Statement von Aizawa

Internationale Konferenz, 3.-6. März 2015, Evang. Akademie Arnoldshain
Dokumentation: Die "Energiewende" vom Atomausstieg zu erneuerbarer Energie  -
Was können religiöse Gruppen beitragen?
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Siehe auch hier: "Zerrissene Leben" (SZ 9.3.2015)

Zentrum Ökumene, Pressekonferenz am 2.3.2015

Statement
von AIZAWA Takumi

aus Iidate-mura
(Iidate Mura ist der am meisten verstrahlte Ort in der Präfektur Fukushima)

Statement für die Pressekonferenz am 2.3.2015 anlässlich der Konferenz
"Was können religiöse Gruppen zur 'Energiewende' beitragen?"
vom 3.-6. März 2015 in Arnoldshain

Ich nehme an der Konferenz in Arnoldshain teil, weil ich über das TEPCO-Atomunglück hier in Deutschland sprechen will. Die Weltgesundheitsbehörde (WHO) und andere internationale Organisationen stellen Bewertungen an über das Ausmaß und die gesundheitlichen Folgen dieser Katastrophe und sie machen Vergleiche mit Tschernobyl.

Aber es ist offensichtlich, dass sich solche Bewertungen auf Daten konzentrieren, die von der japanischen Regierung und von japanischen Wissenschaftlern (die von der Regierung dazu angestellt werden) berechnet und reguliert werden. Wenn man etwa Schlüsselworte wie "Iidate Mura" oder "Beginn von strahlungsbedingten Krankheiten" (im Internet usw.) nachschauen will, kommt die vertuschende Haltung von Regierung und Wissenschaftlern klar zum Vorschein.

Nach der Katastrophe tut man so, als sei sie schon vier Jahre vergangen. Die gesamte japanische Gesellschaft tut so, als habe sie die Erinnerung an die Katastrophe gelöscht. Aber wir Opfer bleiben allein gelassen mit all unseren tiefen Verletzungen. Darüber hinaus verlangt man außerdem noch von uns, dass wir darüber schweigen sollen!

Warum verlangt man von uns zu schweigen?
Welche Art von Schweigen fordern Regierung und Gesellschaft von uns eigentlich?
Gibt es dabei überhaupt noch Gerechtigkeit und Ethik?

Um über diese Situation der Menschen in Fukushima zu sprechen, bin ich hier nach Deutschland gekommen.


Material für den Vortrag von Herrn AIZAWA Takumi
am 4. März 2015

Anmerkung des Übersetzers::Dieser Text ist ein Beispiel für eine doppeldeutige Form von Kommunikation (auf Japanisch aimai). Der Professor gehört zu den "kompromitierten Wissenschaftlern" (goyo-gakusha). (M.R.)

Fukushima Minpo ist eine regionale Tageszeitung der Präfektur Fukushima. Ihre Mitarbeiter sind stolz darauf, dass sie die höchste Zeitungsauflage in der Gegend hat.

Prof. Takamura Noboru (Akira) von der Universität Nagasaki, Spezialist für Radiologie, ist der verantwortliche "Berater für die Kontrolle der Gesundheitsrisiken von radioaktiven Strahlen in der Präfektur" in dieser Zeitung.

Am 17. März 2013 lautet diese Rubrik folgendermaßen:
Fragen & Antworten zu radioaktiver Strahlung und radioaktiven Stoffe: Bericht der Weltgesundheitsbehörde (WHO) über "Zunahme von Krebsrisiken":

Frage: Die Weltgesundheitsbehörde (WHO) hat in dem veröffentlichten zusammenfassenden Bericht über die Vorausberechnung des Einflusses des Fukushima Reaktors Nr. 1 Unfalls von TEPCO (Tokyo Eletric Power Co.) auf die Gesundheit der Bevölkerung impliziert, dass das Entstehen von Krebs zu einem bestimmten Grad zunehmen wird. Wie verhält sich dies?

Antwort von dem Berater für die Kontrolle der Gesundheitsrisiken von radioaktiven Strahlen in der Präfektur Fukushima, Prof. Takamura: Die maximale Grenze der Verstrahlung ist hypothetisch, in Wirklichkeit ist diese Möglichkeit gering.

Der zusammengefasste Bericht von WHO legte eine Reihe von "vorausgesetzten Bedingungen" zugrunde und mutmaßte auf dieser Basis über die Gesundheitsrisiken der allgemeinen Bevölkerung bis hin zu denjenigen der Arbeiter in den Reaktoren.

Zu den "vorausgesetzten Bedingungen" gehört die Bedingung für die am meisten verstrahlte Bevölkerung, dass sie "vier Monate ununterbrochen in der Evakuierungszone gewohnt und fortgesetzt Nahrungsmittel aus dem verstrahlten Gebiet verzehrt hatte". Aber in Wirklichkeit wurde seit dem Unfall (von der Regierung) ein provisorischer maßgeblicher Wert für Grenzen der Aufnahme von kontaminierten Lebensmitteln und für Maßnahmen zur Begrenzung der Zirkulation (von kontaminierten Lebensmitteln) festgelegt, Deswegen wurde die Minimierung der inneren Verstrahlung neu berechnet; daher darf man nicht denken, dass die von WHO angenommenen Bedingungen innerhalb der Fukushima Präfektur zutreffen.

Nichts desto trotz, dass WHO die Gesundheitsrisiken auf der Grundlage von derartigen vorausgesetzten Bedingungen mutmaßte, weist sie selbst darauf hin, dass "auch wenn man die Gesundheitsrisiken in der denkbaren Situation der äußersten Grenze für Verstrahlung abschätzt, die Möglichkeit doch äußerst gering ist, dass eine Vermehrung von Schilddrüsenkrebs und dergleichen entsteht," und "in Wirklichkeit ist es schwer denkbar, dass unter der Bevölkerung realistischerweise gesundheitliche Schäden von vermehrtem Krebs und dergleichen entsteht, denn direkt seit dem Unfall wurden Maßnahmen zur Verringerung der Verstrahlung vorgenommen". Dieser Sachverhalt wurde meines Erachtens bestätigt.

Dazu wurden unter Aufnahme des jetzigen WHO-Berichtes neue Begrenzungen zur Gesundheitskontrolle vorgenommen; danach bestehe keine Notwendigkeit, sich Untersuchungen in medizinischen Einrichtungen zu unterziehen. Dennoch schreitet die Präfektur voran und schützt durch Gesundheitskontrolle und -untersuchung ihrer Bevölkerung insbesondere die Gesundheit der jungen Generation. Die Präfektur empfiehlt, durch die Möglichkeit verschiedener Untersuchungen und dergleichen, regelmäßig den Gesundheitszustand prüfen zu lassen.






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