Ein Shinto-Schrein, die Verfassung und der Friede

Die Angehörigen sind dagegen

von KOBAYASHI Akira

Pfarrer der Urayasu-Gemeinde in der Provinz Chiba

 

Ich wurde mit dem Problem des Yasukuni-Schreins konfrontiert wegen des Todes meines Vaters und meiner Schwestern. Während des 2. Weltkrieges war mein Vater, Kobayashi Koichi, Polizist in der Korea-Behörde der japanischen Kolonialregierung. Gegen Ende des Krieges wurde er abberufen und kehrte nicht mehr zurück. Meine Mutter machte sich mit den drei kleinen Kindern auf den Rückweg nach Japan, doch unterwegs starben die beiden Schwestern, 6 Monate und 3 Jahre alt. Und meine Mutter wartete auf die Heimkehr des Vaters.

20 Jahre später forderte die Regierung meine Mutter auf, unbedingt dem Vorschlag der Regierung, meinen Vater als Kriegsopfer anerkennen zu lassen, zuzustimmen. Gerade in jenen Jahren wurden meine Mutter und ich in der Iwakuni-Gemeinde in der Provinz Yamaguchi getauft. Als Christen haben wir dann einen Gedenkgottesdienst für meinen Vater und die beiden Schwestern gefeiert. Auf dem Grabstein steht: „Ein Grab ohne Gebeine, nur ein kleiner Erdhügel“.

Im Oktober 1968 wurde uns plötzlich ein Dokument zugestellt mit dem Titel“ „Kobayashi Kichi mikoto“. Mikoto bedeutet „Gott“. Im Brief hieß es auch noch: „Wir beten gemeinsam, dass die Seelen der Helden, die sich selbst für unser Land hingegeben haben und auf den nationalen Frieden und eine gute Zukunft gehofft hatten, nun über die Zukunft unserer Nation, ihre Familien und alle Japaner wachen.“ Ohne jede Diskussion mit uns war somit mein Vater zu einem Gott-Helden gemacht worden. Ich werde den Zorn und den Schmerz jenes Tages nie vergessen.

Der Yasukuni-Schrein weigerte sich, die Forderung von Christen und anderen, ihre Angehörigen nicht als Gott-Helden anzusehen, ernst zu nehmen. Der Schrein antwortete nur mit der Erklärung, dass die Namen der Kriegsopfer aufgelistet wurden gemäß dem „Willen des Tenno“, weshalb sie auch nicht mehr aus dem Register gelöscht werden können. Auch die 540.000 Taiwanesen und Koreaner, die zu Japans Armee einberufen waren, um als japanische Soldaten zu kämpfen, wurden ebenfalls als Gott-Helden bestimmt - ohne jede Erlaubnis ihrer Angehörigen. Diese Familien fühlen sich beleidigt wegen einer solchen Behandlung. Die Erklärung von Seiten des Yasukuni-Schreins besteht darin, dass „sie mit dem Krieg einverstanden waren und darum zum Zeitpunkt ihres Todes als Japaner gelten. Daher ist es ganz natürlich, sie als Gott-Helden des Yasukuni-Schreins zu führen.“

Die japanische Verfassung, der sich auf Demokratie, Pazifismus und fundamentale Menschenrechte gründet, beinhaltet auch die vollständige Absage an den Staatsshintô. Ein Artikel der Verfassung legt die Trennung von Staat und Religion fest. Das japanische Volk hat geschworen, nie mehr Krieg zu führen und das Prinzip des absoluten Pazifismus als ein Bekenntnis zur Kriegsverantwortung zu bewahren.

Nach 61 Jahren jedoch stellen wir fest, dass Tennō und Staat noch immer eng zusammenhängen, wie die Besuchsrituale des Tennō und des Ministerpräsidenten im Yasukuni-Schrein bezeugen. Und auch dies verstößt gegen die Verfassung, dass heute im Konfliktfall Japan ein „Staat, der Krieg führen darf“ ist. Änderungen der Verfassung werden vorbereitet. Die Trennung von Staat und Religion kann dabei auf der Strecke bleiben.

Als Christ habe ich den Staat verklagt, weil er meinen Glauben verletzt hat: „Protest gegen den Besuch von Ministerpräsident Koizumi im Yasukuni-Schrein“. Gedenkfeiern für die Kriegsopfer sollten in Übereinstimmung mit dem Glauben und der Religion der Familienangehörigen stattfinden. Als Christ, dessen Glaube auch das 1. Gebot einschließt, leiste ich Widerstand gegen den Staat, der sich an eine bestimmte Religion und an den Yasukuni-Schrein bindet, und der die Rechte der Kriegsopfer einseitig verwaltet. Ihre Fürbitten geben mir Kraft, diesen Prozess durchzustehen. „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Frieden!“

Aus Kyodan Newsletter 243 (Mai 2007) nach „Shintō no Tomo“ (Monatszeitschrift des Kyodan für seine Gemeinden).

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