3 x Weihnachten 2011 in Japan

Zwei Botschaften aus der Katastrophenregion, eine aus Kawasaki. Die beiden aus Aizu-Wakamatsu und Sendai stehen auch in Japanisch zum download bereit:  Kataoka, Kawabata.

aus Aizu-Wakamatsu in der Präfektur Fukushima – Frau Terumi KATAOKA

kataoka 5_300Aizu-Wakamatsu liegt 96 km westlich vom AKW „Fukushima Daiichi", aber im Streuungsbereich der Radioaktivität von Fukushima I. In Aizu-Wakamatsu wird die Radioaktivität von Privatpersonen, Kaufhäusern, Kirchengemeinden, Bürgerinitiativen, Rathaus gemessen. Das EMS (Evang. Mission in Solidarität, Stuttgart) hat im Juli einen Geigerzähler zu einer der Kirchengemeinden (Wakamatsu Sakaecho3-Kirche) gebracht, durch den die Sicherheit der benötigten Nahrungsmittel geprüft werden kann. Eine große Erleichterung besonders für Eltern mit kleinen Kindern. Die Messergebnisse stimmen selten genug mit den amtlichen Zahlen überein.
Frau Kataoka, ihr Mann ist Pfarrer dieser Kyodan-Gemeinde in Aizu-Wakamatsu, hat die folgenden Gedanken zur Weihnachten 2011 für uns aufgeschrieben. Download als pdf.


Frohe Weihnacht!
Terumi KATAOKA

Wie geht es Ihnen in dieser fröhlichen Jahreszeit? Wir haben vier Söhne. In den 20 Jahren, in denen sie noch Zuhause waren, sind wir in dieser Vorweihnachtszeit viel unterwegs gewesen, um die schönen Geschenke zu besorgen und haben die Kekse und die Milch für den Nikolaus, der um Mitternacht vorbeikommen würde, vorbereitet. Am Weihnachtsmorgen dann wurden diese Geschenke und der Brief des Nikolaus entdeckt. Groß war die Freude in den Gesichtern der Kinder. Noch heute wird unser Herz ganz warm, wenn wir uns an diese Zeit erinnern. Und dann kam in diesem Jahr das große Erdbeben, die nukleare Erdbebenkatastrophe in Ostjapan. Damit gehen wir Weihnachten entgegen. kataoka 4_300In der Bibel heißt es einmal: „Denn siehe, es wird die Zeit kommen, in der man sagen wird: Selig sind die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren haben, und die Brüste, die nicht genährt haben!“ (Luther 1984) Oder:  „Denn bald kommt die Zeit, dass die Menschen sagen werden: 'Glücklich die Frauen, die keine Kinder bekommen können! Glücklich der Schoß, der nie geboren hat, und die Brüste, die nie gestillt haben!“ (Gute Nachricht)' Ein solcher Tag wird kommen – sagt Jesus. Wie schwer ist dieser Vers doch zu verstehen! Aber mit dem Unfall am AKW Fukushima I waren wir die Betroffenen. Vor der Radioaktivität sind Menschen geflüchtet, haben den Sohn und die Enkel mitgenommen und blieben zwei Wochen in der Provinz Mie (bei Nagoya). Wer zurückblieb, weil die Radioaktivität in Aizu verhältnismäßig gering war, hat die Wahrheit dieses Bibelverses Tag für Tag gespürt. Die Eltern in Fukushima leben mit der Sorge und in der Furcht, wann denn wohl die Folgen der Radioaktivität wohl zum Ausbruch kommen, wann sie zu spüren sein werden. – Gesunde und sichere Nahrungsmittel müssen wir suchen gehen, dürfen wir unsere Kinder im Freien spielen lassen, sollen wir einen Umzug wagen, aber wohin, was tue ich, wenn die ersten Anzeichen der Krankheit beim dreijährigen Kind auftauchen, alle müssen in die Krebs-Versicherung eingetragen werden, Fingernägel und Haare müssen gesammelt und aufbewahrt werden als Beweis, wenn die Krankheit eines Tages ausbricht … Das Cäsium, das über die Haut aufgenommen werden kann, schädigt Muskeln und Herz und führt so möglicherweise zu einem plötzlichen Tod. Alles muss innerlich verarbeitet werden. – kataoka 3_300Auch in Israel wusste niemand, was ihm am nächsten Tag widerfahren wird. Darum das Wort Jesu, dass es besser sei, keine Kinder zu haben. Schmerz und Leid sind dann leichter zu ertragen. Wir wollen aber unsere Kinder beschützen. Gesunde Nahrungsmittel – im Infozentrum in Aizu-Wakamatsu gibt es die Geigerzähler, die dafür sorgen. Vor Gericht gehen wir um dafür zu kämpfen, dass wir als Gruppe in eine Region ohne Radioaktivität umziehen dürfen, wo die Kinder dann unbesorgt zur Schule gehen können. Sitzdemonstrationen werden vor dem Wirtschaftsministerium organisiert, Demonstrationen mit dem Ruf „Das Leben unserer Kinder ist in Gefahr!“ -  Wo gibt es wirklich Hoffnung für uns? Auch wenn unsere Herzen schwach werden wollen:  als Eltern und Erwachsene stehen wir in Solidarität zusammen und suchen mit allen Kräften nach Möglichkeiten, unsere Kinder zu beschützen. Weinachten:  Gott hat alle Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn in diese Welt gesandt hat. Mit dieser uns widerfahrenen Liebe lieben wir das Leben unserer Kinder und wollen für sie alles tun. Das ist doch die Verantwortung von uns Erwachsenen, die wir vor Gott, dem Schöpfer, und vor unseren Kindern schuldig geworden sind, denen eine unbeschwerte Zukunft verwehrt worden ist. Weihnachten. Nikolaus. Die verschlafenen Augen der erwartungsvollen Kinder. Eltern voller Furcht vor Radioaktivität und ihren Folgen für Körper und Geist ihrer Kinder. Bitte, beten Sie für diese Eltern und ihre Kinder. Frohe Weihnacht!
November 2011.

Frau KATAOKA Terumi ist die Ehefrau von Pfr. Kataoka Tsuya in Aizu-Wakamatsu, Provinz Fukushima. Sie leitet das Zentrum für Katastrophenhilfe, insbesondere für mit Radioaktivität verstrahlte Kinder und Jugendliche.

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Aus Kawasaki in der Präfektur Kanagawa - Pfarrerin ISHII Chiemi.

ishii 1_300260 km von Fukushima Daiichi entfernt und 320 km von Sendai im Miyagi-Ken, 4-500 km von der Präfektur Iwate liegt Kawasaki zwischen Tokyo und Yokohama. Frau ISHII Chiemi arbeitet dort seit 2010 als Pfarrerin einer kleinen Kyodan-Gemeinde. Sie ist weder betroffen vom Erdbeben, noch von der Tsunami noch gar von dem gefährlichen Cäsium, das von Fukushima I ausgestreut wurde. Erst im Sommer wagt sie es zusammen mit einer Freundin, Pfarrerin Tomoko HIDAKA (der Schwester von Frau Ruth Hidaka, die lange im Westerwald lebte und bei vielen Veranstaltungen des EMS und der DOAM mitgewirkt hat und jetzt in Beijing lebt) nach Sendai-Yuriage (etwa 150 km nördlich von Fukushima I, direkt an der Küste des Pazifik gelegen) zu reisen. Sie ist erschüttert von dem, was sie sieht. Abe sie spürt auch die Anstrengungen der Überlebenden, die aus dem Ruin ihrer Existenz sich ein neues Leben aufzubauen versuchen. Die Hilfe der Regierung kommt oft zu spät, geht oft in die falsche Richtung, Die Menschen, vor allem die Mütter, lernen: wir müssen uns selber helfen. Dafür gehen sie auf die Straßen, studieren Radioaktivität, versuchen zu überleben. Der Versuch wird 30 oder 40 oder noch mehr Jahre dauern. In ihrer Weihnachtsmeditation beschreibt sie ihre Erfahrungen in Yuriage. Download als pdf.


 

Wie feiern wir Weihnachten: Christen in Japan nach dem 11. März?
ISHII Chiemi

Anfang November war ich das erste Mal in der Gegend von Yuriage bei Sendai. Ich wollte den Ort sehen, den Ort, der so nahe am Meer lag, und wo die Tsunami so viele Opfer gefordert hat. Krumme Kiefern am Strand, flache Erde, grenzenlose Weite, nicht zu glauben, dass hier einmal ein Dorf gestanden hat. Geschäfte, buddhistische Tempel, viele Häuser – alles zerstört. Etwa 500 Menschensind hier gestorben. In der Straßenkreuzung liegen noch einige umgefallene Boote, man konnte sie noch nicht wegräumen. Eine Mittelschule blieb stehen. Der Taxifahrer sagt mir, „Wer in das Obergeschoß fliehen konnte, hat überlebt. Aber alle, die im Erdgeschoß waren, konnten sich nicht retten."
Seit Erdbeben und Tsunami sind schon acht Monate verstrichen. Aber schon gibt es keine Spuren von menschlichem Leben. Ich konnte nur weinen, während ich die schrecklichen Zerstörungen der Tsunami, die Grausamkeit der Naturgewalten um mich herum ansah. Die Menschen sind nicht die Herren der Erde, sondern das ist die Natur. Die meisten Menschen missverstehen sich als die Herren der Erde. „Wo ab bist Du, unser Gott, gewesen? Und - wo bist Du jetzt?" So musste ich beten. Im Fernsehen und in den Nachrichten hörte und sah sich alles ganz anders an. Ich habe gespürt, wie grausam Tsunami und Erdbeben gewesen sind.
Nach dem 11. März 2011 habe ich – wie die meisten Japaner - zum ersten Mal die wortlose Furcht erlebt. Die Furcht vor einer Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima. Obwohl ich in einer Stadt, die 250 km vom AKW Fukushima entfernt ist, wohne, habe ich große Angst vor einer solchen Katastrophe. Regierung und Wissenschaftler in Japan haben uns nur oberflächlich über die Situation im AKW Fukushima informiert. Herr Edano (der zuständige Minister) sagte: „Bitte, haben Sie keiner Sorge. Nicht sofort wirkt sich die Radioaktivität auf die Gesundheit aus." Ich habe vor dem Fernseher laut geschrien: „Aber das Böse der Radioaktivität kommt später und kommt gewiss! Warum sagt die Regierung nicht, wie wir das böse Szenarium vermeiden können!?" Ich wusste bereits um die Existenz von „SPEEDIE" (ein Programm, mit dem bei einer schweren Katastrophe eines AKW gezeigt werden kann, wie die Radioaktivität durch den Wind weitergetragen wird.)
ishii 3_300Der japanische Wetterdienst hat keine Informationen durch SPEEDIE weitergegeben. Deswegen habe ich mir täglich die Webseite des deutschen Wetterdienstes angesehen, weil dieses ziemlich sichere Informationen zur Radioaktivität von Fukushima gezeigt hat. Das war für viele schwarzer Humor. Meine Freundin, eine Schwester in der Kommunität Venio in München, hat mir sofort eine Email geschrieben: „Brauchst Du nicht Jodtabletten gegen die Radioaktivität? Ich kann Dir diese Tabletten schicken." Ich habe ihr geantwortet: „Bitte, schicke sie mir sofort!" Weil man in Japan Jodtabletten nur mit einem Rezept oder mit einer bestimmten Erlaubnis des Arztes einkaufen kann. Dann habe ich diese Tabletten meinen Gemeindegliedern mit einer Erläuterung weitergegeben. Später hat ein Freund einen Fehler in den Angaben zur Dosis gefunden und mich kritisiert. „Bitte, beachte die Dosis. Du bist keine Ärztin." Ja, ich weiß. Ich habe mich sofort bei allen entschuldigt und die richtige Information weiter gegeben. Aber ich habe nicht bereut, dass ich in einem Notfall eine Aktion zur Rettung von Menschenleben gemacht habe.
Am 21. Und 22. März hat es in Tokyo geregnet. Durch diesen Regen ist viel Radioaktivität auf die Erde in der Gegen um Tokyo gefallen, besonders in das Trinkwasser. In den Nachrichten hieß es: „Bitte, geben Sie das Trinkwasser keinem Baby. Die Werte der Radioaktivität sind für ein Baby gefährlich. Bitte machen Sie sich als Erwachsene keine Sorgen." Ich hatte schon große Furcht: „Wer kein Wasser trinkt, der muss sterben. Ich soll also sterben?" Ich habe zum ersten Mal die Furcht vor dem Sterben kennen gelernt.
ishii 2_300In dieser Zeit habe ich erfahren, dass die japanische Regierung, TEPCO, das Wirtschaftsministerium, die Mächtigen das Menschenleben nicht schützen. Für den Notfall habe ich keine richtigen Informationen bekommen, um Menschenleben zu retten. Das ist eine Folge davon, dass Japan 54 AKWs gebaut hat und dabei wichtige Informationen verheimlicht oder gar gelogen hat. „Atomkraftwerke sind sicher. Sie sind fehlerlos geschützt vor Erdbeben und Tsunami." Sie haben uns nicht erklärt, wie große die Gefahren, die von einem AKW ausgehen, sind. Kritische Stimmen gegen Atomkraftwerke sind einfach ignoriert worden. „Atomenergie ist sehr praktisch und billig." Damit haben auch die großen Medien Werbung gemacht. Dieses Problem gibt es bei uns vielerorts. „Erworbene Rechte" von bestimmten Gruppen in Japan. Politiker, Energiefirmen, Wirtschaftsministerium, Umweltministerium, Wissenschaftsministerium, die großen Medien, Wissenschaftler – sie alle sind schuldig geworden. Dieser Zusammenhang zwischen dem Bösen und der Schuld ist deutlich geworden. Nicht nur haben uns Erdbeben und Tsunami eine großen Schock versetzt, sondern diese bösen Strukturen in unserer Gesellschaft. Und wir ärgern uns darüber.
Jesus Christus wurde als kleines Baby in unsere Welt geboren, er hatte keinerlei Vermögen, so wie andere Babies auch. Ich denke besonders an die Babys in Fukushima, so oft verstrahlt in dieser Weihnachtszeit. Als Baby in die Welt zu kommen bedeutet, dass es volles Vertrauen in andere Menschen hat, dass es Mut hat. Wie feiern wir nach dem 11. März Weihnachten? Wir sollten dem Kind den Weg bereiten, wir sollten sein Vertrauen ehren, wir sollten Unrecht und die bösen Mächte in der Welt aus dem Weg räumen, damit wie den Wert des Lebens wieder erhalten. Das Leben ist der höchste Wert. Durch Jesus hat Gott unsere Schuld weggeräumt, damit wir ein gesegnetes Leben vor Gott leben können. In der Stille der Nacht kommt ein kleines Kind in die Welt, wie das Jesuskind. Unsere ersten Gedanken gehen zu den Kindern, für die wir eine gesunde, nachhaltige Gesellschaft brauchen, ohne Atomkraftwerke. Die 20.000 Opfer der 11. März Katastrophe wollten bestimmt eine solche Gesellschaft, die auf dem Wert des Lebens in Japan aufbaut. Wir Japaner brauchen ein grundlegend neues Denken. Nicht dass bestimmte Gesellschaftsgruppen besondere Rechte für sich beanspruchen, sondern alle Menschen haben das gleiche Recht, weil wir alle gesegnete Gotteskinder sind.

Pfarrerin Chiemi ISHII hat in Tokyo und Kyoto Theologie studiert, danach in Korea und Deutschland. Vor zwei Jahren wurde sie von ihrer Gemeinde (in der Nähe von Yokohama und Kawasaki) als Seelsorgerin und Predigerin gewählt. 
 

Aus Sendai in der Präfektur Miyagi - Prof. Dr. KAWABATA Junshiiro

kawabata 3_300In Sendai lebt ein alter Freund, Prof. Miyata. Politikwissenschaftler, Barth- und Bonhoeffer-Kenner und eine der mahnenden christlichen Stimmen in Japan, die über den engen Kreis der Kirchen und Christen im Lande hinaus in der Gesellschaft gehört wird. Kurz nach dem 11. März berichtete er uns, wie das Erdbeben seine ganze, für eine Übergabe an die Tohoku-Universität in Sendai vorbereitete und geordnete Bibliothek durcheinander gewürfelt hat. Mit seinen 83 Jahren musste er – nach einer schweren Krankheit im April – noch ein Mal von vorne anfangen. Ihn baten wir um ein paar Gedanken zu Weihnachten 2011. Er habe keine Kraft dazu, so schreibt er uns, er habe aber unsere Bitte an einen Freund weitergegeben, ebenfalls Lehrer an der Tohoku-Universität, Prof. Dr. KAWABATA Junshiro.
Von ihm stammen die folgenden Gedanken und der Bericht aus seiner kleinen Kirchengemeinde Arai in Sendai. Download als pdf.


Weihnachten in der Tiefe
KAWABATA Junshiro

Weihnachten in der Tiefe

In tiefster Finsternis werden wir dieses Jahres Weihnachten feiern. Ja, wir feiern Weihnachten trotz der Dunkelheit um uns herum, weil das Gotteskind gerade in diese Tiefe gekommen ist, um mit den Menschen, die in großem Elend sind, zu leben. Deshalb singen wir "Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir". Wir fragen nicht "Warum?" Nur weinen wir, wie Jesus, mit Weinenden.
kawabata 2_300Eine kleine Kirche gibt es in einer Vorstadt von Fukushima, der Hauptstadt der gleichnamigen Präfektur. Zum Atomkraftwerk Fukushima I sind es ungefähr 70 Km und bis zur Küste, die von der Tsunami gefressen worden ist, geradewegs etwa 50Km. Man glaubte, dass der Ort Arai von der radioaktiven Verstrahlung nicht beschmutzt sei. Deshalb kamen viele Flüchtlinge von der Küste nach Arai. In der städtischen Turnhalle in Arai waren über 300 Flüchtlinge vom März bis Oktober untergebracht. Unter diesen Flüchtlingen gibt es natürlich auch Kinder, die in ihrem Heimatort den Kindergarten besucht hatten und deren Eltern ihre Kinder jetzt in den hiesigen Kindergarten schicken wollen. Aber sie haben kein Geld. Sie flohen vor der Tsunami und dem Reaktorunfall mit nichts als den Kleidern auf ihrem Leibe. In Japan aber sind die Kindergarten-Gebühren ziemlich teuer.
Die Arai-Kirche hat einen Kindergarten. Pastor Okazaki und Frau Kimura, die Kindergartenleiterin, haben sich entschlossen, diese Kinder unentgeltlich aufzunehmen. Noch ein Problem. Alle Kinder müssen zweimal in der Woche die Mittagsmahlzeit selber mitbringen. Aber es ist unmöglich, in einer Turnhalle eine Mittagsmahlzeit für die Kinder vorzubereiten. Pastor Okazaki und Frau Kimura wollten nun gerne selber dafür Sorge tragen. So wurde es möglich, dass 10 Flüchtlingskinder den Kindergarten der Arai Kirche besuchen.
Ökonomisch wurde dies eine große Last für Kirche und Kindergarten, 10 Kinder kostenlos aufzunehmen und zweimal in einer Woche 10 Mittagsmahlzeiten zu geben. Die Arai-Kirche hatte fast keine Schäden durch das Erdbeben erfahren. Deshalb bekam sie keine Hilfe für die Opfern des Erdbebens. Ein ungeahntes Unglück kam kawabata 1_300noch dazu. Eines Tages kontrollierte Pastor Okazaki vorsichtshalber die Höhe der radioaktiven Verstrahlung im Garten des Kindergartens. Zum Erstaunen meldete das Messgerät 0.4 Mikro-Sievert pro Stunde! Das heißt 3.2 Milli-Sievert pro Jahr. Und das gesetzlich erlaubte Strahlenlimit für normale Leute in Japan ist 1 Milli-Sievert pro Jahr. Sofort gab Pastor Okazaki einem Bauunternehmer den Auftrag, den Boden des Kindergartens 10 cm tief auskratzen zu lassen. Nach dem Auskratzen meldete das Messgeräte 0.1 Mikro-Sievert pro Stunde. Das sind 0.8 Milli-Sievert pro Jahr. Die Kosten für das Abheben kostet ungefähr 500.- Euro. Zwei Drittel davon trägt die Präfektur. Ein-Drittel soll von der Stadt übernommen werden. Doch bis jetzt hat die Stadt den Betrag nicht bezahlt. Sie hat auch kein Geld. Die Arai-Kirche und der Kindergarten haben alles erlitten. Sie haben mit den Weinenden geweint.
Jetzt üben die Kinder jeden Tag ihr Weihnachtsspiel. Flüchtlingskinder und einheimische Kinder wirken dabei freundschaftlich zusammen. Sie singen gemeinsam "Stille Nacht, heilige Nacht".
An Weihnachten werden wir japanische Christen in diesem Jahr die wahre Bedeutung des Feierns an Weihnachten erleben können. Die Arai-Kirche und ihr Kindergarten ist ein kleines Beispiel.
Immanuel! Gott lebt mit uns, den Leidenden. Und wir können Leiden Jesu mitleiden.
11.12.2011

Nachtrag, eine Anmerkung der Administration:
Die Kosten für die Erdabhebung im Kindergarten  der Arai-Gemeinde kostet nicht EURO 500,-- sondern etwa EURO 60.000,--. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen. Er entstand bei der Umrechnung von Yen in EURO. Die originale japanische Vorlage schreibt eindeutig von Yen 600.0000@.


 

 

 

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