In Memoriam: HAN Wenzao


Han Wenzao 1923-2006

Der Gründer der Amity Foundation, sein früherer Präsident und langjähriger Generalsekretär, Dr. HAN Wenzao verstarb am vergangenen Freitag (3.2.2006) nach langer Krankheit.
Die Ostasienreferentin im Evang. Missionswerk in Deutschland (EMW, Hamburg), Pfarrerin Maren von der Heyde schrieb dazu:

"Wer auch immer in den letzten Jahren nach China kam, wird ihn kennen gelernt haben. Er gehörte zu den treuesten Ökumenikern im Bereich von CCC [China Christian Council] und Amity [Foundation]. Trotz aller sich haltenden Gerüchte, dass er enger mit der Partei verbunden war als öffentlich zugegeben, war er sicher aufrichtig der Kirche verbunden. Mit seinem Tod verlieren viele Freunde, denen er den CCC nahe gebracht hat, eine Stimme auf die sie gezählt haben. Er hat wesentlich und unermüdlich für den Aufbau Amity's gearbeitet.

Ich habe seine zugewandte Art den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen gegenüber bewundert. Wenn etwas drohte schief zu laufen, hat er sich nicht gescheut, Himmel und Hölle in Bewegung zu setzen, damit eine geplante Begegnung auch realisiert werden kann. Wir haben dies vor allem im Vorlauf der Besuche der RAB-Beamten [Religious Affairs Bureau] in den letzten Jahren deutlich zu spüren bekommen."

Mr. Zhonghui Qiu
Amity Foundation
71 Hankou Road
JS 210008 Nanjing
CHINA

Condolence letter

Dear Qiu Zhonghui,

With deep sorrow we received the information that Dr. Han Wenzao died this morning.
Out of deep sadness and in a first reaction we feel China, Amity, the Chinese church and the whole world lost a person with a deep and broad capacity to communicate Chinas strength, its vitality, its commitment and as well its warmth.

As overseas partners we always felt his special ability to encourage people and strengthen their motivation. For his overseas friends I believe he was and will ongoing be remembered as a person who showed a way how to develop relations on mutual terms and in openness, filled with a deep sympathy for mankind with all its human failures. His commitment had always been very much remarkable and deeply convincing!

Please be assured, that we will enclose him in our prayers and will not forget him,
Yours, Maren von der Heyde

(Pfarrerin Maren von der Heyde ist Referentin für Ostasien im EMW) pdf-Datei

Han Wenzao 1923 2006

von Gotthard Oblau

Dr. Han Wenzao ist tot. Der frühere Präsident des Chinesischen Christenrates und langjährige Generalsekretär der Amity Foundation starb am 3. Februar 2003 in Nanjing im Alter von 83 Jahren an den Folgen einer langen Krankheit, die ihn schon seit etwa fünf Jahren gezwungen hatte, seine zahlreichen Ämter aufzugeben und sich zunehmend aus der öffentlichen Wirksamkeit zurückzuziehen. Han Wenzao hinterlässt Rosalind Zhuo Zhaohua, mit der er 60 Jahre lang verheiratet war, zwei erwachsene Söhne und drei Enkelkinder

Wer immer in den vergangenen 25 Jahren in offizieller Weise mit der evangelischen Kirche in China zu tun bekam, der begegnete auch Han Wenzao. Viele erinnern sich an ihn als die "rechte Hand" des inzwischen 90-jährigen Bischof K.H. Ting. Seit dem Ende der Kulturrevolution lenkten beide in großer Einmütigkeit die Geschicke des Chinesischen Christenrates und damit eines bedeutenden Teils der evangelischen Christenheit Chinas in einer Phase, die geprägt war vom kirchlichen Wiederaufbau nach Zeiten des Abbruchs und der Verfolgung, von einem starken Wachstum der christlichen Gemeinden angesichts ideologischer Verunsicherung und von der gesellschaftlichen Neuaufstellung christlicher Kirche in Zeiten wachsender Religionsfreiheit und wirtschaftlicher Umbrüche. In diese Phase fiel auch der Wiedereintritt der chinesischen Kirche in das breite Netzwerk der Weltökumene, der möglich wurde durch Chinas Öffnungs- und Reformpolitik.

Diese entscheidende und für alle Beteiligten aufregende Zeit hat Han Wenzao für die evangelische Kirche entscheidend geprägt und mitgestaltet. Er war eine starke christliche Führungsperson, ein begnadeter Administrator und Manager, ein chinesischer Patriot, ein Anwalt der Armen und Benachteiligten angesichts zunehmender sozialen Polarisierung seines Landes und nicht zuletzt ein hervorragender Kirchendiplomat, der mit Charme und großer Warmherzigkeit innerhalb und außerhalb Chinas ein schier unübersehbares Netzwerk von Freunden und Bekannten geknüpft hat, das seiner Kirche weithin Respekt, Sympathie und breite Unterstützung entgegengebracht hat. Auch den Vizevorsitz in der Politischen Konsultativkonferenz der Provinz Jiangsu, den er zehn Jahre lang innehatte, nutzte er als politischer Kirchenmensch, der er lebenslang war, als Netzwerkstratege zur höheren Ehre Gottes.

Seine Führungsnatur und sein praktisches soziales Engagement stellte Han Wenzao schon in jungen Jahren unter Beweis. Als Student in Shanghai spielte er eine Schlüsselrolle in der "Student Christian Fellowship". Als Hauptamtlicher im Shanghaier YMCA organisierte er maßgeblich das studentische Hilfswerk, eine in den Zeiten des vorrevolutionären Bürgerkrieges wichtige Sozialarbeit. Aufgrund seiner christlichen Überzeugung und Wertehaltung bejahte er die Revolution unter Mao Zedong und setzte sich seit Gründung der Volksrepublik im Rahmen der Drei-Selbst-Bewegung dafür ein, dass Chinas Christen sich hinter das neue sozialistische Regime stellten. Seine Klarsicht in Fragen der internationalen Politik und seinen Einsatz für friedliche Konfliktlösung bewies er auch in seiner langjährigen Mitarbeit im "Chinese Religious Peace Council".

Seine größte und wichtigste Hinterlassenschaft ist aber wohl die "Amity Foundation", die 1985 gegründete Entwicklungshilfeorganisation des Chinesischen Christenrates. Mit Ausnahme von Tibet ist Amity in allen Provinzen Chinas aktiv. Amity entwickelt und unterstützt innovative Projekte in den Bereichen ländliche nachhaltige Entwicklung, integrative Behindertenarbeit, Basisgesundheitswesen, basisnahe Bildungsarbeit und Rechtshilfe für ArbeitsmigrantInnen. Im Ausland besonders bekannt sind Amitys Katastrophenhilfe, das Sprachlehrerprogramm, in dem christliche Lehrer und Lehrerinnen aus Übersee für den Englisch-, Deutsch- und Japanischunterricht an chinesische Hochschulen und Lehrerseminare vermittelt werden, sowie die Amity-Druckerei, die inzwischen über 40 Millionen chinesische Bibeln produziert hat.

Han Wenzao war ein Mann mit Visionskraft, war er doch Amitys entscheidender Erfinder und Geburtshelfer und ihr Generalsekretär während der ersten 18 Jahre ihres Bestehens. Die Amity Foundation, so pflegte er zu sagen, ist ein christliches Zeugnis der Tat, Ausdruck sozialen Gewissens und der Liebe zu China, sowie ein Instrument zur Förderung des sozialen und internationalen Friedens.

Han Wenzaos Führungsstärke bestand darin, andere zu gewinnen und zu motivieren Fürsprecher und Fachleute im Inland, fachliche und finanzielle Förderer im Ausland und nicht zuletzt einen Stab von mittlerweile über 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, von denen gerade diejenigen in Schlüsselpositionen eine beachtliche Verweildauer vorzuweisen und sich zu anerkannten ExpertInnen ihres Faches entwickelt haben.

Als meine Frau und ich 1985 im Rahmen der Amity Foundation als Deutschlehrer nach China gingen, stellten wir uns auf ein oder zwei Jahre ein. Dass daraus am Ende 12 Jahre wurden, davon neun Jahre im Mitarbeiterstab von Amity, lag nicht zuletzt an dem produktiven und gleichzeitig überaus menschlichen Betriebsklima, das von Han Wenzao geprägt war. Er gab die Richtung vor, und zeigte sich doch äußerst lernbereit, hörte zu und ließ sich überzeugen. Er drängte stets auf zügige Erledigung der Aufgaben, erwartete höchste Qualität, und gleichzeitig nahm er sich Zeit für die persönlichen Belange der Mitarbeitenden, waren ihm Menschen wichtiger als Programme.

Han Wenzao war kein Theologe und hat sich nie zum Pastor ordinieren lassen. Bevor er 1996 zum Präsidenten des Chinesischen Christenrates gewählt wurde ein Amt, das er bis 2002 innehatte -, pflegte er zu sagen, dass er doch "nur" ein Laie sei. Später ließ er das Wörtchen "nur" an dieser Stelle weg, denn er war zu der Überzeugung gelangt, dass die Laien das Rückgrat der Kirche bilden. Han Wenzao stand als Laie einer Laienkirche vor.

Wer so extrovertiert und ergebnisorientiert lebt, wie Han Wenzao es getan hat, der kann auch seine Schwächen nicht verbergen und findet in seinem Umfeld genügend Kritiker. Ich bin jedoch überzeugt, dass Gott ihn benutzt hat, um Seine Kirche in China erstarken zu lassen.

Die Beisetzung von Han Wenzao findet am 9. Februar in Nanjing statt. Kondolenzschreiben können über den Chinesischen Christenrat oder die Amity Foundation geleitet werden.

The China Christian Council
219 Jiujiang Road, Shanghai 200002
V.R. China
E-Mail: tspmccc@online.sh.cn
Fax: 0086-21-63232605

The Amity Foundation
71 Hankou Road, Nanjing 210008
V.R. China
E-mail: amitynj@amityfoundation.org.cn
Fax: 0086-25-8663-1701

pdf-Datei

 

Links

Die englische Seite der Amity Foundation ist hier erreichen: http://www.amityfoundation.org.index.php.
Hier finden Sie auch den vierjährlichen Newsletter, neueste Informationen aus der Arbeit von Amity und eine Darstellung der organisatorsichen Strukturen von Amity. Ebenso werden die Mitarbeiter von Amity vorgestellt.

Lifestory von Dr. HAN
Eine Biographie in englischer Sprache kann im Wortlaut gelesen oder ausgedruckt werden.
pdf-Datei hier.

CCC

Stichwörter zur Geschichte

7.-9. Jhd.
Nestorianer

1583 - 1717
Jesuitenmission, zeichnet sich durch starke Assimilation an die chinesische Kultur aus, zielt auf die Gewinnung der Oberschicht.
Matteo Ricci.
Ritenstreit beendet die Missionstätigkeit aller Orden

Beginn 19. Jhd.
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1807
Robert Morrison, intensive Übersetzungstätigkeit

1814
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1819
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1844
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1840
1. 0piumkrieg

1850-64
Taiping-Revolte unter Hong Xiuquan

1857-60
2. Opiumkrieg. Verlust der Zollautonomie, Konzessionen, verstärkte Ansiedelung von Ausländern

1865
China Inland Mission gegründet (1895 641 Missionare, 462 Assistenten, 260 Missionsstationen)

1912
Ausrufung der Republik China durch Sun Yatsen

1949
Ausrufung der Volksrepublik China durch Mao Zedong, Ausweisung aller Missionare

1951
Beginn der Drei-Selbst Bewegung unter Schirmherrschaft von Ministerpräsident Zhou Enlai.

1965-75
Kulturrevolution

1978
Wiedereröffnung der ersten Kirchen

1980
Nationale Christenkonferenz gründet Chinesischen Christenrat.

1981
Lehrbetrieb des Theologischen Jinling Seminars in Nanjing wird wieder aufgenommen.

4. 6. 1989
Tiananmen "Zwischenfall"

1996
Nationale Christenkonferenz

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