstage haben wir in den Jahren 1976 bis 1984 eine Demonstartion zur koreansichen Botschaft und zum japansichen Aussenministerium mitgemacht. Ob sich dieser Aufwand damals lohnte? Stellvertretend für die vielen politischen Gefangenen aus Gewissensgründen stand KIM Dae Jung, später der erste wirklich demokratsich gewählte Präsident nach der langen Periode der Militärdiktaturen. Ja, es hat sich gelohnt: Die Demokratie kehrte in Südkorea ein. Ein langer Atem war notwendig, sowohl in Südkorea als auch bei den Demonstranten in Japan. 

Diese Kirche war das geistliche Zentrum für Christen und Nichtchristen. Da haben nicht nur Christen gebetet, sondern auch Buddhisten und Shintoist und Menschen, die zu keiner Religion gehörten. Aber selbst diese Vigilien standen unter ständiger Beobachtung durch japanische Polizei und südkoreansichen Geheimdienst. Daran haben wir uns am gestrigen Abend erinnert, als der Demonstartionszug gegen den Yasukuni-Schein und vor allem gegen den Besuch des Ministerpräsidenten Abe im Dezember 2013 durch die Straßen zog.

Heute ist Taifun-Tag. Die Straßen sind ziemlich leergefegt. Knapp vor einem neuen wolkenbruchartigen Regen treffen wir in der Kirche ein. Sie wurde erst vor wenigen Jahren neu erbaut - mitten in einem Stadtbezirk, in dem eine der neuen Religionen, die Soka Gakkai ihr Zenrum hat. Jetzt ist Herr Kasahara (früher Leiter eines Theol. Seminars des Kyodan) Pfarrer der Gemeinde. Er war früher auch im Vorstand des Tomisaka Christian Center (TCC), das das Erbe der DOAM übernommen hat, und ich kann ihm heute zum ersten Mal für seine aufopferungsvolle Arbeit jund gute Zusammenarbeit in jenen Jahren danken. Ihm zur Seite steht jetzt Pfr. Hayashibara, früher Pfarrer der Japanischen Evang. Gemeinde in Köln-Bonn. Mit ihm und seiner Frau hatten wir eine enge Beziehung während ihres Deutschlandaufenthaltes. Die Überrachung ist gelungen. Sie werden uns nach dem Gottesdienst zum gemeinsamen Mittagessen in ein Restaurant am Bahnhof Shinanomachi einladen.

Die Kirchengemeinde ist stark engagiert in Tohoku, Nordostjapan, der Region, die von Erdbedben und Tsunami stark verwüstet worden ist und wo das AKW Fukushima Daiichi bis heute seine Radioaktivität ungebändigt in die Umwelt abgibt. Mit etwa 20 Gemeinden in dem Bereich der drei Präfekturen (Fukushima, Miyagi und Iwate) hat die Gemeinde enge Kontakte, besucht die Menschen und Gemeinden in Tohoku regelmäßig, sammelt Gelder und un-kontaminierte Nahrungsmittel. Herr AKIYAMA Naoe scheint die treibende Kraft zu sein. Ich kenne sein Engagement in den Philippinen, das sicher schon 40 Jahre alt ist. Jetzt engagiert er sich auch noch für Tohoku. - Akiyama ist vor wenigen Jahren zum Vorstandsvorsitzenden des traditionsreichen Aoyama-Gymnasiums berufen worden. Und schon von Beginn deds Tomisaka-Zentrums an ist er im Vorstand und hat auch der neuen Stiftung German East Asia Mission, dessen wichtigstes Teil das TCC ist, seinen Stempel aufgedrückt. Vor kurzem wurde er als Nachfolger des erkrankten Prof. Dr. Takeda in den Vorstand der Stiftung berufen. Hier also begegnen wir auch ihm - und wir vereinbaren einen weiteren Termin für ein Gespräch über Tohoku, die Philippinen und die Stiftung. 


Das Nachspiel der Orgel im Gottesdienst: J. S. Bach's Choralvariation "Wer nur den lieben Gott lässt walten" hat über das Nicht-Hören der Predigt (meine Ohren waren wegen der Lautsprecher bei der Demo "zugefallen") hinweggetröstet. Dann kam nach dem Gottesdienst noch eine kurze Zeit für neue Lieder. Fas erste war dann "Aus tiefer Not schrei ich zu dir...", erst die Orgel, dann jede Zeile extra vorgesungen, eingeübt und schließlich die erste und vierte Strophe gemeinsam gesungen. Bei der guten Orgelbegleitung ein reines Vergnügen - auch wenn der Text uns alle an Tohoku erinnert. Noch zwei weitere Lieder werden eingeübt. Dann der große Aufbrauch. in dieser Gemeinde wird nach dem Gottesdienst anscheinend nicht gemeinsam gegessen... (Großstadtgemeinde?). Wir machen uns mit Hayashibara und seiner Frau auf den Weg zum Bahnhof  jund zum Mittagessen. Der Taifun scheint immer näher zu kommen, es regnet immer stärker, die Nachrihcten abr sagen, dass das Zentrum des Taifuns sich nach Nordwesten wendet, aber die Regenmassen werden noch lang vom Himmel fallen. Bahnstrecken sind unterbrochen, Strassen überschwemmt, Häuser werden zerstört, Bäume und Masten vom Sturm gefällt, schon sind Tote zu beklagen. Taifun Nr. 11 kam langsam auf Okinawa hzu, hat nun Geschwindigkeit aufgenommen und verzieht sich nun nach Nordwesten, wo er sich langsam auflöst. Davor aber lässt ernoch riesige Wasermassen über Hokkaido niedergehen.

Unsere Bahn bringt uns sicher nach Hitachinaka-shi, wo es gerade mal für ein paar Minuten nicht regnet als wir ankommen.




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