IWANAMI, Dr. Tetsuo - Aufsätze

Professor IWANAMI Tetsuo, Tokyo, Japan

 


Aufsätze





Abstractt

Das missverstandene Christentum SPINNERs im Japan der Meiji-Zeit

IWANAMI Tetsuo, Tokyo

Wilfrid SPINNER weilte von 1884 1891 gut 5 Jahre in Japan. In dieser Zeit hatte er sehr viel zu tun. Wenn wir sein Tagebuch lesen, merken wir, das sein Aufenthalt in Japan eigentlich zu kurz war. Wegen seiner Arbeitsüberlastung ist sein Tagebuch sehr fragmentarisch ausgefallen.

SPINNER ist häufig von MIYOSHI Taizô in seine Familienversammlung eingeladen worden. Später wurde diese Familienversammlung die Banchô-Gemeinde. KOZAKI Hiromichi war Pfarrer dieser Gemeinde. Auch predigte SPINNER oft in der Shitaya-Itchi-Gemeinde. Dort war UEMURA Masahisa als scharfer Kritiker von SPINNER Pfarrer dieser Gemeinde. Anfänglich stand SPINNER in guter Verbindung mit UEMURA. 1887 gründete UEMURA die Itchibanchô-Gemeinde. SPINNER sollte UEMURA bei dieser Gründung helfen.

Die Einträge von SPINNER im Tagebuch sind von Juni 1886 bis Mai 1887 unterbrochen. Als SPINNER in Mai 1887 sein Tagebuch zu schreiben wieder fortfuhr, finden wir in den Tagebuchnotizen eine bemerkenswerte Vorsicht vor der japanischen Christenheit. Besonders vorsichtig war er vor den Artikeln in den Zeitschriften und Zeitungen geworden, in denen er und die deutsche Theologie kritisiert wurden.

Meine Fragen sind:

1) SPINNER half japanischen Pfarrern. Trotzdem wurde scharfe Kritik an ihm geübt. Woher kam diese Kritik?

2) Warum nannte man damals die Theologie SPINNERs im negativen Sinne eine freie Theologie?

3) Damals verwechselte man SPINNER sogar mit Unitariern und mit Universalisten.

Nach meiner Meinung haben die damaligen japanischen Christen SPINNER missverstanden. SPINNER wurde zu den Unitariern und Universalisten gerechnet. Man behauptete, seine Theologie sei eine freie, rationale Theologie. War er wirklich Unitarier? War der Glaube SPINNERs gleich mit dem der Universalisten?

Diesen Fragen möchte ich nachgehen und darauf hin die Zeitschriften "Rikugo Zasshi", "Jo-gaku Zasshi" und "Shinri" sowie die Zeitung "Kirisutokyô Shimbun" sorgfältig überprüfen.

Aus seinem Tagebuch kann man entnehmen, daß SPINNER nicht streiten, es auch zu keiner Polemik kommen lassen wollte. Sein Kollege Karl MUNZINGER hat 1991 auf die Kritik seiner Zeitgenossen an der deutschen Theologie geantwortet. Diese Antwort steht in dem Artikel „Deutsche Theologie und das Christentum in Japan.“ Hier werden 3 Punkte genannt: 1) Deutsche Theologie ist geschichtlich. 2) Deutsche Theologie ist kritisch. 3) Deutsche Theologie ist praktisch.

Was MUNZINGER damals schrieb, ist heute akzeptierte Tatsache. Dennoch schien damals der Glaube von SPINNER den damaligen japanischen Christen häretisch. Das Christentum, das SPINNER und die Missionare des Allgemeinen Evangelisch-Protestantischen Missionsvereins (AEPM) verbreiteten, war nicht rationalistisch und nicht unitarisch. Aber es wurde als solches missverstanden. Ist SPINNER etwa zu früh in Japan erschienen?


Prof. Dr. IWANAMI Tetsuo hat vor über 40 Jahren in Deutschland eine Predigt gehalten, die uns in „Christus in Fernost“, dem Mitteilungsblatt der DOAM, Nr.2, 1964 überliefert ist. Die folgenden Zitate sind dieser Predigt entnommen. Wahrscheinlich würde Herr Iwanami heute vieles anders formulieren; aber zu Beginn der 60er Jahre war er einer der wenigen japanischen Christen, die die Gelegenheit hatten, in Deutschland auf diese Weise ein Bekenntnis für ihren Glauben abzulegen. Wir freuen uns, diese Auszüge im Zusammenhang mit dem Symposium 2004 in Weimar hier vorlegen zu können.


Ihr habt das ewige Leben“ (1. Johannes 5, 11-13)

Was bedeutet das ewige Leben für uns? Wer kann an dieses Zeugnis glauben? Heutzutage glaubt man immer weniger an das Wort Gottes, an das Leben in Christo. Man sagt, es sei heute Unsinn, an die Bibel zu glauben, weil die Bibel vor zweitausend Jahren geschrieben ist. Aber wir leben jetzt im 20. Jahrhundert. Ja, scheinbar braucht man keinen Gott. Die hochentwickelte Technik. ... Die Überwindung des Raumes ... Die Gegenwart kann als Zeitalter der Geschwindigkeit charakterisiert werden.

Aber diese Geschwindigkeit herrscht nicht nur im Raum, sondern auch in der Zeit. ... Man lebt heute sicherlich im Wohlstand. Der hohe Lohn mit der guten Versicherung! ... Man lebt schon ohne Gott. ... Ist es wahr, dass wir ohne Gott leben können? Es sieht so aus, aber ist es richtig? Unser heutiger Text lautet: „Wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.“.....

Bei uns in Japan gibt es auch dasselbe Phänomen. Viele von Euch kennen vielleicht nicht genau Japan. In Tübingen habe ich einmal einen Studenten gefragt, ob es in Tōkyō ein U-Bahn gibt. Er konnte nicht antworten. Manchmal denkt man in Deutschland so, dass es in Japan nur niedrige Holzhäuser gebe und Japaner auf dem Boden knien und mit den Stäbchen äßen oder so etwas ähnliches. ...

Was das heutige Japan symbolisiert, ist vor allem der Fernsehapparat. Beinahe jede Familie hat einen Fernsehapparat, mit dem man ganz leicht zu Hause in der Vernachlässigung die Zeit vertreiben kann. ... Wenngleich die Theater und Kinos mit den Leuten voll besetzt sind, sind die Kirchen meistens nicht so voll.

Der Shintoismus, der früher Nationalreligion war, hat heute keine Kraft mehr. Der Buddhismus ist außer einer Sekte meistens veraltet. Außer einer Sekte - so habe ich gesagt, weil es eine starke buddhistische Bewegung mit 8 Millionen Mitgliedern heute in Japan gibt. Der Konfuzius ist nicht mehr so lebendig wie früher, weil er eine feudalistische Morallehre ist. Also, die Japaner sind heute ziemlich atheistisch.

In dieser Situation Japans müssen wir mit 800.000 Christen (das heißt 0,8 Prozent der ganzen Einwohner) evangelisieren. Aber welche gute Botschaft haben wir als Christen? Nun, zu dem heutigen Text: Wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.“

Was für eine neue Bedeutung hat unser Text für die heutigen Menschen? Nein! Es gibt keine neue Bedeutung! Darin steht keine Neuigkeit! Aber er ist ganz neu, wenn man noch nicht das ewige Leben in dem Text hat finden können. Die Wahrheit der Bibel wird nie veralten.... Es ist ein großer Trost, dass Jesus auch einmal bei uns gewohnt hat.... Amen.

Quelle: Archiv der Ostasienmission im Zentralarchiv der Evangelischen Kirche der Pfalz in Speyer.







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