Dt.-Jap. Kirchenkonsultation 2013 - Mission in Deutschland

Dt.-Jap. Kirchenkonsultaion 2013 in Hamburg
12. - 15. Februar 2013
Evang. Missionsakademie Hamburg 


6. Deutsch-Japanische Kirchenkonsultation
Impuls bei der Deutsch-Japanischen Kirchenkonsultation (EMW), 12.2.2013 in HH
Vorgegebene Themenstellung:

Mission in Deutschland als Herausforderung an die Kirchen unter Berücksichtigung der Ost-West-Situation in der Nordkirche

Bischof Gerhard Ulrich

Liebe Schwestern und Brüder!
Es ist mir eine besondere Freude und Ehre, heute mit Ihnen zusammen zu sein bei der „Deutsch-Japanischen Kirchenkonsultation“! Ich bin mit Leidenschaft und großer Neugier in der Ökumene unterwegs, denn seit Jürgen Moltmanns Theologie der Hoffnung treibt mich die „Exodusgemeinde“ um; genau so wie ich auch Ernst Langes „Ökumenische Utopie“ versuche zu beherzigen, die da besagt: „Die Kirche der Zukunft wird eine ökumenische Kirche sein – oder sie wird gar keine Kirche sein!“ Darum auch verstehe ich mein Wirken als Pastor und Bischof immer als ein Wirken in einer „Provinz der Weltchristenheit“ (Ernst Lange) – und heiße die nun Nordelbische Ev.-Luth. Kirche oder aber, wie seit Pfingsten 2012 unsere Nordkirche, Ev.-Luth. Kirche in Norddeutschland.

Drei kurze theologische Impulse will ich geben:

1. Der so genannte „Missionsbefehl“ Jesu in Markus 16, bzw. Matthäus 28 gehört unaufgebbar zum Kirche-Sein der Kirche Jesu Christi. Von Jesus her hat diese Kirche eine Mission – nämlich das Evangelium zu bezeugen in Wort und Tat! Das gilt! Kirche ist also von ihrem Grund her zu bestimmen als eine missionarische Kirche. Die Mission der Kirche gründet in Jesu Auftrag und als solche in der Missio Dei – also in Gottes Mission an und für die Welt: Da ist eine Befreiungsgeschichte, ja eine Liebesgeschichte weiter zu erzählen – und wir als Kirche gehören in diese Geschichte Gottes mit den Menschen mitten hinein! Die Missio Dei ist also Gabe und Aufgabe der Kirche zugleich.

2. Die Theologische Erklärung der Barmer Bekenntnissynode von 1934 hat in ihrer VI. These den Auftrag der Kirche wie folgt bestimmt: „Der Auftrag der Kirche … besteht darin, … die Botschaft von der freien Gnade Gottes auszurichten an alles Volk.“ Die Kirche hat also in ihrem Auftrag eine alle Grenzen und Milieus aufbrechende, ja sprengende Kraft zur Verkündigung! Alle Grenzen, Milieus, ethnischen oder sozio-kulturellen Unterschiede und Verschiedenheiten sind also deutlich wahrzunehmen und ernst zu nehmen, aber: Sie dürfen niemals zu starren, undurchdringlichen Grenzen zementiert werden. Gottes Wort lässt sich nicht beschränken oder eingrenzen. Und: Der Satz etwa: „Deutsche und Japaner, die passen einfach nicht zusammen!“ ist unter Christenmenschen ein unmöglicher Satz! Die Kirche Jesu Christi ist eine inklusive Gemeinschaft, eine Institution der Inklusion par exellence!

3. Ich erinnere an den Apostel Paulus, der im 2. Kapitel des Epheserbriefes so wunderbar beschreibt, wie Christus seine Gemeinde aus den Juden und aus allen Völker baut – nämlich dadurch, dass er abbricht den Zaun der Feindschaft zwischen denen, die getrennt waren. Christus ist unser Friede (Eph. 2,14)! – darum sollen und können wir in „versöhnter Verschiedenheit“ wie der LWB 1977 in Dar Es Salaam wegweisend gesagt hat, in der Kirche beieinander leben und wohnen, nicht nur als Gäste und Fremdlinge, sondern als Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen! (Eph. 2,19).

Das alles, liebe Schwestern und Brüder, hat Folgen für uns in der neu gegründeten Nordkirche: Etwas unter zwei Millionen Evangelische Christenmenschen aus Nordelbien, etwas unter 200.000 aus Mecklenburg und etwas unter 100.000 aus Pommern haben sich da ja zu Pfingsten 2012 zu der einen Ev.-Luth. Kirche in Norddeutschland „vereinigt“ – genauer: Eine ganz neu Landeskirche hat sich da aus zuvor drei selbständigen Landeskirchen gebildet.

Die Lage – auch im Norden Deutschlands – ist multikulturell und multireligiös – sie ist sehr unterschiedlich in Stadt und Land, bis hin in den Bereich der Zahlen, die die Kirchenzugehörigkeit dokumentieren: Da gibt es Anteile von über 80 % Evangelischer Christen unter der Gesamtbevölkerung, aber auch von unter 10%. Da gibt es kirchlich hoch engagierte in Stadt und Land – und da gibt es einen „Atheismus aus Gewohnheit“. Da müssen wir als Kirche überall sehr genau hinschauen. Das kann ich im Einzelnen nicht ausführen, aber: Zwei Dinge sind mir zentral wichtig:

1. Wir sollen und dürfen nirgends die Menschen als „Objekte“ unserer Mission ansehen und daraus abgeleitete „Missionsstrategien“ entwickeln wollen. Mission hat überall mit Subjekten zu tun – mit ihnen ist immer und überall der Dialog zu suchen über Gott und Christus und Glaube usw. Ein offener, fairer Dialog in dem dann auch klar und deutlich geredet werden kann.

2. Wir brauchen also keine „Missionsstrategien“, sondern eine missionarische Haltung, die auch beinhaltet, dass wir uns nicht permanent selbst klein reden. Mir geht oft viel zu viel Energie verloren durch das Lamentieren über den angeblichen oder tatsächlichen „Bedeutungsverlust der Kirche“, oder die „Prägekraft des Christentums“. Ich möchte viel mehr, dass wir unserer Sendung bewusst und also auch selbstbewusst, die Chancen ergreifen, die uns gegeben sind. Also: Nutzen wir die gesellschaftlichen Debatten um „Sonntags- und Feiertagsruhe“! Lassen wir Kinder in unseren Evangelischen KiTas „profilschärfend“ mit Gott groß werden! Nutzen wir den Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen! Gründen wir Schulen in Evangelischer Trägerschaft, die etwa in der „Schulstiftung“ ja schon in Mecklenburg-Vorpommern in bedeutender Zahl vorhanden sind! Nutzen wir die Tatsache, dass die „Konfirmandenzeit“ von vielen Jugendlichen „nachgefragt“ wird! Seien wir eine gute „Kasualkirche“! Nutzen wir die Tatsache, dass wir im öffentlichen Raum als kirchliche Stimme angefragt werden, wenn es um gesellschaftliche Themen geht, die auf breiter Basis diskutiert, aber auch gelöst werden müssen! Mischen wir uns also ein – statt uns in die Wagenburg zu verkriechen!

 

Lasst uns also anfangen einen offenen Dialog auch z. B. mit den vielen „Konfessionslosen“ in Gebiet unserer Kirche! Nutzen wir die Vielfalt von Ortsgemeinden – aber eben auch der Dienste und Werke in unserer Kirche, die alle Anteil haben an dem einen Amt der Verkündigung, das der Kirche als ganzer aufgegeben ist. Wir wollen und sollen sein nicht eine pastorenzentrierte „Servicekirche“, sondern eine „Beteiligungskirche“ mit ihrem Schatz an Gaben und Fähigkeiten, die all die in ihr haupt- und ehrenamtlich Tätigen einbringen.
Das alles, liebe Schwestern und Brüder, zusammen mit unseren Partnern in der weltweiten Ökumene – wie oben gesagt als eine Gott und den Menschen verbundene „Provinz der Weltchristenheit“. In diese Verantwortung sehen wir uns vom Herrn der Kirche gestellt – und dieser Verantwortung werden wir uns nicht entziehen. „Nordkirche weltweit“ – das wollen wir als Nordkirche gerne sein, nämlich eine ihrer Sendung bewusste Kirche, die das Evangelium in Wort und Tat bezeugt – global and local!

 

 

 

 

 

 

 

 

Konsultationen

Zur Chronologie der Beziehungen:
DOAM und Tokyo / Tomisaka 

1945

Pfarrer Dr. Liemar Hennig in Kyoto, Pfarrer Theodor Jaeckel und der japanische Pfarrer FUKATSU Fumio in Tokyo.

1946

Dr. Hennig und Pfr. Jaeckel werden entlassen. Pfr. FUKATSU bleibt allein.

1952

Pfarrer Harald Oehler aus Halle wird als erster Missionar nach dem 2. Weltkrieg nach Japan entsandt. Er versteht seine Arbeit als "Pioniermission" in einer Zeit des Aufbruchs, des Suchens nach beständigen Werten in der jap. Gesellschaft. Er findet ein im Krieg weithin zerstörtes, aber in schwerer Nachkriegszeit schon wieder im Aufbau befindliches Tomisaka vor. Pfarrer FUKATSU Fumio hatte über Krieg und Nachkriegszeit alle Kraft zur Erhaltung des Besitzes verwendet. Ein Jahr später,

1953

wurde Pfr. Fukatsu entlassen, der sich dann zur Diakonie hin orientierte und das große Diakoniewerk "Kanita-no-Mura" in Tateyama, Chiba-Ken aufbaute.

1957

kam Superintendent Alfred Schmidt nach Tokyo um den Aufbau einer Akademiearbeit nach deutschem Vorbild in Japan voranzutreiben. Bis 1959 geschah dies in Zusammenarbeit mit der DOAM, danach machte sich die Akademiearbeit selbständig.

1961

kamen Pfr. Heyo Hamer und Pfr. Norbert Klein nach Tokyo. Letzterer arbeitete von 1962-1965 in der Akademie. Pfr. Hamer ging nach dem Studium in eine neue Arbeit nach Fukuoka bis 1968. Dort arbeiette er eng zusammen mit Prof. TAKIZAWA Katsumi von der Kyushu-Universität.

1965

wurde Pfr. Günter Dressler nach Japan entsandt, um die Nachfolge von Pfr. Oehler anzutreten. Er kehrte 1975 aus Japan zurück. Im gleichen Jahr,

1975

wurde Pfr. Schneiss im Auftrag des EMS (und DOAM) in den Dienst der Vereinigten Kirche Christi in Japan (Kyodan) nach Japan ausgesandt.

 

Die japanischen Mitarbeiter

1887

Gründung der Kamitomisaka-Gemeinde

1937-1954

Pfarrer Fukatsu Fumio

1954-1967

Pfarrer Matsumoto

1967-1984

Pfarrer Bitoh Shunichi

1985-1998

Pfarrer Ishimaru Yasuki
(Pfr. Ishimarui versieht weiterhin die Pfarrstelle)