Evang. Gemeinde Deutscher Sprache Peking

Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache Peking
Mit freundlicher Erlaubnis von StuDeO - Studienwerk Deutsches Leben ind Ostasien e.V.
Dezember 2013, S. 24ff.

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Zum zwanzigjährigen Jubiläum der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache Peking

 

Die Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache Peking (EGDS Peking) gab zum zwanzigjährigen Jubiläum ihrer Gründung am 10. Juni 1993 eine informative und ansprechend gestaltete Festschrift heraus; Titel: Von Osten und von Westen… Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache Peking. Festschrift zum 20-jährigen Jubiläum (2013), 192 S.; reich, teilweise auch farbig illustriert. – € 12,00 plus Versand.

Den rot leuchtenden Einband schmückt die Wiedergabe des Scherenschnitts „Ökumene“, den die Künstlerin Fan Pu als Altarbehang – die Gottesdienste finden im Europasaal der Deutschen Botschaft statt – gestaltet hat. Der Jubiläumsband zeigt, mit welcher Anteilnahme und welchem Einsatz diese erste evangelische Gemeinde Chinas nach seiner Öffnung unter Deng Xiaoping entstand. Zahlreiche Grußworte aus Politik, Diplomatie, Wirtschaft sowie aus in- und ausländischen Gemeinden und Kirchen würdigen die Aktivitäten der Pekinger Gemeinde.

Einleitend berichtet der seit 2008 amtierende Pfarrer Dr. Karl-Heinz Schell, daß das Jubiläum der EGDS Peking eine Woche lang, vom 2. bis zum 9. Juni, gefeiert werde, nicht ohne auf die früheren Kirchengemeinden in Nordchina hinzuweisen und sie kurz vorzustellen:
„Die ehemalige Deutsche Evangelische Kirchengemeinde Peking (DEK Peking), die 1916 gegründet wurde, wäre nun 97 Jahre alt. Die früher eigenständige [benachbarte] DEK Tientsin [Tianjin], 1913 gegründet, wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt. Die frühere deutsche Gemeinde Harbin [Abb. S. 39], in den 1930er Jahren die größte Gemeinde in Nordchina – durch Zuwanderung aus dem [sowjetisch gewordenen] Wladiwostok –, bestand von 1905 bis 1949 und wurde nicht wiederbegründet. Aber nur ein paar hundert Kilometer weiter südlich gibt es am großen VW/Audi-Standort unsere EGDS Changchun [Hsinking], die im April ihr 10-jähriges Jubiläum gefeiert hat. Wiederum ein paar hundert Kilometer weiter südlich liegt die Stadt Shenyang [Mukden]. Sie hat im vergangenen Jahr das fünfte Generalkonsulat in China bekommen, ist BMW-Standort und verzeichnet eine wachsende Zahl von Deutschen. Auch hier wohnen Gemeindemitglieder. Noch ein drittes Zentrum deutschsprachiger kirchlicher Arbeit gibt es in Nordchina: Qingdao [Tsingtau]. Die EGSD Qingdao, gegründet im Dezember 2010, ist unser jüngstes Pflänzchen. Die Vorgängergemeinde, die DEK Tsingtau, 1898 gegründet, wäre allerdings schon 115 Jahre alt.“
Über die Religionen in China, die Verbreitung des Christentums und seine Stellung im heutigen China sowie über die Geschichte der evangelischen Kirchengemeinden im Land informieren ausführlich viele interessante Beiträge der Pekinger Pfarrer und weiterer Autoren aus der Gemeinde, die in der Summe einen reichen Überblick vermitteln. – Hier einige Auszüge:

Religionen in China1

Zu den zahlreichen Religionen (zongjiao) in China zählt man traditionell Buddhismus (fo jiao), Taoismus (dao jiao) und Konfuzianismus (ru jiao) als die Drei Großen Religionen (san da jiao). Der Konfuzianismus ist strenggenommen keine Religion, sondern eher eine Philosophie oder eine Sammlung von Grundsätzen in Hinblick auf moralische Werte, gesellschaftliches Miteinander und Beziehungen innerhalb der Familie.
Die Volksrepublik China gewährt Religionsfreiheit (Artikel 36 der Verfassung), die neben den beiden genannten Religionen noch für den Islam (hiu jiao), den Katholizismus (tianzhu jiao, „Himmelslehre“) und den Protestantismus (jidu jiao, „Christuslehre“) gilt. Während im westlichen Denken das Christentum als eine Religion mit verschiedenen Ausprägungen gilt, sieht die chinesische Wahrnehmung hier zwei verschiedene Religionen.
Das chinesische Verständnis von Religionsfreiheit ist ein anderes als das westliche. Religionsfreiheit bedeutet zum Beispiel in Deutschland, daß man das Recht hat, an was und wen auch immer zu glauben und den Glauben auch gemeinschaftlich zu praktizieren. Religionsfreiheit in China bedeutet dagegen, daß man das Recht hat, an eine (oder mehrere) der o.g. fünf staatlich genehmigten Religionen zu glauben. Was „Religion“ ist, definiert somit der Staat. Nicht genehmigte Religionen werden als „Kulte“ bezeichnet. Dazu zählt z.B. auch das Judentum (youtai jiao) oder die Orthodoxie (dongzheng jiao hui).

Christentum in China2

Daß das Christentum nach offizieller Lesart in Form zweier Religionen erscheint, mag seine Ursache in der Missionsgeschichte haben. Die erste Begegnung mit dem Christentum hatte China durch nestorianische Christen (Nestorianismus, jingjiao). Die nestorianische Kirche hatte sich im 5. Jahrhundert wegen Unterschiede hinsichtlich des Christus-Verständnisses von der westlichen Kirche gelöst. Missionierend breitete sie sich von Syrien bis nach Zentral- und Ostasien aus.
Die Missionare bemühten sich, ein spezifisch chinesisches Christentum zu entwickeln und zu fördern. In der Missionswissenschaft bezeichnet man den bei einem solchen Ansatz entstehenden philologisch-theologischen Prozeß mit dem Begriff „missionarische Akkomodation“. Dahinter steht die Frage, wie man religiöse Begriffe aus der einen Kultur in die andere „übersetzt“. Dabei will man einerseits nicht deren ursprüngliche Bedeutung aufgeben, andererseits aber auch von und in der neuen Kultur, Sprache und Mentalität verstanden werden.
Ein Beispiel: Die katholischen Missionare des 14. Jahrhunderts übersetzten das Wort „Gott“ mit „Himmelsherr“ (tianzhu), während die protestantischen Missionare des 19. Jahrhunderts die Übersetzung „Geist“ (shen) oder „Ober(st)er Gott“ (shangdi) wählten; letztere Version, um auch deutlich zu machen, daß der christliche Gott über dem Kaiser (huangdi) stehe. Noch heute kann man katholische und evangelische chinesische Christen an ihrer unterschiedlichen Gottesbezeichnung erkennen.
Als 1949 Mao Zedong die Volksrepublik China ausgerufen hatte, mußten in den Folgejahren alle ausländischen Pfarrer und Missionare das Land verlassen.3 Die protestantischen Gemeinden wurden vereinigt im „Three-Self Protestant Patriotic Movement (TSPM)“ (zhongguo jidujiao sanzi aiguo yundong) und die katholischen in der „Chinese Patriotic Catholic Organisation“ (zhongguo tianzhujiao auguo hui). Dreimal „Selbst“, was bedeutet: Ohne ausländische Einflußnahme sich selbst verwalten, sich selbst finanzieren und selbständig verkündigen. Dabei wurden – nicht zu verschweigen – alle jene Christen und Gemeinden, die sich der staatlichen Zwangsvereinigung widersetzten, verfolgt und drangsaliert.
Heute gehört das Christentum in China zu den am schnellsten wachsenden Religionen. So gibt es z.B. im Verwaltungsbezirk Peking achtzehn staatliche Drei-Selbst-Kirchen (Chinese Christian Council CCC, gegr. 1980). Jede dieser Gemeinden zählt Sonntag für Sonntag rund 3.000 Gottesdienstbesucher in mehreren Gottesdiensten und verzeichnet ein- bis fünfhundert Taufen jährlich. Zusammen mit den Christen in den so genannten „Hauskirchen“ (d.h. nicht registrierte Hausgemeinden) gibt es in China mindestens um die 40 Millionen Christen. Es gibt sogar Schätzungen, die weit darüber hinausgehen, bis zu etwa 100 Millionen.

Historischer Rückblick auf die Evangelische Kirchengemeinde Peking 1916-19494

Nach dem Boxeraufstand im Jahre 1900 wurde eine Kapelle errichtet, die der Gesandtschaft, der Garnison und den ortsansässigen Deutschen künftig zu Gottesdiensten dienen sollte. Es fanden aber nur wenige dort statt, und einen Gesandtschaftspfarrer gab es nicht. Amtshandlungen wie Taufen, Trauungen usw. nahm der Militärseelsorger der Ostasiatischen Besatzungsbrigade in Tientsin vor, wenn er darum gebeten wurde. Das Vorangehen Tientsins, wo es am 27. Oktober 1913 zur Gründung der Deutschen Evangelischen Kirchengemeinde kam, regte an, in Peking dasselbe anzustreben. Aber erst der Weltkrieg mit seinen Folgen brachte die Sache ins Rollen: Infolge des japanischen Angriffs auf das deutsche Pachtgebiet fanden sich bald Frauen und Kinder aus Tsingtau und dem Innern Schantungs in Peking ein, so daß die deutsche Kolonie stärker wurde denn je zuvor.
Nach dem Fall Tsingtaus mußte auch der dortige Pfarrer Ludwig Winter die Stadt verlassen. Er kam dann 1915 nach Tientsin und stellte sich ehrenamtlich der Tientsiner Kirchengemeinde sowie der deutschen Kolonie in Peking zur Verfügung. Der erfreuliche Widerhall, den die regelmäßigen Gottesdienste fanden, ermutigte zur Gründung einer eigenen Kirchengemeinde in Peking. Die Gründungsversammlung fand am 16. November 1916 im deutschen Nordhotel statt. Zum Gemeindepfarrer wurde natürlich Ludwig Winter gewählt.

Nach der erzwungenen Schließung des Nordhotels am 9. Oktober 1918 feierte die Gemeinde ihre Gottesdienste in der Baracke 9 der ehemaligen Waldersee-Kaserne, später „Deutsches Gelände“ genannt, wo in den Baracken u.a. auch die Schule untergebracht wurde. Die Baracke 9 wurde nach und nach zu einer Kapelle ausgebaut und erhielt zuletzt sogar eine Bronzeglocke, die „Zum Gedenken an Dr. Edmund Dipper, Wegbereiter Deutscher Heilkunde in China 1898-1933“ – so eine von drei Inschriften – von seiner Familie gestiftet und am 15. Dezember 1938 von der deutschen Gemeinde feierlich eingeweiht wurde; siehe das (falsch datierte) Foto ebd., S. 47, und Abb. oben. Die Glocke ging beim Abriß der Baracken Anfang der 1980er Jahre leider verloren.
Aus der damaligen Zeit präsentiert die Festschrift achtzehn beschriftete Schwarz-Weiß-Fotos (S. 47f., 53-57, 62f.) ohne Quellenangabe, die aus der StuDeO-Fotothek stammen.

Die Gemeinde Peking nach der Öffnung Chinas (1984-1993)5

In der Ausschreibung der 1984 neu zu besetzenden Pfarrstelle Hongkong stand auch etwas über die Volksrepublik China hinsichtlich der Gemeindearbeit in Peking und Shanghai. Die Gemeinde Peking war wegen der großen Fluktuation ein flüchtiges Gebilde. Zentrum war die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland (während es damals auch noch die Botschaft der DDR gab). Gottesdienste – anfangs lud der Botschafter dazu ein – waren selten, sie waren für die deutschen Diplomaten, Geschäftsleute, Journalisten, Dozenten und Studenten etwas Besonderes, ja gesellschaftliche Ereignisse. Die meisten meiner Landsleute lebten und arbeiteten in Hotelzimmern, wo sie mich auch empfingen, wenn ich sie besuchte. Sie besaßen fast alle zwei Zimmer, das eine diente als Wohnraum, das andere als Schlafraum, irgendwo war die Büroecke mit einem Faxgerät.
Wer gehörte damals zur Gemeinde? Es gab ja noch keine eigentliche Mitgliedschaft mit einem finanziellen Beitrag. Die Gemeinde Peking war unstrukturiert, ich besuchte Singles und Familien, es gab Taufen und Konfirmationen, Gesprächsabende in Hotelzimmern und später auch in Wohnungen. Im Laufe der Jahre unternahmen wir auch gemeinsame Reisen, es gab etwa Konfirmandenfreizeiten in Qufu und Beidaihe.
Besonders spannend waren Begegnungen mit (ehemals) Deutschen und Österreichern, die schon jahrzehntelang in der Volksrepublik gelebt und die chinesische Staatsbürgerschaft angenommen hatten. Ich erinnere mich an die Photographin und Journalistin Eva Siao, an die Journalistin Ruth Weiss und an Käthe Zhao, eine hochgebildete Wissenschaftlerin an der Universität Peking.6 Auch Pastoren, die vor und bis nach dem Krieg in China gelebt hatten, kamen manchmal zu Besuch, etwa Pastor Wolfgang Müller, der [von 1938 bis 1946] in Tientsin tätig gewesen war.7
Nachtrag: Pfarrer Reinhard Gilster nahm von Hongkong kommend an der konstituierenden Sitzung in Peking am 10. Juni 1993 teil, in der eine Gemeindeordnung beschlossen und ein Gemeindekirchenrat gewählt wurde. Das Kirchenamt der EKD in Hannover wurde gebeten, „bald eine Stelle für einen Pfarrer in Peking zu schaffen und auszuschreiben“.

Die Gemeinde unter Pfarrer Hans-Georg Dürr (1995-2001)8

Erster Pfarrer der neugegründeten Pekinger Gemeinde wurde Hans-Georg Dürr. Die Festschrift bringt einen Brief von ihm an die Kulturabteilung der Deutschen Botschaft Peking vom 1. November 1996, der sich auf die Gräber von Deutschen auf dem Ausländerfriedhof bezieht (S. 70f.). Der Brief gab den Anstoß zu einem gemeinsamen Projekt der EGDS Peking, der Botschaft und des StuDeO, das darin bestand, die Grabsteine auf das Gelände der Deutschen Botschaft zu verlegen. Im Jahre 1998 besuchten Anita Günther und ich im Namen von StuDeO zusammen mit dem Kulturreferenten Holger Green den Ausländerfriedhof, wo wir nur noch vierzehn erhaltene Grabsteine von ursprünglich über zweihundert fanden, die 1953 von dem ehemaligen Deutschen Friedhof dorthin gebracht worden waren.
Mit diesen Grabsteinen wurde auf dem Gelände der im Jahre 2000 fertiggestellten neuen Botschaft eine „Gedenkstätte für in China verstorbene Deutsche“ eingerichtet (StuDeO finanzierte den Transport und die Aufstellung) und am 26. September eingeweiht. Begleitend erstellte StuDeO eine Dokumentation. Im April 2007 brachte man dort (Adresse: 17, Dongzhimen Dajie) eine Hinweistafel an, welche die Passanten auf die Gedenkstätte aufmerksam machen soll (siehe StuDeO-INFO September 2008, S. 36-38).

Die Gemeinde unter Pfarrer Gerold Heinke (2001-2007)9

Ich teile meine Zeit als Pfarrer der EGDS Peking in drei Phasen: a) Begeisterung b) Neuaufbau und Konsolidierung c) Abschied.
a) Damals gab es noch Schwierigkeiten, die man heute von Peking überhaupt nicht mehr kennt. Davon ließen wir uns aber wenig beeindrucken, denn meine Familie und ich waren fasziniert von dieser völlig anderen Welt. „Unglaublich“ war wohl das in dieser Zeit von mir am meisten gebrauchte Wort. Das Neue an der Situation für mich war, daß ich keinen direkten Vorgesetzten hatte, keinen Superintendenten oder Bischof, der meine Entscheidungen billigen mußte. Ich war fünfeinhalb Jahre lang der einzige offiziell aus Deutschland entsandte Pfarrer in der ganzen Volksrepublik.
b) Nachdem wir das erste Jahr überstanden hatten, konnten in der Gemeinde auch neue Projekte angepackt werden. Schon im ersten Jahr hatte ich den Bibelgesprächskreis ins Leben gerufen, als neues Projekt organisierte ich einen Frauenkreis, der sich monatlich zu geistigem Austausch oder zu Ausflügen traf. In diese Phase fallen auch unser erster Gottesdienst in Tianjin und ein engerer Kontakt zur chinesischen Protestantischen Kirche, der Drei-Selbst-Bewegung. So war ich mindestens einmal im Vierteljahr zu Gast bei Pfarrer Yue, dem Vorsitzenden des Pekinger Christenrats. Diese Kontakte führten 2004 dazu, daß ich zu Sondervorlesungen an das Theologische Seminar Yanjing Shenxueyuan oder auch als Mitwirkender zu Jugendgottesdiensten in der Gangwashi Kirche eingeladen wurde. Gleichzeitig intensivierte sich auch die Arbeit in der DCGS in Shanghai, die ich monatlich mitbetreute.10 Anfang 2003 kam mit der Gründung der Gemeinde in Changchun auch die Arbeit im Norden Chinas dazu. Um 2005 war ich schon in einer Situation angekommen, wo kräftemäßig mehr nicht zu leisten war.
c) Fazit: Meine Zeit in der EGDS Peking war eine Zeit, in der ich fast jeden Tag sprachlich und kulturell an meine Grenzen kam, aber die insgesamt sehr befriedigend verlief, nicht nur für mich persönlich, sondern auch für unsere ganze Familie. Die Gemeinde in Peking und das Land selbst wurden uns zur zweiten Heimat.

Die EGDS Peking heute. Aus dem Jahresbericht für 201211

a) Wir haben das Jahr 2012 mit 206 Mitgliedern begonnen, heute haben wir 190 Mitglieder. Verabschiedungen betreffen immer 20 bis 25 % der Mitglieder. Durch die hohe Fluktuation hat unsere Gemeinde nach drei bis vier Jahren einen fast komplett neuen Mitgliederbestand. Unsere Mitglieder leben in China (Peking, Changchun, Shenyang und Qingdao), in Singapore und Pjöngjang. Zusätzlich zu der Gemeinde vor Ort gibt es auch noch eine weltweite deutschsprachige Internetgemeinde – zu der zählen wir die zurzeit 1.100 Empfänger unserer Gemeindeemail.12

 

b) 2012 gab es bei uns fünfundzwanzig Gottesdienste, die im Durchschnitt von 104 Personen besucht wurden (eine leichte Steigerung). Besonders gut besucht war der Weihnachtsgottesdienst mit 435 Besuchern, der von unserer Kantorei mitgestaltet wurde. Weitere Höhepunkte sind die ökumenischen Gottesdienste zu Schuljahresbeginn und -ende, der Ökumenische Bibeltag, die Konfirmationen in Peking und Changchun, das Erntedankfest, das wir wieder in der Kirche des Theologischen Seminars Peking feiern konnten, übrigens zum ersten Mal gemeinsam mit dortigen Studenten.

c) Religionsunterricht und Deutsche Botschaftsschule Peking (DSP): Aus der Perspektive chinesischen Rechts gibt es weder die EGDS Peking, noch hat sie einen Pfarrer. Mein Kommen im Jahre 2007 ermöglichte nur ein Visum als Lehrer an der DSP. Genau wie es in meiner Landeskirche üblich ist,13 unterrichte ich auch hier in Peking vier Stunden wöchentlich Religion. Daneben verbringe ich noch Zeit mit der Teilnahme an Projekten, Konferenzen und weiteren Dienstterminen. Die Schule ist der wichtigste Ort für das gemeinschaftliche und das kulturelle Leben der Deutschen in Peking.
d) Die Deutsche Kantorei Peking könnte man das Flaggschiff unserer Gemeinde nennen. Sie wurde am 7. September 2010 von dem Konzertorganisten und Kantor Daniel Tappe mitgegründet und bis Sommer 2012 geleitet. Im Herbst übernahm Frau Chenhua Vinck die Leitung.
e) Seit Mai 2011 ist unsere Gemeindepädagogin Ruth Hidaka bei uns. Sie ist Japanerin, die zuvor viele Jahre in einer Gemeinde in Deutschland gearbeitet hat. Ihre Einsatzgebiete sind vielfältig: Sie unterstützt uns in der musikalischen Gestaltung unserer Gottesdienste, das Frauenfrühstück hat sie mitbegründet, im Bereich deutsch-chinesischer Ökumene ist sie aktiv mit Besuchen in einem Seniorenheim der chinesischen Evangelischen Kirche und unterstützt mich bei der Verwaltung. Ihre hauptamtliche Arbeit wird im wesentlichen von ihrer japanischen Heimatkirche finanziert.
f) Betreuung der angegliederten drei Gemeinden in Nordchina: Ich unternehme viermal im Jahr je zwei- bis dreitätige Pastorationsreisen nach Changchun und Qingdao und begab mich 2012 auf zwei Dienstreisen nach Shenyang. Die Bitte um eine weitere deutsche evangelische Pfarrstelle für Nordostchina blieb unerfüllt! Die Gemeinde Qingdao hat vier Mitgliedshaushalte. Früher gab es schon einmal eine deutschsprachige evangelische Gemeinde, und zwar von 1898 bis 1951. Es war die dritte Gemeindegründung in China nach Hongkong (1873) und Shanghai (1890). Die kleine Gemeinde Qingdao ist eine Perle in unserem Gemeindeverband, denn durch sie sind wir, als evangelische Deutsche in China, ganz lebendig mit unseren historischen Wurzeln verbunden.

g) Ökumene wird auf vielen Ebenen in unserer und durch unsere Gemeinde gelebt: mit der Katholischen Gemeinde in Peking, der deutsch-chinesischen Ökumene in Peking, Tianjin, Changchun und Qingdao, der internationalen Ökumene in Peking. Tradition haben inzwischen die gegenseitigen Besuche der Gemeindepfarrer Peking und der Evangelischen-lutherischen Gemeinde Wladiwostok [Propst Manfred Brockmann] mit ihrer historischen deutschen Kirche in norddeutscher Backsteingotik [Pauluskirche, siehe Titelbild des StuDeO-INFO Dezember 2000].
Zu meinen Dienstpflichten gehört auch der Austausch mit den Pfarrern und Pfarrerinnen der deutschsprachigen Gemeinden in Fernost (China, Indonesien, Japan, Korea, Singapore, Thailand) und in Australien.
h) Da wir über kein eigenes Kirchengebäude oder Gemeindehaus – das Botschaftsgebäude ist zugleich Kirche der evangelischen und katholischen deutschsprachigen Christen, wir genießen hier unentgeltlich Hausrecht – und auch nicht über die sonst übliche Infrastruktur verfügen, sind wir auf das Engagement aller Mitglieder angewiesen. Unsere Gemeinde finanziert sich selbst – bis auf einen Teil des Pfarrergehalts – aus Mitgliedsbeiträgen, Kollekten und Spenden, weil wir aus Deutschland keine Steuermittel erhalten.
Für ganz China gibt es nur zwei evangelische Pfarrer: einen in Peking (für Nordchina) und einen in Shanghai (für Südchina). Nach dem Pfarrstellenbemessungsmodell der Ev. Kirche in Hessen und Nassau haben die evangelischen Deutschen in China (ca. 8.000) eigentlich Anspruch auf fünf Pfarrstellen. – Wir sind eine Expat-Gemeinde in einer globalisierten Zeit, eine Gemeinde in ständigem Aufbau und unaufhörlicher Veränderung – in Peking oder Tianjin, Changchun oder Shenyang, Qingdao oder anderen chinesischen Städten.


„Von Osten und von Westen…“, so lautet das Motto dieser Festschrift, ganz oben auf dem Dekkel plaziert. Darunter erblickt man die Wiedergabe des Scherenschnitts der chinesischen Künstlerin Fan Pu aus Nanjing. „Ökumene“ nennt sie ihn: Innerhalb der Kontur eines Kreuzes, das dem eines Bischofs ähnelt, strecken fünf Menschen – aus jedem Erdteil einer – ihre Arme so weit aus, daß ihre Hände im kreisförmigem Zentrum wiederum ein Kreuz bilden können. So setzt Fan Pu Jesu Wort um: „Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes“ (Lukas 13, 29).


1 Verfasser: Pfarrer Dr. Karl-Heinz Schell.
2 Verfasser: Derselbe.
3 Nicht nur sie mußten damals das Land verlassen, sondern sämtliche Ausländer, allerdings mit Ausnahme derer, die sich zum Kommunismus bekannten.
4 Bearbeitet von Renate Jährling. Quelle: Pastor Hellmut Lehmann: Deutsche Evangelische Kirchengemeinde Peking. Ein Rückblick auf ihre Geschichte (1941), Festschrift, S. 58f. – Lehmann war von 1937 bis 1946 Gemeindepfarrer in Peking, anschließend noch zwei weitere Jahre in Tientsin, um dort Pastor Wolfgang Müller zu ersetzen, der auf der „Marine Robin“ nach Deutschland zurückgereist war.
5 Verfasser: Pfarrer Reinhard Gilster.
6 Schriften: Eva Siao geb. Sandberg (1911-2001, seit 1940 in China): Kindheit und Jugend Mao Tse-tungs (1953); Peking. Eindrücke und Begegnungen (Bildband 1956); China – mein Traum, mein Leben (Autobiographie 1990). – Ruth Weiß, verheiratet mit Yeh Hsuan (1908-2006, seit 1933 in China): Lu Xun, a Writer for all Times (1985); Am Rande der Geschichte. Mein Leben in China (1999). – Käthe Zhao geb. Starkloff-Linke (1906-2006, seit 1947 in China): neben ihrer Lehrtätigkeit arbeitete sie als Übersetzerin aus dem Chinesischen und Englischen und publizierte mehrere Lehrbücher, z.B. „Grundkurs der chinesischen Sprache“, 4 Bände (1981).
7 1992 Gründungsmitglied des StuDeO.
8 Verfasserin: Renate Jährling.
9 Verfasser: Pfarrer Gerold Heinke.
10 Die seit 2001 bestehende DCGS (Deutschsprachige Christliche Gemeinde Shanghai) ist seit 2007 selbständig, hat einen eigenen Pfarrer und besitzt Gaststatus in chinesischen Kirchen.
11 Verfasser: Pfarrer Dr. Karl-Heinz Schell.
12 E-Mailadresse der EGDS Peking: dt_gemeinde_peking@hotmail.com.
13 Er entstammt der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, dessen Gesangbücher auch an der EGDS Peking benutzt werden.

 

 

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