15. August 2012

Mittwoch, 15. August

Mitten im Wolkenbruch

bis auf die Unterwäsche durchnässt, so kam ich mit dem Taxi bei Frau PARK Young-Sook (Frau AHN Byung Mu) an. Auch noch fast 3 Stunden später sind Schuhe, Socken Hose, Jacke und Hemd  naß und langsam wird das warme Regenwasser kalt. Eine warme Dusche tut dann gut.

Heute ist der Tag der großen Mittwochsdemonstration vor der Japanischen Botschaft in Seoul. Es regnet in Strömen seit dem frühen Morgen. Im Laufe der Nacht war der Regen immer stärker geworden, nun nach 10 Uhr wird es zu einem Wolkenbruch. Der Regen hört erst auf, als die Demo (Beginn 12:00 Uhr) beendet und das "event" beim Chungechun abgesagt ist, also gegen 17 Uhr. Und wieder waren Hunderte gekommen, Schüler, Lehrer, Frauen. Männer, kath. Schwestern und evang. Pfarrerinnen und Pfarrer. Das 1 1/2-stündige wurde nicht gekürzt, alle dürfen ihrem Protest gegenüber der jap. Regierung Ausdruck geben. Dicht an dicht stehen die Menschen, der Regen prasselt auf die Schirme, strömt von dort auf Kleider und Taschen und wächst zu mehreren Zentimeter hohen Strömen auf der Strasse an. Die Strasse wurde von der Polizei nicht für den Verkehr gesperrt. Eine Polizistinnenkette steht zwischen der Demo und den langsam vorbeifahren Autos. Auf einer provisorischen Bühne stehen die Helfer mit den Mikrofonen. Die Redner und Gruppen werden von einem Schirm zum andern geleitet. Meine Botschaft, die ich für die Gruppen aus Deutschland vortragen soll, ist wohl verpackt, aber das Wasser auf der Hülle verzerrt die Zeilen und Wörter, der Text ist kaum  zu lesen. Er wirkt auch schrecklich hölzern in dieser Stunde. Ich lege ihn  weg und spreche frei, da hören die Leute zu, nicken mit den Köpfen, und das Wasser läuft ihnen in den Nacken. Ich bin heute der einzige Ausländer, der auf dem Podium steht. Der Applaus, besser: die Zuistimmung ist groß. Was kümmert uns der große Regen, Japan soll endlich konkret werden und praktische Massnahmen ergreifen. Es sind nicht mehr viele "Trostfrauen" am Leben. Bald also ist es zu spät für jede dieser Frauen, die geschändet und versklavt worden waren. Dabei denken wir nicht nur an die Kriegszeiten hier in Ostasien, als Japan seine Herrschaft zum angeblichen Wohl Asiens aufbaute, sondern auch an die vielen Tausende von Frauen , die heute noch, in unserer Zeit, ähnliche Erfahrungen machen.

      

An die betroffenen Frauen der sexuellen Sklaverei durch die japanische Armee (d.h. des "Trostfrauen"-Systems) und ihre Unterstützerinnen

Wir, verschiedene Initiativen, Gruppen und Einzelpersonen aus Deutschland, nehmen den 67. Jahrestag der Beendigung des Asien-Pazifikkrieges sowie die 1035. Mittwochsdemonstration in Seoul, Südkorea am 15.08.2012 zum Anlass, um heute in Berlin für die Rechte der ehemaligen Zwangsprostituierten des japanischen Militärs und der durch japanische Truppen sexuell missbrauchten Frauen zu demonstrieren.

Wir zeigen uns betroffen angesichts dieses Verbrechens gegen die Menschenwürde und sprechen uns entschieden für eine sofortige Entschuldigung und Wiedergutmachung für die betroffenen Frauen durch die japanische Regierung aus. Dadurch würden nicht nur die direkt Betroffenen endlich rehabilitiert werden - auch anderen Frauen weltweit könnte Hoffnung und Mut gemacht werden, dass sexuelle Gewalt heute nicht länger unweigerlich ein ungestrafter Teil des Kriegsalltags sein muss.

Aus der vereinigten Stadt Berlin, Deutschland, den 8.8.2012

    

Dann aber schnell vom Podium herunter, die nächste Gruppe ist bereits im Anmarsch. Eine Pfarrerin der PROK kommt auf mich zu: "Das ist doch toll, so viel Regen und so viele Menschen!" Aber eine Freundin gibt auch ihrem Ärger darüber Ausdruck, dass die Regierung von Präsident LEE Mun-Bak diese Bewegung zugunsten der "Trostfrauen" nicht unterstütze, sondern auch noch kontrolliere. Ja, das Ziel ist noch nicht, vielleicht noch lange nicht erreicht. Man wird weiterdemonstrieren, hier in Seoul, dort in Tokyo und in Berlin.

 

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