2018: Arbeitsstelle der Friedenskirchen - Stiftungsprofessur

Mennonitenkirche:  Arbeitsstelle Theologie der Friedenskirchen
(English Version at the end)

PRESSEERKLÄRUNG 
der Arbeitsstelle Theologie der Friedenskirchen, Universität Hamburg, 01.12.2018 
(Für Rückfragen: julia.freund@uni‐hamburg.de

Neue Stiftungsprofessur „Theologie der Friedenskirchen“ und wissen-
schaftliche Geschäftsführung an der Universität Hamburg eingerichtet 

Mit einem Akademischen Fest hat der Fachbereich Evangelische Theologie an der Universität Hamburg die Verstetigung der Arbeitsstelle Theologie der Friedenskirchen (ATF) gefeiert, die durch die Besetzung der neu eingerichteten Stiftungsprofessur durch Prof. Dr. Fernando Enns und die Einführung der wissenschaftlichen Geschäftsführung durch Pastorin Dr. Marie Anne Subklew möglich wurde.

Die Fachbereichssprecherin Professorin Martina Böhm wies in ihrer Begrüßung darauf hin, dass die bereits 2006 gegründete ATF nun „in ihre zweite Phase“ gehe. In der universitären Landschaft in Deutschland bilde sie mit ihrem Forschungsschwerpunkt ein Alleinstellungsmerkmal und sei eine willkommene Bereicherung

für den Fachbereich Evangelische Theologie.

In den Grußworten der Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden in Deutschland, Pastorin Doris Hege, sowie des Landesbischofs der Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland Gerhard Ulrich wurde jeweils die gewachsene, vertrauensvolle Beziehung zwischen Lutheranern und Mennoniten betont. Die Freistellung der Pastorin Subklew durch die Nordkirche an die Mennoniten und deren Delegation an die ATF in Hamburg sei mehr als nur ein sichtbares Zeichen der Versöhnung zwischen beiden Traditionen. Weiterführende Impulse, gerade im Blick auf den „gemeinsamen Weg des Gerechten Friedens“ seien von der ATF zu erwarten.

Die theologischen Impulse der Friedenskirche der Mennoniten reichten international bereits weit über die eigene Kirche hinaus, betonte der Vorsitzende des „Curatorium Doopsgezind Seminarium“ an der Vrije Universität Amsterdam, Kees Blokland. Dies sei gerade in der momentanen, Konflikt beladenen Situation in Europa ein unverzichtbarer Beitrag. Blokland drückte seine Erwartung aus, dass die Kooperation zwischen den beiden Hafenstädten Hamburg und Amsterdam verstärkt werde durch die Besetzung dieses Lehrstuhls durch Fernando Enns, der seine Professur in Amsterdam (mit gleichem Themenzuschnitt) auch weiterhin wahrnehmen wird (jeweils 50%).

Fernando Enns illustrierte in seinem Kurzvortrag anhand des gelungenen Versöhnungsprozesses zwischen Lutheranern und Mennoniten die These, dass Versöhnung als Grund und Ziel der Ökumene zu gelten habe. 2010 hatten Lutheraner um Vergebung gebeten für die Gräuel an den Täuferinnen und Täufern im 16. Jahrhundert, zu denen auch Luther, Melanchton und Bugenhagen die Obrigkeiten aufgefordert hatten. Enns betonte, dass erst die Gabe der Versöhnung in Christus die Bitte um Vergebung, wie auch die Gewährung der Vergebung ermöglicht hätten und stellte die Frage, wie dieses Element der „Unverfügbarkeit“ im säkularen Bereich interpretiert werden könne, oder ob es sich hierbei um ein Element spezifisch theologischen Redens handele.

Der zweite Kurzvortrag, von Marie Anne Subklew, konzentrierte sich auf zeitlich näher liegende Verwerfungen. Das 2017 verabschiedete Bußwort der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, in dem die eigenen Verstrickungen in den SED-Staat als Schuld bekannt werden, sei ein erster Schritt auf einem Weg, als dessen Ziel im besten Fall die Versöhnung noch ausstehe. Subklew zeigte anhand von biographischen Zeugnissen eindrücklich, dass die Not der damals geflohenen Pastoren, die bisher nicht ausgesprochene Bitte um Vergebung vonseiten der Kirchen in Ost und West und das Bemühen um Versöhnung ein genuines Bewährungsfeld theologisch-ethischer Reflexion sei.

Das anschließende, interdisziplinär besetzte Podium, wurde von der wissenschaftlichen Mitarbeiterin der ATF, Julia Freund, hervorragend moderiert. Die Direktorin des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg, Professorin Ursula Schröder, stellte fest, dass es offensichtlich eine große Schnittmenge zwischen der Beschreibung von Versöhnungsprozessen in der Politikwissenschaft und in der Theologie gebe, so dass ein interdisziplinäres Lernen hier angezeigt sei. Versöhnung bleibe aber immer ein gefährdeter Prozess, der unter veränderten politischen Verhältnissen auch wieder brüchig werden könne. Als Beispiel nannte sie den Konflikt in Nordirland, in dem gerade die ökumenische Dimension von großer Tragweite sei.

Der Psychologe Professor Alexander Redlich wies, ebenso wie Bischof Ulrich, darauf hin, dass die unterschiedlichen Narrative einer gemeinsam erlebten, schmerzvollen Geschichte zunächst ausgehalten werden müssten, bevor ein gemeinsames Neues entstehen könne. „Gerade in diesen Zeiten, in denen die Welt aus den Fugen geraten ist, in denen per Twitter regiert wird und in denen Fakten keine Rolle zu spielen scheinen, dafür aber die Lüge hoffähig und politisch korrekt scheint, brauchen wir den Mut zur Wahrheit und Differenzierung und die fachübergreifende Forschung zu Versöhnung“, betonte Landesbischof Ulrich.

Das akademische Fest im wunderschönen Lichthof der Staats- und Universitätsbibliothek wurde angemessen umrahmt von Flöten- und Harfenmusik durch Gwendolyn Lichdi und Sophia Whitson.

Am darauf folgenden Tag tagte das Kuratorium der „Arbeitsstelle Theologie der Friedenskirchen“. Der Vorsitzende, Prof. Dr. Wolfram Weiße, ehemaliger Direktor der Akademie der Weltreligionen, wurde mit großem Dank für alle Unterstützung verabschiedet. Als Nachfolger wurde Bernhard Thiessen, vormaliger Pastor der Mennonitengemeinde Hamburg-Altona, gewählt. Die Mitglieder dieses beratenden Gremiums werden von der Förderstiftung der Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden in Deutschland benannt.

 

Fotos: Matthias Bartel
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