SAKO Yoshitaka - Trauerfeier

Japanische Evangelische Gemeinde in Hessen e.V. (Frankfurt am Main)

Unser Germeindeglied SAKO Yoshitaka verstarb im Alter von 65 Jahren


Psalm 23
24. Juni 2016. 14 Uhr. Oberursel/Taunus. SAKO Yoshitaka.
12.06.1950 - 20.05.2016. Seebestattung am 12. August in Kiel.
Ansprache: Pfr. P. Schneiss

"Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen"
"Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück"

Liebe Trauergemeinde,
"Ist da oben jemand?" - so frägt Bärbel Schäfer in ihrem Buch. Ihr Bruder war gerade tödlich verunglückt. Als wir von der plötzlichen Erkrankung von Sako-san hörten, dann von dem ebenso schnellen Koma auf der Intensivstation des Krankenhauses in Bad Hersfeld und kurz danach vom Tod unseres Bruders und Freundes, da mag jene Frage auch durch unsere Gedanken gezogen sein: "Ist da oben jemand?" Der Tod kam so plötzlich und wir sind mit dem Abschiednehmen immer noch nicht fertig. Auch diese Trauerfeier ist nur ein Schritt auf unserem Weg mit Sako-san, den wir noch lange miteinander gehen werden.

Ratlos war ich, als ich zuerst von Sako-san's Tod hörte. Da war kein Trostwort parat, nur jene quälende Frage "Warum", auf die wir nie eine Antwort erhalten. Als nächster Gedanke kam mir der 23. Psalm in den Sinn, und hier besonders der zweite Vers:
"Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen"
Und schon stolpere ich wieder. Wieso "rechte Straße"? Das war doch weder recht noch gerecht, dass Sako-san auf diese Weise aus dem Leben gerissen wurde. Er wurde nicht gefragt. Er konnte sich nicht wehren. Er konnte sich nur ergeben - aber selbst dafür wurde ihm keine Zeit gegeben.

Erst nach seinem Tod habe ich manche Einzelheit aus seinem Leben kennen gelernt. Aber das eben nicht aus seinem eigenen Mund, sondern von seinen nächsten Freunden und Begleitern, denen er sich immer wieder mal anvertraut hat. In der jap. evang. Gemeinde haben wir uns erst in den letzten Jahren und dann auch zu selten getroffen: nur 2 Mal im Monat. - Wir haben jeden 3. Samstag im Monat einen Nachmittag, an dem wir gemeinsam in der Bibel lesen. In den letzten Monaten lasen wir im Buch des Propheten Jesaja, danach beim Propheten Jeremia. Sako-san war in der Regel dabei und fühlte sich, nach seiner eigenen Aussage, in diesem Kreis sehr wohl. -

Das Bibellesen ist keine Predigt bei uns, sondern ein kursorisches Lesen mit Erklärungen, wenn jemand eine solche wünscht. Immer öfter brachte sich auch Sako-san in unsere Gespräche ein. Aber besonders aufgefallen sind uns die beiden letzten Male. Hier brachte er sich nicht nur ein wie alle andern, sondern übernahm die Führung beim Lesen im Propheten Jeremia. Sie wissen wohl, dass der Prophet Jeremia einer war, dem Gott einen schweren Weg vorgezeichnet hat: beschuldigt, geschlagen, verachtet, ins Gefängnis geworfen, zuletzt im Ausland (Ägypten) von den eigenen Leuten gesteinigt. Aber Jeremia blieb dabei, dass das die für ihn "rechte Straße" war. -

Wir haben uns sehr gefreut, als Sako-san sich so kräftig eingebracht hat, als er immer weiter in den Reden Jeremias und in den Berichten lesen wollte, und haben große Hoffnung und Freude mit ihm verbunden. Schon ein Jahr zuvor hat er mir eröffnet, dass er sich gerne taufen lassen möchte. Nun hat Gott ihn vor seiner Taufe aus diesem Leben abgerufen um bei ihm zu sein.

Leider kann bei dieser Trauerfeier niemand aus Japan hier dabei sein: weder der ältere Bruder Yasunori Sako noch die Schwester Masumi Yoshiwara und auch nicht der Freund Takeo Ichikawa. -

Er selbst wurde 1950 in Osaka geboren (am 12.6. wäre er 66 Jahre alt geworden) als der jüngste von zusammen 4 Geschwistern. Aufgewachsen aber ist er in Tokyo. Dort machte er 1968 sein Abitur und nahm ein Studium der Wasserwirtschaft an der berühmten Waseda-Universität auf. Es kamen dann Jahre der studentischen Unruhen (ähnlich wie hier in der damalige BRD), in die hinein er verwickelt wurde und - wie sich hernach herausstellte - unschuldig verhaftet.

3 lange Jahre (1970-72) verbrachte er unschuldig im Gefängnis! Erst 1985 - 15 Jahre später - wurde er vom Gericht freigesprochen und vom Staat finanziell entschädigt. Wer Verhöre durch die jap. Polizei in jenen Jahren und die dazugehörige Behandlung in den jap. Gefängnissen in jenen Jahren erlebt hat, kann sich vorstellen, dass man das ein Leben lang nicht mehr vergessen kann. Auch nicht vergessen kann, wer denn einen in eine solche Lage gebracht hat. Sako-san hat sich ganz gut auch an diese Zeit erinnert. Richtig fertig geworden ist er wohl nicht damit.

Während der Gefängniszeit macht er eine Ausbildung zum Fliesenleger und schließt diese ab mit der Meisterprüfung. Dann möchte er Porzellanmaler werden. Und sein Land, seine Heimat verlassen. Er hatte genug von allem, was ihm bisher begegnet war. Auch bei späteren Besuchen in Japan fühlt er sich dort nicht mehr daheim. Deutschland war der Ort, an dem er leben wollte. -

Er bekommt im Jahr 1987 einen Vertrag mit einer Manufaktur in Plaue/Thüringen und erhält dort auch eine Wohnung. Kurz darauf erlebt er die Wiedervereinigung: für ihn eine Art Sackgasse - sein Vertrag wird ungültig, er wird arbeitslos, steht allein und verlassen auf der Straße. Erst im Jahre 1990 bekommt er einen neuen Vertrag mit einer Firma in Bad Homburg und kommt so in den Westen - und erhält bald auch einen Auftrag bei der Familie Eckhardt: der Anfang einer für Sako-san Mut-machenden und tröstlichen Begleitung über viele Jahre hin.

Freilich gab es auch weiterhin viele Stolpersteine in seinem Leben, verschiedene Krankheiten spielten eine Rolle, er wurde hin und her geworfen, fiel zu Boden, rappelte sich wieder auf, zog zwischendurch mal auch nach Potsdam, wurde betrogen und ausgenützt, kehrte aber immer wieder zurück in das offene Haus der Eckhardts. Endlich, 2005, zog er nach Oberursel, wurde bei GIA-Taunus angestellt und 2007 in Deutschland eingebürgert. Erst im vergangenen Jahr konnte er in ein Haus von GIA-Taunus einziehen - er war inzwischen Rentner geworden. Und noch im Mai dieses Jahres wollte er einen Betreuungsvertrag unterschreiben. Er war dankbar für diese Wendungen zum Guten in seinem Leben. Bis dann der plötzliche körperliche Zusammenbruch ihn überraschte und seinem Lebensweg ein Ziel setzte.

Ich sagte am Anfang, dass der Vers aus Psalm 23
"Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen"
über dieser Trauerfeier steht. Und dass ich mich über die "rechte Straße" aufgeregt habe. Nach diesem kurzen Rückblick auf Sako-san's Leben verstehen Sie das sicher.

Ich habe dann in Psalm 23 weitergelesen und entdeckte einen Aspekt einer "rechten Straße", der mir so noch nie aufgefallen war:
"Ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück"
Die "rechte Straße" gibt es nur auf dem Hintergrund des "finsteren Tals", das voller Unglück ist.

Die "rechte Straße", die durch das "finstere Tal" führt, so möchte ich es heute sagen, hat Sako-san voll ausgekostet. Wieviel Unglück häufte sich doch bei ihm, wieviel Unvermögen, damit allein fertig zu werden, wieviel Niederlagen. Aber auch wieviel Aufstehen, wieviel Freunde, wieviel Begleitung, wieviel Mitmenschlichkeit und Liebe. Auch in Bad Hersfeld war er nicht allein: Er fiel dort der Volleyballgruppe praktisch in die Hände, die sich dann so fürsorglich seiner annahm. - Manchmal erkennen wir es so wenig wie Sako-san, dass wir auf der "rechten Straße" durch das "finstere Tal" gar nicht so allein sind, wie wir meinen. Auch unsere Augen sind oft blind. Ich denke, Sako-san hat bei Jeremia etwas gefunden, was seinem Lebenslauf ähnlich war. Und hat entdeckt, dass einer mit ihm war in guten wie in bösen Zeiten. So wie es auch Dietrich Bonhoeffer in seinem Lied beschreibt: "Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen, und ganz gewiss an jedem neuen Tag".
Amen.

Wir singen von diesem Lied nun die Verse 1-2 und 5-6.



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(Gemeinde-Email) japevgemkoelnbonn@gmail.com
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Pfarrer: P. Schneiss, Heidelberg
Diese Gemeinde hat sich 2017 aufgelöst, weil alle Gemeindeglieder verzogen sind.


 

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Evang. Gemeinde Sommerrain
Mimosenweg 22
70374 Stuttgart
Pfarrer: ???

 

 


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Köln/Bonn


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