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Mirok Li-Preis 2021 - Rede des Präsidenten der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft e.V.

Rede des Präsidenten der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft e.V., Herrn Dr. Uwe Schmelter, anläßlich der Verleihung des Mirok Li-Preises an Pfarrer Paul Schneiss und Herrn Lutz Drescher am 15. Oktober 2021 (Online)

 
Sehr geehrte Laureaten - lieber Herr Pfarrer Paul Schneiss, lieber Lutz Drescher,                                                                                                         

Sehr geehrter Herr Dr. Martin Thümmel,                                              

Sehr verehrte Frau Botschafterin der Republik Korea, Frau Dr. Cho Hyun Ock,                                                                             

Sehr geehrter Herr Professor Dr. Lee You Jae,                      

Sehr geehrter Herr Vorsitzender der Deutschen Ostasienmission, lieber Herr Pfarrer Carsten Rostalsky – liebe DOAM Mitglieder                                                                                        

Meine lieben Kolleginnen und Kollegen des Präsidiums und des Bundesvorstandes der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft,

Liebe Freunde Koreas und der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft,                                                                                    

Meine sehr geehrten Damen und Herren

Ich danke Ihnen Allen sehr herzlich dafür, daß Sie unserer Einladung zur Teilnahme an der diesjährigen Verleihung des Mirok Li-Preises der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft – selbst im erstmals notwendig gewordenen Online-Format - so überwältigend zahlreich gefolgt sind.

Gleichzeitig und ganz besonders sind unsere Gedanken in dieser Stunde bei Pfarrer Paul Schneiss, der an unserer Online Übertragung zu unserem größten Bedauern nur aus dem Krankenhaus in Heidelberg teilnehmen kann. Lieber Herr Pfarrer Schneiss, wir Alle heute vor dem Bildschirm Versammelten wünschen Ihnen von ganzem Herzen baldige und vollständige Genesung und Gottes Segen dafür.

Im Vergleich zu anderen, berühmteren und wohl auch prestigeträchtigeren nationalen und internationalen Kulturpreisen, hat der Mirok Li-Preis eine deutlich kürzere, eher bescheidenere, aber in seiner Wertigkeit für unsere beiden Länder Deutschland und Korea eine dafür umso bedeutungsvollere Geschichte und Wirkung. Er wurde 1999 gemeinsam vom damaligen Leiter des Goethe-Instituts Korea in Seoul und dem damaligen Präsidenten der Koreanisch-Deutschen Gesellschaft, dem großartigen koreanischem Unternehmer und Deutschland-Freund Dr. Ho Yom-Sop ins Leben gerufen.

Seitdem wird er jährlich alternierend von den beiden bilateralen Kultur- und Freundschaftsgesellschaften in Korea und Deutschland an lebende Persönlichkeiten verliehen, die sich in ihrem jeweiligen Land oder beiden Ländern um den kulturellen Austausch, die kulturelle Zusammenarbeit und die Pflege der freundschaftlichen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern in herausragender Weise verdient gemacht haben. Das klingt so selbstverständlich und ist es in der Sache ja auch.

Wir waren damals dennoch einigermaßen überrascht, daß es angesichts von seinerzeit bereits rund 130 Jahren offizieller Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern eine solche Auszeichnung noch nicht gab, obwohl es gerade und ganz überwiegend Personen aus dem kulturellen Umfeld Deutschlands waren, die die vielen frühen Grundsteine für das Interesse, das Vertrauen und die Sympathie aller Koreaner gegenüber Deutschland legten, auf die wir bis heute unsere ausgezeichneten Beziehungen in allen Bereichen bauen dürfen. Und es war übrigens auch die Auswärtige Kulturpolitik der Bundesrepublik Deutschland, die uns im Jahr 2000 als erstem Land in der westlichen Welt den kulturpolitischen Zugang auch in das seinerzeit noch komplett isolierte und verschlossene Nordkorea eröffnete.

Daß wir damals Mirok Li als Namensgeber und –patron für diesen Kultur-Preis gewählt haben, war kein Zufall. Wie kaum ein anderer Intellektueller Koreas repräsentierte er durch sein Werk und sein Leben koreanische Identität, Widerstandsgeist gegen Unterdrückung und Unfreiheit und hingebungsvolle Liebe zu seiner Heimat Korea wie – nach seinem 1920 unfreiwillig angetretenem Exil im jugendlichen Alter von nur 21 Jahren – auch zu seiner neuen Heimat Deutschland.                                     

Als Naturwissenschaftler in den Fächern Botanik, Anthropologie und Zoologie promoviert, erhielt er schließlich einen Lehrauftrag für koreanische Sprache, chinesische Literatur und Geschichte am Ostasiatischen Institut der Universität München. Er starb 1950 in Gräfelfing bei München, ohne seine koreanische Heimat jemals wiedergesehen zu haben – ein Schicksal, das er übrigens auch mit dem ebenso bedeutenden Geistes- und Kulturmittler zwischen unseren beiden Ländern, dem 1995 in Berlin verstorbenen koreanisch-deutschen Komponisten Isang Yun, teilt.        

Auch unsere beiden diesjährigen Preisträger, Pfarrer Paul Schneiss und Lutz Drescher, beide ehemalige Vorsitzende und heutige Ehrenvorsitzende der Deutschen Ostasienmission, die bereits 1884 in Weimar gegründet wurde, gehören in diesen Kreis der herausragenden Mittler zwischen West und Ost / Ost und West, ganz besonders zwischen Deutschland und Korea, ebenso wie zwischen Korea und Deutschland. Sie sind nun seit 1999 die 21. und 22. Preisträger, insgesamt 11 Koreanerinnen und Koreaner - 11 Deutsche. Ein perfektes Gleichgewicht, formal wie auch inhaltlich.      

Pfarrer Paul Schneiss und Lutz Drescher sind Männer der Kirche, genauer gesagt Angehörige und prominente Vertreter der protestantisch-lutherischen Deutschen Ostasienmissionsmission. Damit sind sie nicht die ersten Mirok Li-Preisträger aus dem deutschen christlich-kirchlichen Umfeld. Bereits 2017 hat die Deutsch-Koreanische Gesellschaft den Mirok Li-Preis an den Abtprimas emeritus des Benediktinerordens in der Erzabtei St. Ottilien und Ehrwürdigen Vater Dr. Notker Wolf, verliehen. Beide Institutionen, die Benediktiner und ihre Missionarsarbeit, wie auch die der evangelisch-lutherischen Deutschen Ostasienmission, haben inhaltlich wie formal große Gemeinsamkeiten: Beide sind seit Langem prominente Vertreter einer modernen, aufgeklärten, konfessions- und grenzübergreifenden, interkulturellen Missionsarbeit, frei von antiquiertem, christlich-religiösem Zelotentum vergangener Zeiten – in beiden Fällen mit dem Schwerpunkt dieser Arbeit in Ostasien, in den zurückliegenden Jahrzehnten ganz besonders in Korea – präziser: in beiden Koreas.                                                                                              

Insofern darf man die Verleihung des Mirok Li-Preises an unsere diesjährigen Laureaten - sowie schon 2017 an einen prominenten Vertreter des Benediktiner-Ordens - auch als respektvolle Ehrung der Deutschen Ostasienmission und ihrer Arbeit sehen. Und so wie seinerzeit auch bei Mirok Li ist die Arbeit, sowohl beider kirchlicher Institutionen wie unserer diesjährigen Laureaten immer wieder durch ihren tatsächlich humanistisch-missionarischen Widerstandsgeist gegen Unrecht, Unterdrückung und Unfreiheit der Menschen geprägt. Sowohl in ihren Worten, Schriften und Taten - seit vielen Jahrzehnten und bis heute. Wir dürfen heute also auch von der Ehrung zweier persönlicher Lebenswerke im Dienste und zum Wohl unserer kulturellen deutsch-koreanischen Beziehungen sprechen.
Auch der Bundesvorstand der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft war sich dieser Tatsache bewußt, als er im August einstimmig beschloß, Pfarrer Paul Schneiss und Lutz Drescher auf Grund ihrer herausragenden Verdienste ad personam zu ehren, damit aber auch der durch beide Lauraten heute prominent vertretenen Deutschen Ostasienmission unseren Respekt und die ihr gebührende Anerkennung zum Ausdruck zu bringen.

Ich möchte unserem heutigen Laudator, Herrn Professor Dr. Lee You Jae, Inhaber des Lehrstuhls für Koreanistik an der Universität Tübingen, in keiner Weise vorgreifen, wenn ich abschließend und kurz an wenigstens zwei von ungezählten Episoden aus dem Leben und der Arbeit unserer beider Laureaten in Korea erinnere, die in ihrer Essenz symptomatisch sind für das zuvor über moderne, gesellschaftsorientierte, freiheitsliebende und Menschenrecht-orientierte Missionsarbeit Gesagte sind.

Im zurückliegenden Jahr haben wir auf vielen Ebenen an den 40. Jahrestag des blutig niedergeschlagenen Studentenaufstandes gegen Unfreiheit und Unterdrückung in Gwangju erinnert.                                                                           
Daß über diesen Aufstand und seine grausame Niederschlagung im für Journalisten – ausländische allzumal - militärisch abgeschotteten Gwangju dennoch in Deutschland, Amnesty International, dem Weltkirchenrat und der ganzen Welt berichtet werden konnte, ist einerseits einem mutigen deutschen Journalisten, dem damaligen ARD Korrespondenten in Tokyo, Jürgen Hinzpeter, zu verdanken, dem es als einzigem deutschen Journalisten gelang, mit Hilfe eines unerschrockenen koreanischen Taxifahrers alle militärischen Absperrungen in Gwangju dreist und trickreich zu überwinden und so Hinzpeter samt Kameraausrüstung in das Zentrum des Geschehens bringen konnte.                                                                               
Letztendlich aber gelangte das politisch hochbrisante Filmmaterial erst durch unseren heutigen Laureaten Pfarrer Paul Schneiss, der selber - bereits 1977 wegen seines Engagements für Demokratie in Korea zur „persona non grata“ erklärt worden war und seitdem im japanischen “Exil“ leben mußte – und dem das auf geheim-verschlungenen Kurierpfaden von Hinzpeter aus Korea geschmuggelte und nach Japan zugespielt worden war, in den Rest der Welt zur öffentlichen Verbreitung durch die Medien in der Welt. Auch das das Verdienst eines Pfarrers und lutherisch-beherzten modernen Missionars, das Jahre später im weltberühmtem Spielfilm „A Taxi Driver“ des koreanischen Filmregisseurs Jang Hun aus dem Jahre 2017, zumindest filmisch, „verewigt“ wurde.

Auch nach Ereignissen in Gwangju kam die junge koreanische Demokratie noch nicht zur Ruhe. Die ganz besonders aus der koreanischen Studentenschaft kommenden, engagiert und nachhaltig durchgeführten Demonstrationen für Freiheit, Menschenrechte und Demokratie, die im Laufe der Jahre entscheidend dazu beigetragen haben, daß Südkorea heute längst zu einer gereiften, aufgeklärten und weltweit geachteten Demokratie geworden ist, sollten auch nach Gwangju noch nicht ihr Ende gefunden haben.                                                              
Wie intensiv diese koreanische Demokratie-Entwicklung auch bei Vertretern eines damals noch geteilten Landes wie Deutschland, das vier Jahrzehnte auch mit einer deutschen Diktatur im Osten als Nachbar leben mußte, ein tieferes Verständnis und fortbesehende Empathie mit dem koreanischen „Han“ entstehen und verfestigen konnte, erfuhr Lutz Drescher, selber, ein seit eh und je engagierter und nachhaltig wirkender lutherisch-evangelischer Missionar für Menschenrechte und demokratische Freiheiten, im wahrsten Sinne des Wortes „am eigenen Leibe“.                                                                  
Vor Allem als aktiv beteiligter Zeuge an all diesen Demonstrationen im Frühjahr 1987 - vor Allem an der Yonsei-Universität in Seoul und andernorts - stand damals auch Lutz Drescher gemeinsam mit koreanischen Pfarrern im Mittelpunkt. Der tragische Tod des Studenten Lee Han Yol, der von einer Tränengasgranate am Kopf getroffen worden war und nach Wochen im Koma verstarb, war eine Art Schlüsselerlebnis für ihn, sich gemeinsam mit vielen anderen koreanischen Pfarrern, insbesondere auch der „Presbyterian Church in the Republic of Korea“, dieser Demokratiebewegung anzuschließen. Natürlich hat auch er dabei mehr als genügend Tränengas abbekommen. In einer solchen schmerzhaften Situation sagte ihm ein mitdemonstrierender koreanischer Pfarrer unter gemeinsamen Tränen das alte koreanische Sprichwort: „Wenn Du keine Tränen vergießt, bist Du kein Koreaner.“

Jahre später, als er dieses ihn persönlich prägende Erlebnis einem koreanischen Kollegen erzählte, meinte dieser: „Aus den Tränen, die wir damals gemeinsam vergossen haben, ist unsere intensive Verbundenheit entstanden“.

Diese tiefe deutsch-koreanische Verbundenheit möchten wir unter Anderem auch mit der alljährlichen Verleihung des Mirok Li-Preises der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft immer wieder und aus tiefster Überzeugung zum Ausdruck bringen.

So schließt sich auf unterschiedliche, aber doch durch gemeinsame deutsch-koreanische humanistische Erfahrung in höchst überzeugender Weise durch eine wahlverwandte, weltanschauliche Geisteswelt zweier lutherisch-aufrechter deutscher Missionare in Korea – unserer heutigen Laureaten - der Kreis zu der Geisteswelt unseres verehrten Namenspatrons und deutsch-koreanischen Kulturmittlers Mirok Li in denkbar schönster Form.

Verehrte Laureaten, liebe Freunde, meine Damen und Herren:

Ich danke Ihnen für Ihre freundliche Aufmerksamkeit.

Weitere Beiträge zum Mirok Li Preis 2021 finden Sie unter:

Mirok Li-Preis 2021 - Dankrede Lutz Dreschers

Mirok Li-Preis 2021 - Laudatio

Mirok Li-Preis 2021 - Pressemitteilung der EMS

Mirok Li-Preis 2021 - Auszeihnung zweier Lebenswerke und der DOAM 

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