1943-2013: Auschwitzreise Fotobericht

März 2013 - Besuch in Auschwitz-Birkenau

Reise des "AK Sinti/Roma und Kirchen in BW" nach Auschwitz
Fotobericht  -  G. Köllner

(Quelle: Fotostrecke für ems-homepage)

In Bildern:
70 Jahre Deportationen von Sinti und Roma aus dem heutigen Baden-Württemberg:
Eine Reise nach Auschwitz des AK Sinti/Roma und Kirchen und Veranstaltungen im März 2013 



Der Eingang zum Stammlager Auschwitz I. Auschwitz ist der Inbegriff eines deutschen Vernichtungslagers der Nazizeit. Zum Gedenken an die Deportationen von Sinti und Roma vor 70 Jahren hat der „AK Sinti/Roma und Kirchen in Baden-Württemberg“ vom 18. – 22.März 2013 eine Reise hierher organisiert, an der insgesamt 32 Personen teilgenommen haben. Im Block 13 hier im Stammlager wird eine Dauerausstellung zum Genozid an den europäischen Sinti und Roma gezeigt.

Mitglieder der Reisegruppe nähern sich am 3. Reisetag dem Zugang zum Lager Auschwitz II – Birkenau. Dieses Lager war sowohl Arbeitslager wie auch zur systematischen Ermordung möglichst vieler Menschen errichtet. Züge brachten Gefangene aus allen von Deutschland besetzten Gebieten ab 1941 hierher. Arbeitsfähige mussten in Industriebetrieben oder Bergwerken schuften, alle anderen haben nicht oder nur kurz überlebt. 234 Deportierte kamen im März 1943 aus Stuttgart hier an.

Ein Blick über das ehemalige „Zigeunerlager“ in Auschwitz-Birkenau. Das ist ein kleiner, durch stromleitenden Stacheldraht begrenzter Teil des Lagers. Ungefähr 23.000 Sinti und Roma haben hier gelebt, von denen knapp 20.000 ermordet wurden. Von den ursprünglichen Holzbaracken sind heute nur noch die Reste von Fundamenten und Kaminen zu sehen. Hier im sogenannten „Zigeunerlager“ hatte auch der Lagerarzt Josef Mengele seinen „Arbeitsplatz“, viele Sinti und Roma mussten seine „medizinischen Experimente“ mit großem Leiden oder dem Tod bezahlen.

Reiseteilnehmerinnen und –teilnehmer vor dem Mahnmal für die ermordeten Sinti und Roma im ehemaligen „Zigeunerlager“ in Auschwitz-Birkenau. Im August 1944 wurde dieses Lager „aufgelöst“ und alle verbleibenden Alten, Kranken und Kinder in der Nacht vom 2. Auf den 3. August 1944 in den Gaskammern ermordet. Arbeitsfähige Männer und Frauen waren bereits zuvor in andere Konzentrationslager verbracht worden. Hier treffen sich alljährlich im August Überlebende und Nachfahren und gedenken ihrer hier gefangen gehaltenen und ermordeten Angehörigen.

Am 15. März 1943 wurden 234 Sinti und Roma aus dem heutigen Baden-Württemberg nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Nahezu die Hälfte dieser Deportierten waren Kinder unter 16 Jahren. Nur wenige von ihnen haben überlebt. Ihr Zug verließ Stuttgart von den Gleisen an der heutigen Gedenkstätte „Zeichen der Erinnerung“ am Südrand des Pragfriedhofs. Am 70. Jahrestag fand hier am 15. März 2013 ab 13.30 Uhr eine Gedenkveranstaltung mit ungefähr 150 Teilnehmenden statt.


Am 15. März 2013 fand ab 15 Uhr in der Domkirche St. Eberhard ein ökumenischer Gedenk-Gottesdienst mit Bischof Dr. Gebhard Fürst von der Diözese Rottenburg-Stuttgart sowie Bischof Dr. Ulrich Fischer von der Landeskirche Baden statt. Weiße Rosen mit den Namen aller 234 Deportierten, die am Ende des Gottesdienstes an die Teilnehmenden verteilt wurden, erinnerten an jeden Einzelnen der vor 70 Jahre Deportierten.

Ebenfalls am 15. März 2013 hat ab 16.30 Uhr die Landesregierung Baden-Württemberg zu einem Empfang im Neuen Schloss in Stuttgart anlässlich des 70. Jahrestages der Deportationen von Sinti und Roma eingeladen. Redner waren u.a. Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Daniel Strauss, der Vorsitzenden des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma. Beide haben betont, dass sie an einem „unbelasteten Tag“ später in diesem Jahr einen gemeinsamen Staatsvertrag unterzeichnen möchten, zu dem die Vorbereitungen derzeit laufen. An der Gitarre war Ferenc Snétberger zu hören.


Der „AK Sinti/Roma und Kirchen in Baden-Württemberg“ wurde im Jahr 1999 gegründet. Er geht zurück auf eine Anfrage der Vereinigten Kirche Christi in Japan zur Zusammenarbeit zwischen Kirchen und Minderheiten in Deutschland. Durch das Kennenlernen der Solidaritätsarbeit für und mit Buraku in Japan, das sind Japaner, deren Vorfahren in „unreinen“ Berufen tätig waren, kam es zur Entstehung des Arbeitskreises. Bei der Feier zum 10-jährigen Bestehen am 1.Juli 2009 in Ulm haben zwei Vertreter des kirchlichen Buraku-Befreiungszentrums in Osaka, Japan ein Grußwort verlesen. Aufgrund dieser Geschichte ist der Arbeitskreis beim Verbindungsreferat Ostasien der EMS angesiedelt.

Elke Martin, Mitglied im „AK Sinti/Roma und Kirchen in Baden-Württemberg“ erläutert delegierten Vertretern des kirchlichen Buraku-Befreiungszentrums aus Japan das Kunstprojekt „Stolpersteine“, mit dem an die Ermordeten der Nazizeit erinnert wird. Die internationale Vernetzung zwischen kirchlichen Aktivitäten für und mit Buraku in Japan, Dalit in Indien und Sinti und Roma in Deutschland erlaubt die gegenseitige Unterstützung zum Beispiel bei Unterschriftensammlungen und den Informationsaustausch über konkrete Aktionen gegen Diskriminierung.
Diskriminierung kann tödlich sein, das haben wir in Auschwitz erlebt. Wir setzen uns weiterhin dafür ein, dass das nie wieder passiert und Diskriminierung überwunden wird!

Gisela Köllner

 

 

 

 

 

 

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