20. Mai 2013

15. - 21. Mai 2013. 40jähriges Jubiläum der Jumin-Gemeinde in Songnam.

 

20.5.

8:00 Uhr zum Bus Terminal, um 8:40 Uhr fährt der Bus pünktlich ab. Die Jumin-Gemeinde bezahlt auch die Busfahrt nach Kwangju! Und - wie wir später erfahren - auch das Hotel!

Um 12 Uhr kommen wir in Kwangju an. AHN Sung-Nae und KIM Ji-Hyun holen uns ab. Prof. SHIN chauffiert uns - den ganzen Tag.

Zuerst das gemeinsame Mittagessen in einem zwei Jahre alten, typischen koreanischen Haus. Getrockneter Fisch, für den die Provinz Cholla Namdo berühmt ist. 

Es schließt sich uns noch an Prof. OH, der Vorsitzende der May 18 Foundation. Er spricht ein sehr gutes Japanisch (angeblich kann er nicht Englisch) und spricht darum fast nur mit Kiyoko - zu beider Freude. Er hat ein paar Jahre in Tochigi gelebt und Forschungen betrieben. Die Provinz Tochigi liegt gerade nördlich von Tokyo, westliche Nachbarprovinz zum Ibaragi-Ken, wo Kiyoko geboren ist. Er bezahlt das Mittagessen für uns sieben Personen (seine Büroleiterin hat sich auch zu uns gesellt). Die Unterhaltung geht dann vor allem über Japan, über Fische und Fischfang, Schiffe. Da weiß Kiyoko hervorragend Bescheid durch den Beruf ihres Vaters und Bruders.

 

Wir fahren zur Kwangju Foundation, einem großen Bau. Sie haben dort 20 Mitarbeiter. Und die Foundation hat finanzielle Probleme, weil die Zinsen so niedrig sind. Aber Prof. OH bezahlt uns auch die Busfahrt am andern Morgen von kwangju nach Incheon, zum Flughafen.
Prof. OH überreicht mir ein druckfrisches Buch: eine Dokumentation.

Und dann eine einmalige Überraschung: vor wenigen Tagen wurde ein Bericht einer Reporterin aus Kwangju wieder gefunden, datiert "May 23, 1980, PM 18:00  Dear Mr. Foreign Correspondent"  

"I beg you to read my rough sentences on the present crisis in Kwang-ju City. I am afraid you foreign reporters did miss the key scenes of the tragedy in our city. Are you reporting on us so vividly as on the situation such as in EL Salvador, Uganda, etc?

I am a female citizen of Kwang-ju City. Graduating from the S.N.U several years ago, I have been lecturing English at an institute these years. With this career, I am determined to run the risk that the martial law authorities may identify and arrest me. But please regard my safety.

First of all, I' d like to stress that none of my family have ever been harmed by the late President Park' s regime and his successor' s. Thus, believe in the truth and objectivity of my words , please. I am convinced you cannot help but believe me if it were for the so-called telepathy, the interworking of human hearts, although 1 cannot offer no material evidence here. Please believe in this letter to the letter! ..."

Der vollständige Text steht hier:
(http://www.doam.org/index.php/projekte/raeume-der-erinnerung/kwangju/1885-33jahre-nach-dem-kwangju-massaker)

 

Vier Gedenkstätten wollen wir noch besuchen, werden zuns gezeigt:

Zuerst der 5.18 Memorial Park

Die Namen der im Mai 1980 Getöteten.   

 

 

 

 

 

 

 

 


"The government made a ... 208,000 qm May 18 Memorial Park to repair reputation and to develop a valuable place for learning. In the May 18 Memorial Park, resting places and park facilities related to May 18th, such as memorial cultural hall, a sculpture depicting the event, the memorial space for the dead, Owulru, and so on, have an important role as a place of development in preparation of the 21st century. May 18 Memorial Cultural Hall in particular is a center for human rights, and has the function of educating about human rights to inherit and develop a noble mind in the people. In the park there is Mugaksa temple, founded in Sangmudae in 1972, and Dangunjeon Hall, which has the spirit of the humanitarianism. ..."

Dann fahren wir zur ersten protestantischen Kirche in Kwangju. Dazu gehört auch eine Mädchenschule. Unsere Begleiterin, Frau KIM Ji-Hyun, Christin, meinte, sie müsse bis zu unserem nächsten Bescuh in Kwangju die Geschichte der protestantischen Kirchen in Kwangju studieren. Auch für sie war fast alles, was Prof. Shin uns erzählte, neu.  

Die Chonnam Universität ist unser nächstes Ziel. Von hier aus ging die Bewegung für Demokratie, breitete sich in der Stadt und im Land aus. Eine hervorragend gemachte Ausstellung zu den Ereignissen von 1980. Prof. SHIN selber erklärt uns die wichtigsten Stationen und Dokumente. Auf der Webpage der Uni können wir alles noch einmal Revue passieren lassen. Diese Ausstellung ist in ihrer Anlage, Größe und Konzentration wohl das Beste, was ich je zu Kwangju 1980 gesehen habe.

ursprünglicher Friedhof   

 

 

 

 

 

 

 

Von hier fahren wir dann zu den beiden Friedhöfen: dem alten, angemessenen, und dem neuen, großartig angelegten. Am Eingang zum alten Friedhof hängen viele Poster und Fahnen, Auch eine "Galerie" mit Namen von jungen Menschen, die einfach verschwunden sind und von denen auch heute noch niemand weiß, wo sie begraben liegen. 65 Fotos, darunter ein Kind von gerade mal 3 Jahren. Kwangju 1980 ist noch nicht vorbei - so wenig wie die Frage der "Trostfrauen". Aber selbst in Kwangju gibt es viele, die mit der alten Geschichte abschließen wollen. Vor 2 Jahren haben Kiyoko und ich den Menschenrechtspreis der "Mütter von Kwangju" erhalten. Heute ist es still geworden um diese Mütter.

 

Am Eingang zum Friedhof lese ich diese Inschrift:    The old May 18 Cemetery
The original name of this cemetery is the Mang-wol-dong Cemetery. It is where the initial victims of the Uprising were buried.

Horrified and angry, families and friends carried the brutally damaged bodies of victims in handcarts here and buried them. Unidentified bodies and victims of the massacre at the Provincial Office an May 27 were brought here in garbage trucks and buried.
As worldwide attention began to focus on the cemetery as a Mekka of democracy, the junta plotted to remove the cemetery by digging up the graves.
As part of the May 18 Memorial Project started in 1994 and completed in 1997, the victims buried here were re-interred in a new cemetery to finally rest in peace, and to gain the respect denied them for 17 years.
The old cemetery is to be maintained as it was, because it reveals the bitter tragedy of 1980 and is the place where a great number of people from Korea and Abroad have come to pay homage to the spirit of democracy.
Historic Site No. 24 of the May 18 Kwangju Democratic Uprising

Zum Abendessen will uns Prof. SHIN einladen. Er ist der Direktor von GIC = Gwangju International Center. Eigentlich ein Informationsbüro für Kwangju-Besucher. Aber ihre wichtigste Aufgabe ist wohl, die Besucher mit den Ereignissen von 1980 zu konfrontieren und so Freundschaft, Engagement und internationale Verbundenheit zu fördern. Diese Gruppe von vielleicht 20 meist jungen Leuten, darunter Studenten verschiedener Herkunft, setzt sich auch für Frau Ahn und uns Besucher tatkräftig ein.

GIC wird zu 1/4 von der Stadt finanziert, ein weiteres Viertel kommt von den Mitgleidern, ein drittes Viertel von Spendern und ein letztes Viertel vom Verkauf der Zeitschriften usw, von den Anzeigen in den Zeitschriften.

Gemeinsam mit den Mitarbeitern von GIC gehen wir vegetarisch essen. Dort stößt auch Herr KIM Jin-Ho noch zu uns, allerdings krank und ohne jeden Hunger. Auch er will das Essen bezahlen, aber Prof. SHIN war schneller. GIC hat es übernommen.

Gegen 20:00 Uhr sind wir im Hotel. 

Am andern Morgen, um 7 Uhr,  kommt Frau AHN zum Frühstück zu uns. Prof. Shin holt uns ab und bringt uns zum Busterminal. Um 12 Uhr erreichen wir Incheon. Wir fliegen um 14:40 Uhr mit LH 713.

 

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