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Okinawa zwischen Krieg und Frieden

Ein Besucher aus Vietnam:
"Okinawa bedeutet in Vietnam die Furcht selbst."

2019: 14 Tage bei einem ungewöhnlichen Praktikum

Okinawa.

Frau Mirja Lange berichtet über ihr ungewöhnliches 14-tägiges Praktikum in Okinawa. Wir danken ihr für diesen Bericht.

21. Juli 2019
Bericht über ein Praktikum auf Okinawa

Im Rahmen des ISJP-Studienprogrammes in Kyoto hatte ich die Möglichkeit ein Praktikum auf Okinawa Honto, der größten Insel Okinawas, zu absolvieren. Dank eines Kontakts über Heiwa Kataoka konnte ich bei Pastor Hajime Kanai1 zwei Wochen lang hospitieren. Pastor Kanai arbeitet neben seiner regulären Pfarrtätigkeit in dem Friedensforschungszentrum der christlichen Universität Okinawas2 und organisiert dort verschiedene Veranstaltungen zum Thema Frieden. Darüber hinaus ist er ehrenamtlich mit den Friedensaktivisten und Demonstranten gegen den Bau der Militärbasis Camp Schwab

der amerikanischen Marine in Henoko3 aktiv. Seine Frau ist Pastorin in einer baptistischen Gemeinde, dessen Kindergarten durch einen Osprey4-Absturz beschädigt wurde. Sie ist bei den Protesten gegen die Luftwaffenbasis beteiligt. Einerseits konnte ich dadurch einen weit gefächerten Überblick über die aktuellen Probleme auf Okinawa gewinnen, aber auch über die historischen Ereignisse und deren Aufarbeitung durch Pastor Kanais Arbeit im Friedenszentrum. In diesem Bericht werde ich mich vor allem auf meine Erfahrungen bezüglich der Proteste gegen die Militärbasen fokussieren.

Im Jahre 2014 besuchte ich auf meiner Radtour durch Japan und Korea kurz das Friedenslager der koreanischen Insel Jeju. Wie auf Okinawa protestieren die Bewohner dort gegen eine Marinebasis, hier aber nicht unter fremder amerikanischer Trägerschaft, sondern nationaler. Damals waren mir bereits die zahlreichen Kooperationen und gemeinsamen Aktionen der Koreaner und Japaner positiv aufgefallen, unter anderem auch, da die beiden Länder ein angespanntes Verhältnis haben, wie mir auf der Fahrradtour aufgefallen war und was auch Thema des ISJP-Programmes war. Die Zusammenarbeit zwischen Jejuanern und den Bewohnern Okinawas stellt eine beispielhafte friedliche Kooperation dar. Hervorzuheben ist dabei, dass sowohl die Bewohner Okinawas als auch die Koreaner, unter der Herrschaft der Japaner im und um den 2. Weltkrieg in vergleichbarer Art und Weise zu leiden hatten. Zudem strebt eine kleine Bewegung auf Okinawa die Unabhängigkeit an. Daher ist es kein optimales Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen Japan und Korea. Dennoch scheint es mir ein guter Ansatz, die Kooperation der beiden Inseln als Vision für ein friedliches gemeinsames Agieren von Koreanern und Japanern hervorzuheben.

Zunächst einmal zu den Aktionen gegen das Camp Schwab auf Okinawa. Protestiert wird hier von zwei Seiten: Sechs Tage die Woche steht eine große Gruppe vor den Toren der Baustelle des Camps, die mit verschiedenen Aktionen auf sich aufmerksam macht. Sie blockieren zwei bis drei Mal am Tag die Einfahrt und von der Meeresseite der Baustelle wird von Kajaks aus demonstriert. Der Protest läuft friedlich ab, mit Schildern wird zur Bewahrung der Dugongs5, der Korallen und allgemein des Meeres, gegen Krieg und Umweltzerstörung aufgefordert. Ziel ist es, mit dem Kajak möglichst nah an die Baustelle zu kommen, da die Bauarbeiten dann aus Sicherheitsgründen aufhören müssen. Hinter einer Schlauchabsperrung, die die Baustelle vor Unbefugten schützen soll, wartet jeden Morgen eine große Gruppe an Sicherheitsbeamten und Polizisten auf Schlauchboten, die in Tauchermontur die Kajaks am Übertreten und Näherkommen hindern. Zudem filmen sie alles. Schafft es ein Paddler über die Absperrung, springen mehrere Taucher auf das Kajak, um es am Weiterfahren zu hindern. In einem großen Radius um die Baustelle herum befinden sich weitere Sicherheitsbeamte auf Motorbooten, die allen Vorbeifahrenden über Lautsprecher mitteilen, dass das Weiterfahren und Betreten des abgesperrten Bereiches verboten ist. Wurden von den Beamten alle Demonstranten „eingefangen“ und auf die Motorboote der Polizisten „verladen“, geht es zurück zum Ufer. Von dort aus starten die Kajaks erneut. Mit Pastor Kanai konnte ich drei Mal auf einem Motorboot der Demonstranten mitfahren. Unsere Aufgabe war es, zu einem bei Problemsituationen zwischen Kajakfahrern und Sicherheitsdienst zu vermitteln, Wasser und Erstehilfesets bereit zu stellen und mit Lautsprechern und Plakaten mit zu demonstrieren. Außerdem haben wir verschiedenen Gruppen die schöne Natur, die durch die Militärbasis zerstört werden wird, und die Baustelle gezeigt. Dazu gehörten Studenten aus Tokyo und Kyoto und eine Friedensgruppe aus Hiroshima. Die Polizei hat bereits eine Liste von allen Demonstranten erstellt, die regelmäßig an den Protesten teilnehmen. Was weiter mit diesen Listen passiert ist jedoch unklar.

Konkret ist mir der Austausch der Aktivistengruppen aus Jeju und Okinawa bei einer Veranstaltung mit einer Gruppe um Priester Mun Jeong-Hyeon begegnet. Mehrmals jährlich finden solche Treffen statt, bei denen neben Vorträgen6 auch Touren zu den verschiedenen „Problemorten“7 Teil des Programmes sind. Jeju und Okinawa motivieren und unterstützen sich dabei gegenseitig, tauschen Ideen und Probleme aus und geben sich Tipps. Beide Inseln haben eine grausame Geschichte mit zahlreichen Menschenrechtsverletzungen hinter sich und wollen in Frieden ohne die andauernde Präsenz des Militärs leben. Dieses Potential der positiven und friedlichen Verständigung der beiden Völker ist meiner Meinung nach sehr wichtig und unbedingt unterstützenswert.

Die zahlreichen und sehr intensiven Erfahrungen, die ich in den zwei Wochen mit Pastor Kanai erleben konnte, gehen über ein normales Praktikum in einer Kirchengemeinde hinaus. Vor allem durch das Friedenszentrum und die Aktivitäten rund um Camp Schwab konnte ich friedlichen Protest miterleben. Neben diesen spezielleren Themen hatte ich die Möglichkeit einen Einblick in die Kultur und Tradition des ehemaligen Ryukyu-Königreiches zu bekommen und Unterschiede zu Japan wahrzunehmen.8

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