Eine Glocke für Peking

Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache Peking
2015

Eine Glocke für die Evang. Gemeinde Deutscher Sprache in Peking

Pfr. Karl-Heinz Schell, bis März d.J. in Beijing, jetzt zurück in seiner Kirche, der Ev. Kirche in Hessen und Nassau (Dreifelden im Westerwald) schreibt an seine ehemalige Gemeinde und die Zuzrückgekehrten am 10.7.2015 folgende Nachricht:


"...
Nach 2 Jahren Vorbereitungszeit ist es in nur einer Woche so weit:
Am Freitag, den 17.07.2015 um 11 Uhr wird in dem kleinen Ort Sinn bei Herborn im Westerwald zum zweiten Mal eine Glocke für die Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache in Peking gegossen werden.

Biblische Losung und Lehrtext für diesen Tag, 17.07.2015, sind:

Wer ist es, der den Herrn fürchtet? Ihm weist er den Weg, den er wählen soll.
Psalm 25, 12

So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat.
Epheser 5, 1-2

Auf der Glocke finden sich die folgenden beiden Bibelworte: 

Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.
Hebräer 13, 14
Jahreslosung im Jahr des 20-jährigen Jubiläums der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache Peking in 2013
Dies war auch die auf der ersten (verloren gegangenen) Glocke der Deutschen Evangelischen Kirchengemeinde Peking im Einweihungsjahr 1938 aufgebrachte Jahreslosung

Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.
Römer 15, 7
Jahreslosung im Guss- und Einweihungsjahr 2015

1. Historischer Rückblick
Die historisch erste Glocke für die evangelischen Deutschen in Peking, gestiftet von den Angehörigen des Chefarztes des Deutschen Hospitals Peking, Dr. Edmund Dipper, wurde 1938 eingeweiht und kam in der kleinen deutschen evangelischen Kirche (Kapelle) im Pekinger Gesandtschaftsviertel (Legation Quarter) zum Einsatz. Die Glocke verschwand im Zuge des Abrisses der deutschen Gesandtschaft in den 1980er Jahren. 

Ich freue mich besonders, dass wir am 18.7. von unserer Glocken-Mitsponsorin Renate Jährling einen kurzen historischen Rückblick erhalten werden. Sie und Anita Günther, ebenfalls Mitsponsorin, sind Zeitzeugen der historisch ersten deutschen Gemeinden in Peking (gegr. 1916) und Tianjin (Tientsin, gegr. 1913) und Herausgeberinnen des Magazins StuDeO, die Pressestimme des i.J. 1992 gegründeten Vereins Studienwerk Deutsches Leben in Ostasien. 

Renate Jährling ist in Peking geboren und lebte dort als Kind bis zur Zwangsrepatriierung der in China lebenden Deutschen (Ende 1940er/ Anfang 1950er Jahre). Ihr Vater Ernst Jährling war von 1930 bis 1947 für die Firma Carlowitz in Peking tätig. Ihr Großvater Rudolf Sterz war aktiv beteiligt an nach dem Boxeraufstand von Kaiserinwitwe Ci Xi initiierten chinesischen Staatsreformen und wurde u.a. 1906 zum Mandarin 3. Grades ernannt. Er lebte von 1898 bis 1914 in Tsingtau und anschließend in Peking, wo er 1950, nach 52 Jahren in China, verstarb und auch dort beerdigt wurde.  (s. auch: http://www.dw.com/popups/pdf/564030/unsere-heimat-ist-china.pdf)

2. Deutsche evangelische Kirchengebäude in China
Eine eigene Kirche haben die evangelischen Deutschen bzw. Deutschsprachigen in China nach ihrer Vertreibung nie wieder gehabt. 

Abgerissen wurden die deutschen Kirchen in Shanghai, Tianjin und Peking. Erhalten geblieben sind sie nur noch in Harbin (erbaut 1916) und Qingdao (erbaut 1910); sie werden von unseren chinesischen Glaubensgeschwistern sorgsam gepflegt und mit Leben und Gottes Liebe gefüllt. Die Christuskirche in Qingdao hat als einzige ein bis heute noch zuverlässig funktionierendes Glockengeläut incl. Turmuhr aus Deutschland.

3. Arbeitseinsatz in der Glockengießerei
Am Dienstag, den 30.06.2015 war ich zusammen mit der Glocken-Mitsponsorin und KGR-Peking Deutschland-Beauftragten Edna Li in der Glockengießerei Rincker in Sinn. Vermutlich seit dem Jahr 1590 werden hier Glocken für Kirchen in der ganzen Welt gegossen. 
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Glocken-_und_Kunstgießerei_Rincker

Unsere Aufgabe war es, das Aufsetzen der Glockenaufschriften, also auch der Sponsorennamen, in Wachs (!) auf die so genannte "falsche Glocke" mitzuverfolgen und Korrektur zu lesen.

Es ist so, dass das Wachs im Zuge eines Brennvorgangs unter einem Glockenmantel aus Lehm schmilzt; Text und Symbole sind dann als Negativ im Lehmmantel eingebrannt. Dieser Lehmmantel dient anschließend als Matritze für den Guß der echten Glocke aus Bronze. 
Wir werden dies ja dann am 17.07. persönlich miterleben dürfen.

4. Wie geht es nach dem Guss weiter?
Nach dem Guss muss die Glocke, so Glockenbaumeister (GBM) Hanns Martin Rincker "lange auskühlen, damit der Klang möglichst optimal wird. Dies ist der eigentliche Grund, warum wir möglichst freitags gießen (samstags/sonntags arbeitsfrei, ab montags ausgraben…).  Die Glocke wird also ab Montagnachmittag/Dienstag sichtbar, ein paar Arbeitsstunden später auch hörbar sein. Wenn sie perfekt gelungen ist, kann sie dann schon zum Wochenende fertiggestellt sein, evtl. benötigen wir aber noch bis zu zwei Wochen länger.

Es folgt dann der Transport nach Peking; diesbezüglich hat sich unser Glocken-Mitsponsor Michael Kessler auf die Suche begeben.

Anschließend wird es dann im Herbst eine Einweihungsfeier am Standort der Glocke, in der Deutschen Botschaft Peking geben; den entsprechenden Termin wird der Pekinger Kirchengemeinderat zusammen mit Botschafter Michael Clauß vereinbaren.

5. Peking und Trautenstein - Zwei Mal Ost
Zusammen mit unserer fernöstlichen Pekinger Glocke wird noch eine weitere Glocke gegossen, und zwar für die ostdeutsche Gemeinde Trautenstein.
Hierzu schreibt uns GBM Rincker am 08.06.2015: 
"Trautenstein liegt politisch in Sachsen-Anhalt, kirchlich gehört die Gemeinde aber nach Braunlage, somit in die Braunschweigische Landeskirche. Da das Kirchengebäude von der politischen Gemeinde verwaltet/betreut wird, ist hier nicht der Pfarrer, sondern, im Auftrag des Bürgermeisters, der Bauamtsleiter der neuen „Stadt Oberharz“ zuständig. Dies ist eine ungewöhnliche Konstellation, gibt es aber seit Grenzöffnung öfter mal. Ob von dieser Gemeinde jemand zum Guss kommen wird, wissen wir nicht; falls überhaupt, werden es aber nur wenige Personen sein."
Auch diese Glocke ist mit einer bewegten Geschichte verbunden.

6. Glockenzubehör
Im Anschluss an unsere interessante Mitarbeit "vor Guss" zeigte uns Herr Rincker dann noch das Stahlgerüst (180 cm Höhe, 100 cm Länge, 80cm Breite, Gewicht 100 kg) in dem die Glocke (Gewicht 200 kg) dann in Peking mobil (das Gerüst hat Rollen) aufgehängt sein wird, und diverse andere Zubehörteile.

7. Foto-Dokumentation
Im Anhang: Fotos vom Wachsbuchstaben-Setzen auf die Vor-Glocke ("falsche Glocke") und vom Glockenzubehör; Grüße aus der Herborner Altstadt.

8. Der Glockenguss
mit anschließender Betriebsführung findet statt
am 17.07.2015 von 11-13 Uhr
in der Glocken- und Kunstgießerei Rincker
Wetzlarer Str. 13, 35764 Sinn.
Er ist zugleich die Auftaktveranstaltung für das 2. Jahrestreffen von Mitgliedern der Gemeinde Peking in Deutschland vom 17.-19.07.2015.
...

10.7.2015
Karl-Heinz Schell

Die Foto-Dokumentation:











   

















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