Europäisches Treffen Japanischer Evangelischer Gemeinden

4. - 7. August 2005 in Westfalen


Schloss Eringersfeld bei Geseke, Westfalen

Evangelische Christen aus Japan, die in Europa leben, trafen sich zum 22. Mal zu einem kleinen Kirchentag vom 4. 7. August 2005 in Eringersfeld bei Geseke, Kreis Soest in Westfalen. Für die Ausrichtung zeichnete die Evangelische japanischsprachige Gemeinde in Köln/Bonn um Pfr. OGURI Ken, Herrn OBATA Shuji, Ehepaar Fujii, Frau Schmitt u.v.a. verantwortlich. Über 300 Personen, Singles, Ehepaare, Familien mit Kindern fanden im Tagungszentrum „Dicke Birken“ alles vor, was sie brauchten: eine Aula mit 400 Sitzplätzen, etwa 20 Seminarräume für Workshops und Bibel-Teilen; Bastelräume und ein Sportplatz für die 57 Kinder und Jugendliche, für die ein eigenes Programm vorbereitet worden war.

Vier Vorträge kreisten um das Thema, das sich im 60. Jahr nach Kriegsende und am Tag der ersten Atombombe auf Hiroshima (6.8.1945) mit dem Frieden befasste: „Frieden leben“ - das sollte deutlich machen, dass Christen nicht nur vom Frieden reden, sondern Frieden stiften, Frieden verwirklichen.
Prof. Muraoka aus Leiden, Holland: „Eirene und Shalom in der Bibel.“ Er sprach deutlich von der in Schuld verstrickten Kirche in Japan, die bis heute nicht zu wirklicher Umkehr bereit sei und ihre Regierung unbehelligt sich auf künftige kriegerische Auseinandersetzungen vorbereiten lasse (Verfassung, Gesetze zur Entsendung von Militär ins Ausland, Sicherheitsgesetze usw.)


Schloss Eringersfeld

Am Abend sprach Pfr. Morinaga aus London zu der unsäglichen Entwicklung der Trennungen und Spaltungen in Kirchengeschichte und Gegenwart. Der eine oder andere Zuhörer erinnerte sich dabei gewiss an die vielen Spaltungen der japanischen Gemeinden in Deutschland. Solche Entwicklungen, sagte der Redner, behinderten das Zeugnis, die Mission, die den Christen aufgetragen sei.

Der dritte Vortrag von Pfr. Tanabe aus Darmstadt befasste sich mit dem persönlichen Aspekt, dass Christen durch Jesus Christus der Friede Gottes geschenkt ist. Nach ihm zu streben, ihn auszubreiten sei die Aufgabe eines jeden einzelnen Christen.

Schließlich sprach Pfr. Inagaki aus Paris über „Krieg und Frieden“ in der Bibel, besonders anhand von Beispielen aus dem Alten Testament, wobei er die Linie zu den Kriegen der Gegenwart weiterführte. Das Gebot „Du sollst nicht töten“ stehe in Spannung zu den vielen Befehlen Gottes an Israel, seine Feinde ohne Ansehen der Person zu töten, sei es als Gericht Gottes oder zum Heil des Gottesvolkes.

Wichtig für die Teilnehmer waren die kleinen Gesprächsrunden, in denen es um „das Thema und ich“ ging, wo jeder seine Gedanken äußern, seine Ängste vorbringen konnte und von den andern ermahnt oder ermuntert wurde.

Acht verschiedene Workshops zu unterschiedlichen Themen rundeten das Geschehen ab. Z. B. „Was tut die Kirche in Deutschland für den Frieden?“ Oder: „Shalom in der Bibel“, „Gott gibt den Frieden und das Schwert“, „Kriegserfahrungen auf Okinawa“ usw.

Ihren Abschluss fand dieser kleine Kirchentag mit einem Gottesdienst in der Aula am Sonntagvormittag mit der Predigt von Pfr. Ando aus Düsseldorf.

Pfr. Oguri und Herr Obata von der Gemeinde Köln/Bonn, die zusammen mit ihren Gemeindegliedern die Last getragen hatten, meinten beide, dass das Zusammentreffen und der Austausch von Erfahrungen und Gedanken zum Thema Frieden als christlichem Zeugnis in Europa sehr wertvoll gewesen sei. Einer der Höhepunkte war übrigens der „Auftritt“ des Gemischten Chores der Gemeinde in Köln/Bonn. Die Freude und das Engagement das dabei spürbar und sichtbar wurde, wirkten ansteckend und nahmen einiges aus den Spannungen heraus, die das Thema und seine Bearbeitung mit sich brachten. (PS)


Tagungszentrum Eringersfeld


Pfarrer Oguri und Mitarbeiter


Einstimmung auf einen Vortrag


Beratung über den nächsten Tagungsort


Predigt beim Eröffnungsgottesdienst


4. August 2005 in Eringerfeld bei Geseke

Wir werden die Personen, die den Frieden verwirklichen

Pfarrer Ken Oguri

Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Söhne Gottes heißen.
Matthäus 5,9

Als Jesus gefragt wurde, was das wichtigste Gebot im Gesetz sei, antwortete er: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." Das bedeutet, dass wir an unsere Nachbarn denken wie an uns selbst - beispielsweise, was würde es für UNS bedeuten, wenn ein Krieg ausbrechen würde und unsere Kinder, Eltern oder Freunde vor unseren Augen getötet würden...; oder aber, wenn unsere Ehemänner und Söhne eingezogen und nie wieder zurückkehren würden? ... Wenn wir daran ernsthaft denken, können wir einfach nicht erlauben, dass unsere Landsleute hingehen und Kinder, Eltern, Ehemänner oder Ehefrauen in anderen Ländern töten.

Ich glaube, dass ein Mensch und ein anderer Mensch durch die Trauer miteinander verbunden werden können. Japaner haben auch im Krieg viel Trauer erlebt. Wir sollen das nie vergessen. Für die diesjährige Tagung haben wir Frau Hokama (die Mutter eines unserer Gemeindemitglieder) trotz ihres hohen Alters von Okinawa nach Deutschland eingeladen; sie hat selbst dort die „Schlacht um Okinawa“ erlebt und durch sie ein Kind verloren. Sie wird bei dieser Gelegenheit Kindern über ihr Kriegserlebnis erzählen. Außerdem gibt es auch für Interessierte die Gelegenheit, ihren Erlebnisbericht zu hören. Schon seit langem wünschten nicht nur uns, sondern auch den Kindern, unbedingt Geschichten von Erfahrungen des Krieges zu hören. Die Geschichte muss den Generationen weiter erzählt werden, die den Krieg nicht erlebt haben.

In Japan haben viele Leute die Trauer erlebt, ebenso wie in den Nachbarländern Japans, in denen viele Eltern und Kinder durch die japanischen Truppen ums Leben gekommen sind. Die Leute in Asien haben erlebt, dass ihre Ehemänner und Kinder wie ein Stück Vieh vor ihren Augen getötet geworden sind. Ihnen wurden ihr Grundstück, ihre Sprache und Würde geraubt. Die Frauen, die gezwungenerweise als Prostituierte für die japanischen Soldaten tätig waren, tragen immer noch tiefe Verletzungen. Wenn wir an die Protestbewegung gegen Japan in vielen asiatischen Ländern denken, gibt es dafür plausible Gründe: Viele Asiaten, wie Frau Hokama und andere Leute aus Okinawa, können den damaligen Kummer und die Trauer einfach nicht vergessen. Was denken solche Leute, wenn sie ihren Blick auf Japan werfen, in dem die Tatsache des Kriegs in Schulen nicht unterrichtet wird, oder die Personen, die zum Krieg geführt hatten, als Götter angebetet werden? Wir sollen an ihre Lage denken - nicht als Kritiker oder politisch, sondern wie versetzen wir uns in ihre persönliche Lage.

Während wir diese Tagung dem Hauptthema entsprechend vorbereiteten, haben wir viel nachgedacht über dieses Gebet, das am Ende des Programms ausgedruckt ist:

Guter Herr, zeig uns
den Frieden, den wir uns wirklich wünschen sollen,
den Frieden, den wir geben sollen,
den Frieden, den wir wegwerfen sollen,
und jenen Frieden, den Du uns in Jesu Christi gegeben hat.

Was ist überhaupt "der Frieden, den wir wegwerfen sollen"?
Wenn wir nur an unseren eigenen innerlichen Frieden, d.h. den Frieden im engeren Sinne denken, können wir ignorieren, dass der Friede der anderen zerstört wird. Noch strenger gesagt, können wir den Frieden dadurch rauben, dass wir uns in unseren eigenen Frieden zurückziehen... z. B. falls wir zufrieden denken sollten, dass wir überreichlich zu essen haben, so kann dieser Gedanke dazu führen, dass die Lebensmittelvorräte eines anderen Mitmenschen in dieser Welt von uns geplündert werden. In dieser Welt gibt es Menschen, die verhungern... Das ist kein Friedenszustand mehr. Deshalb müssen wir an alle Leute auf der Welt denken, wenn es um den Frieden geht.

Dietrich Bonhoeffer hat unter Einsatz des Lebens nachgedacht und verwirklicht, was die Kirche in einer solchen Situation tun kann. Er war schon früh der Meinung, dass der Einzelne und die Kirchen für den Völkerfrieden und gegen die Staatsgewalt nicht genug widerstehen können. Er hielt die Weltkirche für nötig. Das heißt, dass die Kirchen in der Welt gemeinsam ein Handeln für den Weltfrieden bewerkstelligen können.

In dieser Welt gibt es verschiedene Glaubensarten. Manchmal denken wir, dass es keine Gemeinsamkeit untereinander geben mag. In dieser Situationen aber sollen wir uns nicht voreinander verleugnen, sondern versuchen, unter Anerkennung der Verschiedenheit miteinander zu reden, und die Verwirklichung des Friedens miteinander zu erstreben. Wir denken und behauptet oft: "Das muss die einzige Möglichkeit sein.", oder "Nur ich habe recht." Eine solche hartnäckige Verschlossenheit in die eigene "Gerechtigkeit" kann und hat zur Zerstörung des Friedens geführt.
Für das Hauptthema der diesmaligen Tagung haben wir "den Frieden leben" ausgewählt. Dieses Wort "den Frieden leben" ist eigentlich (japanisch-) grammatikalisch nicht ganz korrekt. Ich habe aber in einem Buch das Wort eines amerikanischen Pazifisten gelesen:

"Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Frieden ist der Weg." (There is no way to peace, peace ist the way.")
Es kann überhaupt keinen kürzesten Weg oder keine technische Methode zum Frieden geben. Es ist auch nicht möglich, dass jemand einen solchen Weg machen kann. Jetzt und hier müssen alle Christen in dieser Welt von unten her den Frieden bilden. Die Verwirklichung des Friedens ist für Christen eine ihrer Grundaufgaben und Bestimmung wie auch Gerechtigkeit zu üben oder das Christentum zu verbreiten. Wir sind - solange wir Christen sind - die Existenz, die im Frieden lebt, der aus Gott kommt, die von den kleinen Beziehungen im Alltag kontinuierlich den Frieden bildet. Das heißt, wir sind die Existenz, die den Frieden lebt.

Amen.

Japanische Gemeinden

Japanische evangelische Gemeinden in Deutschland

Japanische Evangelische Gemeinde Köln/Bonn e.V.
D. Bonhoeffer-Kirche
An der Decksteiner Mühle 1, 50935 Köln
Gottesdienst an jedem Sonntag um 14:00 Uhr (für Kinder um 13:30)
Pfarrerin: SASAKI Ryoko
(Webpage)           http://koelnbonn.jp
(Gemeinde-Email) japevgemkoelnbonn@gmail.com
(Monatl. Newsletter, jap.) koelnbonn.geppo@gmail.com

 

Japanische Evangelische Gemeinde Berlin
Paul-Gerhard-Kirche Alt-Schöneberg
Hauptstrasse 47
10827 Berlin
Pfarrerin: AKIBA Mutsuko

 

Japanische Evangelische Gemeinde Frankfurt a.M.
Dorfkirche Alt-Hausen
Alt-Hausen 2
60488 Frankfurt am Main

SUZUKI Koichi †, Bad Soden
Pfarrer: P. Schneiss, Heidelberg
Diese Gemeinde hat sich 2017 aufgelöst, weil alle Gemeindeglieder verzogen sind.


 

Japanische Evangelische Gemeinde Stuttgart
Evang. Gemeinde Sommerrain
Mimosenweg 22
70374 Stuttgart
Pfarrer: ???

 

 


Pfarrer OGURI Ken
Köln/Bonn


Ehepaar Fujii



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