Ein japanisches Glaubensbekenntnis - 1891

Am 4. Juni 1884 fand die Gründungsversammlung des Allgemeinen evangelisch-protestantischen Missionsvereins (AEPM) statt. In der Zeitschrift für Missionskunde und Religionswissenschaft (ZMR) schreibt eienr der damaligen Mitarbeiter in Japan den folgenden Bericht.

Wir veröffentlichen ihn als kleinen Geburtstagsgruß an alle Leserinnen und Leser unserer Homepage.

Aus ZMR (Zeitschrift für Missionskunde und Religionswissenschaft), einem Organ des AEPM
(Allgemeiner evangelisch-protestantischer Missionsverein) Jahrgang 1891 , Seite 81

V. Ein japanisches Glaubensbekenntnis.

Schon früher (S. 18 u. 19) wurde hervorgehoben, wie sehr der Unabhängigkeitsdrang der Japaner durch die Verhandlungen über die Revision der Handelsverträge neu aufgeregt ist, und wie energisch sich auch in den christlichen Gemeinden die Losung „Japan für die Japaner" geltend macht. Einen neuen und bedeutungsvollen Ausdruck hat diese Strömung nach der Japan Daily Mail im Dezember vorigen Jahres auf der sechsten Synode des ltchi-Kyo Kuwai [Itchi Kyōkai] erhalten. Die Synode tagte in der Sukiya-Bashi-Kirche zu Tokyo. Es handelte sich um nichts Geringeres, als um die Aufstellung eines neuen Glaubensbekenntnisses, wozu ein Komitee, bestehend aus 3 Fremden und 4 Japanern, einen Entwurf vorgelegt hatte.

Doch fand weder dieser noch ein daneben zur Wahl gestellter Vorschlag Annahme, wonach das Apostolische Glaubensbekenntnis allein als Bekenntnis gelten sollte. Als Grundtendenz der Versammlung gab sich eine entschieden abwehrende, wenn nicht feindliche Haltung gegenjeden Entwurf kund, der auch nur entfernt fremden Einfluß ahnen ließ. Es war Gefahr vorhanden, daß gar keine Einigung erzielt, ja, eine Spaltung herbeigeführt werde. In diesem kritischen Augenblicke legte der Professor Ishimoto, ein Graduierter der Meiji-Gaku-in (der theologischen Schule des Itchi-Kyo Kuwai) ein Glaubensbekenntnis vor, das er mit einigen Gesinnungsgenossen in der Eile abgefaßt hatte. Auch diesem Bekenntnis kam zunächst der Argwohn entgegen, daß es von den Fremden inspiriert sei. Als indes Ishimoto auf das bündigste versicherte, daß die auswärtigen Missionare von seinem Bekenntnis noch ganz vor kurzem garnichts gewußt, da wurde es einmütig und mit großer Begeisterung angenommen. Es lautet:

„Der Herr Jesus Christus, welchen wir als Gott anbeten, der eingeborne Sohn Gottes, ward Mensch und litt für uns Menschen und für unsere Erlösung. Er brachte ein vollkommenes Opfer für unsere Sünden dar; und alle, welche mit ihm eins sind durch den Glauben, erlangen Vergebung und werden für gerecht erklärt; und der Glaube an ihn, der durch die Liebe thätig ist, reinigt das Herz. Der heilige Geist, welcher mit dem Vater und dem Sohne angebetet und verherrlicht wird, offenbart Jesum Christum der Seele; und ohne Seine Gnade kann der Mensch, weil er tot ist in Sünden, nicht in das Reich Gottes kommen. Durch Ihn wurden die Propheten und Apostel und die frommen Männer der alten Zeit inspiriert; und als der, der da spricht in den Schriften des alten und neuen Testaments, ist Er der höchste und unfehlbare Richter in allen Dingen, die sich auf Glauben und Leben beziehen. Diesen heiligen Schriften entnahm die alte Kirche Christi ihr Bekenntnis; und wir, festhaltend den Glauben, der einst den Heiligen überliefert wurde, stimmen ein in dieses Bekenntnis mit Preis und Danksagung" - Es folgt das Apostolische Glaubensbekenntnis.

Auch, wer sich nicht alle Punkte dieses Bekenntnisses in der gegebenen Fassung anzueignen vermag, wird darin eine ansprechende Einfachheit und, soweit das die Wahrung eines ausschließend orthodoxen Standpunktes zuläßt, die Vermeidung unnötig beengender Bestimmungen gern anerkennen. Von besonderer Wichtigkeit ist es, daß nach ausdrücklichem Beschluß der Synode dieses Bekenntnis nicht nur für die Laien, sondern auch für die Theologen genügen soll. Es wird fortan die Glaubensgrundlage der vereinigten Presbyterianer-Kirche, der mächtigsten evangelischen Kirche Japans, sein und kann um so entscheidendere Bedeutung erlangen, als es durch Festhaltung der wichtigsten Glaubenssätze, welche den orthodoxen Missionsgesellschaften gemeinsam sind, auch allen andern von diesen ausgegangenen japanischen Gemeinden den Anschluß erleichtert und sich als ein Mittel empfiehlt, sowohl unter einander die Einigung zu finden, als sich von den auswärtigen Mutterkirchen und ihren Bekenntnissen mit ihren trennenden und dem Japaner vielfach unverständlichen dogmatischen Bestimmungen unabhängig zu machen. Dazu freilich, die Grundlage für eine einzige japanische Volkskirche zu bilden, dürfte dieses Bekenntnis doch wohl noch einige allzu ausschließend orthodoxe Sätze enthalten. Die Anbetung Jesu als Gott und die mindestens mißverständliche Fassung der Inspiration wird vielen durchaus christlich gesinnten Japanern die Annahme unmöglich machen, weil sie ihr Denken nicht damit in Einklang zu setzen vermögen. Die gebildeten Japaner sind nun einmal durch ihre konfuzianische Erziehung zu sehr daran gewöhnt, an alles, auch an die religiösen Dinge den Maßstab praktisch nüchternen Denkens zu legen; für viele von ihnen ist deshalb nur die Wahl vorhanden zwischen einer freieren Auffassung des Christentums oder völliger Ablehnung.

 

 

OAM-Gedenktage

04.06.1884 Gründung des AEPM (OAM) in Weimar

22.10.1945 Gründung der Schweizerischen Ostasien-Mission SOAM

26.02.1948 Gründung der japanischen Stiftung Christliche Oastasien-Mission in Kyoto, Japan

10.12.1952 Gründung der DOAM Deutsche Ostasienmission in Hamburg

1972 Gründung der EMS
Namensänderung zum 1.1.2012:
"Evang. Mission in Solidarität" EMS

1973 Gründung des BMW 

01.05.1980 Gründung der Diakonia-Schwesternschaft in Korea 

1982 Gründung des Tomisaka Christian Center TCC in Tokyo

23.02.1991Vereinigung von OAM-DDR und DOAM in Erfurt

Geschichte der DOAM

4. Juni 1884 Gründung des Allgemeinen Evangelisch-Protestantischen Missionsvereins AEPM

1929 Umbenennung in Ostasienmission

Der AEPM benannte sich 1929 offiziell in "Ostasienmission" oder OAM um. Der Titel hatte schon seit 1921 als Untertitel Verwendung gefunden. Das sollte aber nicht bedeuten, dass der Verein für alle Zeiten sich auf Mission in Ostasien beschränken wollte... Im Jahresbericht von 1911 schreibt Missionar Emil Schroeder zu Kirche und Mission: "Nur die Kirche ist stark, die Mission treibt. Nur dort ist sie wirksam als Macht, wo sie Mission treibt."

1945 Trennung des schweizerischen Zweiges und Gründung der Schweizerischen Ostasien-Mission (SOAM)

1952 Gründung der Deutschen Ostasienmission (DOAM)

1972 Gründung des Evang. Missionswerkes in Südwestdeutschland EMS

1973 Gründung des Berliner Missionswerks BMW

1992 Vereinigung von OAM (im Bereich der ehemaligen DDR) und DOAM (im Bereich der ehemaligen BRD) zur Deutschen Ostasienmission DOAM.

2002 Vereinbarung zu enger Zusammenarbeit von SOAM und DOAM

2007/2008 Satzungsänderung

2009 Neugründung der Stiftung "Christian East Asia Mission" in Kyoto, Japan