Mahnmal für Sinti & Roma: Rede R. Rose

Mahnmal für Sinti und Roma, Berlin 2012

Rede

Romani Rose, Zengtralrat Deutscher Sinti und Roma

Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas
Rede zur Einweihung des Denkmals in Berlin am 24. Oktober 2012

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich danke Ihnen, Herr Bundespräsident, Herr Bundestagspräsident, Frau Bundeskanzlerin, Herr Regierender Bürgermeister, Herrn Staatsminister, sehr geehrter Herr Graumann, lieber Zoni Weisz, lieber Dani Karavan, und Ihnen allen, dass Sie heute teilnehmen an der Einweihung dieses Denkmals.

Sie erweisen damit unseren Menschen die Ehre und den Respekt vor ihrem Schicksal.

Ich danke den Überlebenden, die heute hierher gekommen sind. Unsere Gedanken sind bei denen, die nicht bei uns sein können.

Mit der Einweihung dieses Denkmals für die über 500.000 im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas gedenken wir der Opfer des Völkermords. Zugleich erinnern wir an dieses jahrzehntelang verdrängte Menschheitsverbrechen.

Es gibt in Deutschland keine einzige Familie unter den Sinti und Roma, die nicht unmittelbare Angehörige verloren haben – dies prägt unsere Identität bis heute.

Die ungeheuerlichen Verbrechen der Nazis entziehen sich noch immer dem Verstehen. Sie begannen mit Ausgrenzung und Entrechtung, und sie endeten mit Massenmord in den Vernichtungslagern, in denen Sinti und Roma gemeinsam mit den Millionen anderer Opfer litten. Ich begrüße an dieser Stelle den Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Herrn Heubner.

Sinti und Roma wurden allein aufgrund ihrer vorgeblichen Rassenzugehörigkeit, ihrer bloßen biologischen Existenz ausgesondert und unterschiedslos ermordet, alte Menschen ebenso wie Kinder.

Dieses Denkmal neben dem Reichstag, in unmittelbarer Nähe zum Brandenburger Tor und zum „Denkmal für die ermordeten Juden Europas" ist Ausdruck der Verpflichtung, Antiziganismus ebenso wie Antisemitismus zu ächten.

Es gibt aber in Deutschland und in Europa einen neuen, zunehmend gewaltbereiten Rassismus gegen Sinti und Roma. Dieser Rassismus wird nicht nur von rechtsextremen Parteien und Gruppierungen getragen, sondern er findet immer mehr Rückhalt in der Mitte unserer Gesellschaft.

Gerade der heutige politische und juristische Umgang mit rechtsextremer Gewaltideologie stellt einen Prüfstein dar, ob und welche Lehren wir aus Krieg und Holocaust gezogen haben. Es gibt heute vor allem im Internet massive Aufrufe zur Gewalt gegen Juden, gegen Sinti und Roma; der Mordserie der sogenannten NSU fielen zehn Menschen zum Opfer. Dieser Rassismus richtet sich vordergründig gegen unsere Minderheit, tatsächlich aber richtet er sich gegen unsere Demokratie und unsere demokratischen Werte. Hier genügen keine Verbote — die Ächtung jedweder Gewalt muss in der ganzen Gesellschaft Platz greifen.

Als 1980 eine Gruppe von Sinti und Roma, darunter fünf Überlebende des Holocaust, im ehemaligen Konzentrationslager Dachau in einen Hungerstreik traten, um auf die Tatsache des Völkermordes und seine jahrzehntelange Verleugnung in der Bundesrepublik Deutschland aufmerksam zu machen, konnte sich niemand von uns vorstellen, dass es einmal ein solches Denkmal geben würde.

Bis dahin waren die Überlebenden ausgeschlossen von jeder moralischen, rechtlichen und politischen Entschädigung; erst 1982 wurde der Holocaust an Sinti und Roma durch den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt anerkannt.

Dieses Denkmal, das wir heute einweihen, ist auch ein Ergebnis der langen Auseinandersetzung mit der Geschichte von Sinti und Roma in Deutschland.

• Ich danke Ihnen, Frau Bundeskanzlerin Merkel, und der Bundesregierung sowie Ihnen, Herr Regierender Bürgermeister Wowereit, und der Berliner Landesregierung für die Fertigstellung dieses Denkmals.

• Mein besonderer Dank gilt Ihnen, Herrn Staatsminister Neumann. Sie haben dieses Denkmal zu Ihrer persönlichen Angelegenheit gemacht.

• Mein Dank geht an die vielen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens für ihr langjähriges Engagement; stellvertretend für die vielen, die ich hier nennen sollte, danke ich Angelika und Manfred Lautenschläger.

• Vor allem aber geht mein Dank an unsere Holocaust-Überlebenden. Ihre unermüdliche moralische Unterstützung hat entscheidenden Anteil daran, dass das Denkmal nach einer über zwanzigjährigen Auseinandersetzung verwirklicht wurde. Es ist bedrückend, dass viele von ihnen den Tag der Eröffnung nicht mehr miterleben können.

• Insbesondere danke ich Dani Karavan, der sich mit den Opfern und ihrem Leid auseinandergesetzt hat, und dessen Kunstwerk uns Raum gibt, der unzähligen Opfer zu gedenken.

• Ich danke Santino Spinelli, der Worte gefunden hat für das Unsagbare und die Dani Karavan in dieses Denkmal aufgenommen hat.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, dieses Denkmal verbindet für uns Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Es steht zugleich für eine besondere, aus dem Holocaust resultierende Verantwortung für die Sinti und Roma in Deutschland und in Europa. Untrennbar damit verknüpft ist der eindeutige Auftrag an Politik und Gesellschaft, künftig die Rechte unserer Minderheit zu wahren und ihre und Würde und Sicherheit zu garantieren.

Wir verbinden mit diesem Denkmal die Hoffnung, dass der Holocaust an den Sinti und Roma Teil des historischen Gedächtnisses unseres Landes wird. Dass es in Deutschland für alle Menschen eine gemeinsame Kultur der Humanität und der gegenseitigen Anerkennung gibt, in der die Würde des Menschen, wie es unsere Verfassung verspricht, der höchste Maßstab jeglichen Handelns ist.

Romani Rose

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