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Lutz Drescher - Dankrede bei der Verleihung des Mirok Li Preises am 15.10.2021

Dankrede bei der Verleihung des Mirok Li Preises am 15.10.2021

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Koreafreundinnen und Freunde,

aus allen Wolken sind wir gefallen, als wir im August die Nachricht gehört haben, dass wir den Mirok Li Preis erhalten werden. (Oder um es mit einer koreanischen Redensart zu sagen: 비행기에 태우지 마세요.어지럽고 떨어질까 두렵습니다. Setz uns nicht ins Flugzeug, wir haben Angst, dass uns schwindelig wird und wir herunterfallen.) Bei uns Beiden war die Überraschung groß und wir haben uns gefragt, womit wir das verdient haben…

Pfarrer Paul Schneiss, der leider im Krankenhaus ist, hat mich gebeten, in unser beider Namen unseren Dank auszusprechen. Wir freuen uns sehr und bedanken uns bei der Deutsch Koreanischen Gesellschaft und ihrem Präsidenten, Dr. Uwe Schmelter und dem ganzen Vorstand, (insbesondere auch bei Ihnen liebe Frau Hertrampf, denn wir kennen uns nun schon seit fast 35 Jahren und sind einander immer wieder an unterschiedlichen Orten begegnet). Einen herzlichen Dank auch an ihre Exzellenz, Frau Botschafterin Dr. CHO Hyun Ock 박사님 und an Sie Herr Dr. Thümmel. Unser großer Dank gilt auch Prof. LEE You Jae. Es war uns eine große Ehre, dass diese Laudatio jemand gehalten hat der einen koreanischen Hintergrund hat und trotz der Professur in Tübingen noch immer einen koreanischen Pass.

Paul Schneiss und ich stehen hier stellvertretend für all diejenigen, die in den Missionswerken und den Kirchen über die Jahrzehnte hinweg Brücken gebaut haben zwischen Korea und Deutschland und auch heute weiterhin an solchen Brücken bauen. Erwähnen möchte ich hier aus aktuellem Anlass ein wunderbares Projekt der deutschsprachigen Gemeinde in Seoul und ihrer Pfarrerin Mi-Hwa Kong. Sie arbeiten an einem Koreanisch Deutschen Liederbuch. Wir alle wissen, wie gerne Koreaner*innen singen und gemeinsames Singen kann Herzen öffnen alle. Dass Sponsoren für dieses Projekt willkommen wären, will ich nicht verschweigen.

Wir Beide stehen hier aber vor allem stellvertretend für all diejenigen, die sich über die Jahrzehnte hinweg für Demokratie und Menschenrechte in Südkorea und später dann auch für Versöhnung und Frieden auf der koreanischen Halbinsel eingesetzt haben. Viele unserer Weg- Gefährt*innen sind heute zugeschaltet und wir grüßen Euch herzlich. Der Preis gehört auch Euch! Namentlich erwähnen möchte ich meine Vorgängerin im Dienst in Korea, Pfarrerin Dorothea Schweizer. Sie war von 1975 bis 1984 in Korea. Wie auch Paul Schneiss von Japan aus, war sie u. a. ganz eng mit denjenigen verbunden, die - nicht zufällig an einem 1. März - 1976 in der Myongdong Kathedrale die Erklärung zur Demokratie und Freiheit abgegeben haben. Viele wurden zu Haftstrafen verurteilt! Unter ihnen auch der spätere Präsident KIM Dae Jung. (Diese Erklärung findet sich übrigens zusammen mit der Anklageschrift des Staatsanwaltes, so wie viele andere hochinteressante Dokumente, auf der von Paul Schneiss eingerichteten DOAM Homepage, denn er hat, wie wir bereits gehört haben, damals diese Dokumente aus Korea herausgebracht und von Japan aus bekannt gemacht. Aber ich bin abgeschweift.)

Danken möchte ich der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS) in Stuttgart, an deren Gründung die Deutsche Ostasienmission (DOAM) beteiligt war. Die EMS hat Paul Schneiss und mich zu unserem jeweiligen Einsatz in Ostasien ausgesandt (auch da steckt das Wort Mission drin). Wir Beide waren zu unterschiedlichen Zeiten in der EMS als Ostasien Verbindungsreferenten tätig. Dankbar sind wir all den Vertreter*innen aus kirchlichen Direktpartnerschaften, die heute dabei sind. Erwähnen möchte ich die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), die eine enge Beziehung nach Kwangju hat (dem Ort an dem eine Demokratiebewegung 1980 blutig niedergeschlagen wurde). Die EKHN hat bei Einladungen von Delegationen aus Nordkorea mehrfach eine große Rolle gespielt. In ihrer Akademie, dem Martin Niemöllers Haus, haben wichtige internationale Konsultationen mit Christ*innen aus Nord- und Süd-Korea stattgefunden. Diese Konsultationen waren jeweils gemeinsam mit der EKD vorbereitet worden und ohne die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den für Ostasien zuständigen Akteuren in der EKD wäre das alles nicht möglich gewesen.

Gerne sage ich ein paar Worte zu unserem Engagement für Demokratie und Menschenrechte. Wir Beide haben uns intensiv mit der Tradition der bekennenden Kirche in Deutschland und ihrem Widerstand gegen den Faschismus beschäftigt. Dass es diese Tradition eines Widerstandes aus dem Glauben heraus gab, war ja für unsere koreanischen Freund*innen überhaupt der Grund, weshalb sie Anfang der 70er Jahre Beziehungen zu den Kirchen in Deutschland aufgenommen haben. Um es aus meiner eigenen Erfahrung heraus zu sagen: Als ich 1986 gebeten wurde, nach Korea zu gehen, bin ich aufgebrochen in der Erwartung, eine „bekennenden Kirche von heute“ kennen zu lernen. Ich habe sie dort gefunden! Ich bin dann, in Korea angekommen oft gefragt worden 웨 와는야? Warum bist du gekommen? Und meine Antwort war immer: “Ich bin gekommen, weil ich von Euch lernen möchte“.

Dies ist übrigens auch eine missionstheologische Aussage. Ich weiß sehr wohl, dass der Begriff Mission sehr und teilweise zurecht umstritten ist. Mission hat für uns in der DOAM vor allem damit zu tun, dem Anderen mit einer Haltung radikaler Offenheit und tiefen Respekts zu begegnen. Es geht darum, die Spuren Gottes, der uns ja immer voraus ist, in solchen Begegnungen zu entdecken. Die Gründer der Ostasienmission sind schon 1884 so weit gegangen, dass sie von der Entdeckung der Wahrheit Gottes auch in den anderen Religionen gesprochen haben. Dass nicht nur wir als Personen sondern auch die Arbeit der Ostasienmission gewürdigt wird, berührt uns sehr
Zurück zu uns: Paul Schneiss und ich, wir haben in Ostasien viel gelernt. Uns haben Begegnungen und Freundschaften mit Menschen, die kürzer oder länger im Gefängnis waren, tief beeindruckt. Ja ich möchte noch weiter gehen: Unser Glaube, unsere Weltsicht, unser theologisches Denken und unser politisches Engagement ist durch solche Begegnungen verändert und vertieft worden. Ich denke es ist nicht übertrieben zu sagen, dass es die koreanischen Partner waren, die das Engagement der Deutschen Ostasienmission im Bereich der Menschenrechte verstärkt haben, wenn sie es nicht sogar indirekt begründet haben.

Als Freund*innen Koreas sind die meisten von Ihnen vertraut mit dem nicht übersetzbaren Konzept von Jeong (정). Es bezeichnet tiefe Verbundenheit, Zusammengehörigkeit, wechselseitige Verlässlichkeit. Wenn ich sage „정이 드렀어요“, (mich erfüllt, uns verbindet Jeong) dann entsteht in den Herzen der koreanischen Gesprächspartner*innen Wärme. 정, das ist es, was uns mit den Menschen in Korea verbindet. Mich verbindet es auch mit den Menschen in Nordkorea. Martin Buber hat das Bibelwort: „Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst so übersetzt: “Liebe Deinen Nächsten, er - und ich füge hinzu, sie - ist wie du“. Ja bei meinen Reisen nach Nordkorea ist정zu den Menschen dort entstanden, hat sich Verbundenheit und Wärme entwickelt. Ich habe sie lieben und schätzen gelernt und habe tiefen Respekt davor, wie sie unter allerschwersten Bedingungen versuchen, ihr Leben zu meistern. Auch Nordkorea ist ein Land, in dem Menschen leben, Menschen wie Du und ich, das ist eine der Botschaften bei meinen zahlreichen Vorträgen zum Thema.              

Fast zum Schluss möchte ich deshalb noch etwas sagen zur Frage von Versöhnung und Frieden auf der koreanischen Halbinsel. Ich war in Korea als die Berliner Mauer fiel und erinnere mich gut an die zahlreichen Anrufe, die ich an diesem Tag erhielt. Ich erinnere mich an die Tränen meiner Gesprächspartner*innen und die Hoffnung, die damals aufgeflammt ist: „Auch bei uns ist das möglich! Hoffentlich bald!“ Leider warten unsere Freunde*innen in beiden Teilen Koreas nun schon seit über 30 Jahren. Wir in der DOAM sind davon überzeugt, dass wir hier in Deutschland aus der verbindenden geschichtlichen Erfahrungen, getrennt (- und in unserem Fall getrennt gewesen -) zu sein, so etwas wie eine historische Verpflichtung haben, uns an den Schmerz des noch immer geteilten koreanischen Volkes zu erinnern, für die Menschen dort zu beten und sie auf dem Weg zu Versöhnung und Frieden zu begleiten.

Einer der dies tut ist Hartmut Koschyk, Ehrenvorsitzenden der DKG, bei Ihnen möchte ich mich an dieser Stelle auch einmal ganz ausdrücklich bedanken möchte. Für diejenigen die ihn nicht kennen:   er war langjähriger Vorsitzender der Deutsch-Koreanischen Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestages und ist der heutige Ko-Vorsitzender des Deutsch-Koreanisches Forums. Seitdem ich die Ehre hatte zu seinem 2005 erschienen Buch: „Deutschland, Korea, geteilt, vereint“ einen Beitrag über die Beziehungen der deutschen Kirche zu Christen in Süd- und in Nordkorea zu schreiben, haben sich unsere Wege immer wieder gekreuzt. Einmal sind wir uns auch in Nordkorea selbst begegnet. Ich habe tiefsten Respekt vor der Art, der Kunst, mit der Sie sich für Verständigung und Versöhnung zwischen Nord- und Süd eingesetzt haben. Sie haben dabei immer wieder die Notwendigkeit eines deutschen und eines EU Engagements betont.
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Koreafreund*innen. Ich bitte Sie als DKG, bitte die Politik und auch die Kirchen und Missionen inständig, sich weiterhin für Versöhnung und friedliche Koexistenz auf der koreanischen Halbinsel einzusetzen.

Ganz zum Schluss noch etwas sehr erfreuliches: Im kommenden Jahr im September wird die Vollversammlung des ökumenischen Rates der Kirchen, also der Kirchen der Welt hier ums Eck in Karlsruhe tagen. Neben Vertreter*innen aus Hunderten von Kirchen weltweit sind auch Christ*innen aus Nordkorea eingeladen. Auch da wird Raum für Begegnung eröffnet und an den genannten Themen weitergearbeitet. Beharrliches Wirken wird irgendwann Wirkung zeigen.      

Auch im Namen von Paul Schneiss sage ich herzlichen Dank, 감사합니다, und – so darf ich als Mensch der Kirche ganz am Schluss auch sagen - bleiben Sie und die Menschen in Nord- und Südkorea gesegnet.

Lutz Drescher

Mehr zur Preisverleihung finden Sie hier: https://www.doam.org/125-blog/5390-auszeichnung-zweier-lebenswerke-und-der-doam
Siehe auch die Pressemitteilung der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS): PM_Mirok_Li-Preis.pdf


 

 

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