Korea-Japan: Reconciliation & Peace Platform - Deutsch

2. Juli 2020, Tokyo-Seoul, NCCK & NCCJ
Japan-Korea Reconciliation and Peace Platform
July 2 (Thursday) 2:00pm-3:00pm

20200702 jp kr reconciliation platform 540 

 

Erklärung anlässlich der Errichtung einer
Japanisch-Koreanischen Plattform für Versöhnung und Frieden

Die Zivilgesellschaften und religiösen Gemeinden Japans und Südkoreas haben sich, getrieben von dem tiefempfundenen Wunsch, dass beide Länder ihre unglückliche Geschichte überwinden, Versöhnung und Frieden finden und somit zu wahren Partnern werden, die sich gemeinsam für den Frieden und das Zusammenleben in Nordostasien einsetzen, stets um Kooperationen auf ziviler Ebene bemüht.

Das Urteil des südkoreanischen Obersten Gerichtshofs vom Oktober 2018, das ehemaligen koreanischen Zwangsarbeitern Entschädigungen [durch japanische Unternehmen] zusprach, sowie die darauf folgenden wirtschaftlichen Vergeltungsmaßnahmen der Regierung Abe lassen die Beziehungen zwischen beiden Ländern in einem anhaltend konfrontativen, auch als miserabel bezeichneten Zustand verharren.

Angesichts dieser harten Realität müssen wir unseren bisherigen Umgang miteinander gründlich reflektieren. Mit unserem Versprechen, alles für einen Neuanfang unserer Länder zu tun, rufen wir heute die „Japanisch- Koreanische Plattform für Versöhnung und Frieden“ (im Folgenden Japanisch-Koreanische Plattform) ins Leben. Ziel dieser Plattform ist auch die Errichtung eines „Gemeinsamen Hauses“ („Common House“) für Versöhnung und Frieden zwischen Japan und Südkorea und darüber hinaus für einen atomwaffenfreien Frieden in Ostasien. Wir werden uns nach besten Kräften darum bemühen, die Zusammenarbeit und Solidarität unserer Bürger*innen zu stärken.

Wir glauben fest daran, dass unsere Bemühungen dazu führen werden, dass die Stimmen der Menschen in unseren Ländern Gehör finden und sowohl in der Gesellschaft Japans als auch Südkoreas insgesamt mehr Menschen am Versöhnungs- und Friedensprozess teilhaben werden.

Die Japanisch- Koreanische Plattform wird

1. auf die Bedeutsamkeit des „Erinnerns“ aufmerksam machen
Das Hinzufügen und Erfahren von Leid ist Teil unserer schmerzvollen Vergangenheit, die nicht vergessen werden darf. Im Erinnern (remember) liegt, so paradox es klingen mag, der Ausgangspunkt für gesunde bilaterale Beziehungen und auch das grundlegende Fundament, um eine auf Vertrauen basierende japanisch-koreanische Gemeinschaft zu rekonstruieren (re-member).

2. „Vielfalt“ respektieren und „Unterschiede“ anerkennen
Zu unserer leidvollen Erfahrung gehört die Tatsache, dass Japan unter der Verfassung des Kaiserreichs die Schaffung einer hegemonistischen „Großostasiatischen Wohlstandssphäre“ zum Vorwand für einen Invasionskrieg nahm und in den eingenommenen Gesellschaften Untertanen für den Tenno zu gewinnen versuchte (ein Auslöschen der Ethnizität durch grundlegende Assimilation), indem man die Menschen zur Annahme eines japanischen Namens und Besuchen von shintoistischen Schreinen zwang. Die koreanische Diktaturherrschaft merzte andererseits die Glaubens- und Meinungsäußerungsfreiheit sowie -vielfalt aus und erzwang einen völligen Uniformismus.
Noch immer ist es uns nicht gelungen, derartige Erblasten der Geschichte aufzuarbeiten. „Vielfalt“ zu respektieren und „Unterschiede“ anzuerkennen sind der erste Schritt, um Gesellschaften von Diskriminierung und Hass zu befreien sowie eine Welt zu formen, in der diverse Wertvorstellungen und Kulturen gleichermaßen koexistieren können.

3. eine führende Rolle beim Schaffen von Frieden spielen
Für alle von uns, die in diesem Zeitalter leben, ist „Frieden“ keine Option, sondern selbstverständliche Mission. Vor allem die Friedensverfassung Japans ist als Sicherungsinstrument für Frieden und Zusammenleben in Nordostasien nicht nur alleiniges Gut Japans, sondern ein wertvoller gemeinsamer Schatz aller Menschen weltweit, die auf Frieden hoffen. Die Etablierung eines friedlichen Regimes auf der koreanischen Halbinsel ist über deren Grenzen hinaus Schlüssel, um den Weg in ein neues Zeitalter von Frieden und Kooperation im Nordosten Asiens zu ebnen und die Welt in eine noch friedlichere Richtung zu führen.

4. alles daransetzen, ein Nordostasien bzw. eine Welt ohne Atomkraft und Nuklearwaffen zu realisieren
Über die Grenzen Japans und Südkoreas hinaus leben die Menschen in Nordostasien unter alltäglichen nuklearen Bedrohungen. Die Gefahren, die von Atomkraftwerken und atomaren Kriegen ausgehen, bedrohen nicht nur das Leben der Menschen in der Region, sondern verletzen das Existenzrecht aller und des gesamten globalen Ökosystems. Das Erreichen einer Welt ohne Atomkraft darf nicht noch weiter herausgezögert werden. Wir müssen auf ein denuklearisiertes Nordostasien und eine Welt ohne Atomwaffen (in Kraft treten des Atomwaffenverbotsvertrags) hinwirken.

5. eine Gesellschaft gestalten, in der künftige Generationen träumen und hoffen können
Japan und Südkorea leiden derzeit unter der sich ausbreitenden Corona- Pandemie. Vor allem in Japan sind Zuwanderer und in Japan lebende Süd- und Nordkoreaner*innen sowie andere gesellschaftliche Minderheiten von vielen staatlichen Unterstützungmaßnahmen ausgeschlossen. Wir werden all unsere Kräfte vereinen, um eine allzu engstirnige Form der Demokratie zu überwinden und es jungen Menschen beider Länder zu ermöglichen, in einer Gesellschaft zu leben, in der sich universelle Menschheitswerte wie Freiheit und Gleichheit, Gerechtigkeit und Frieden, Inklusion und Eintracht, Versöhnung und Zusammenleben realisieren lassen. Die Zivilgesellschaften und religiösen Gemeinschaften Japans und Südkoreas stehen vor einem gravierenden historischen Wendepunkt. Wir werden unser Bestes tun, um so viele Menschen wie möglich zu involvieren, damit aus der aktuellen Krise eine „neue Chance“ hervorgehen kann.

02. Juli 2020
Die Initiator*innen der Japanisch-Koreanischen Plattform für Versöhnung und Frieden

 

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