NCC Japan: Massaker in Nanjing

 

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 „Es gab in der Geschichte kein Massaker von Nanjing"

der Oberbürgermeister von Nagoya, Kawamura

 

Offener Brief 

Ausschuss für die Problematik des Yasukuni-Schreins beim Japanischen Christenrat (NCCJ)
Vorsitzender: Minoru ZUSHI

Nishi-Waseda 2-3-18-24
Shinjuku-ku
Tokyo, Japan

22. März 2012

An den Bürgermeister der Stadt Nagoya, Herrn Takashi KAWAMURA

Über Ihre Äußerung (Protest)

Am 20. Februar erklärten Sie „Es gab in der Geschichte kein Massaker von Nanjing". Danach tätigten Sie auf einer Pressekonferenz folgende Äußerungen:

- Über meine Aussage „den sogenannte Nanjing-Vorfall gab es womöglich gar nicht" wurde berichtet. „Er trug die Ansicht vor, es habe kein Nanjing-Massaker gegeben." Das wirkte so als hätte ich behauptet, in Nanjing sei überhaupt nichts vorgefallen.

- Mit der Aussage „den sogenannte Nanjing-Vorfall gab es womöglich gar nicht" meinte ich, dass ein systematischer Massemord mit der symbolischen Opferzahl von 300.000 wahrscheinlich nicht stattgefunden hat.

- Da es aber unpassend wäre, der Delegation aus Nanjing gegenüber unverblümt von einem „Massaker an 300.000 Menschen" zu sprechen, bediente ich mich der Formulierung „sogenannter Nanjing-Vorfall".

- Da ich nicht glaube, dass die japanische Armee 300.000 unbewaffnete chinesische Zivilisten getötet hat, werde ich die Aussage „den sogenannten Nanking-Vorfall gab es womöglich gar nicht" nicht zurücknehmen. Ich wünsche mir eine offene Diskussion jenseits vorgefasster Standpunkte

Auf Nachfrage erklärten Sie „Ich habe nicht behauptet, dass nichts Bedauernswertes geschehen sei. Es gab beklagenswerte Vorfälle im Zuge der Kampfhandlungen." und weiter „Es gab keine systematische Massentötung an unbewaffneten Stadtbewohnern". Als Grundlage für Ihre Behauptung, ein systematischer Massenmord habe nicht stattgefunden; führten Sie die Erzählungen ihres Vaters an, der sich damals als Teil der Armee in Nanjing aufhielt: „Mein Vater konnte dank der freundlichen Bewirtung der Menschen von Nanjing schnell und gesund heimkehren und so kam ich auf die Welt." Von Ihrem Vater, der selbst vor Ort war; hätten Sie nie von einem Massaker gehört, so Ihre Begründung.

Man kann nicht umhin, Ihre Erklärung als logisch fehlerhaft zu bezeichnen. Schließlich ist die Stadt Nanjing so groß, dass Ihr Vater dort stationiert gewesen sein könnte, ohne selbst Zeuge des Massakers zu werden. Und selbst wenn er es gesehen hätte, mag er dies aufgrund der schieren Grausamkeit verschwiegen haben. Zu behaupten, das Massaker könne nicht passiert sein, weil der eigene Vater es nicht gesehen habe, ist eine absurde Argumentation. Im Gegenteil: Die historische Forschung auf japanisch—chinesischer Seite macht zwar unterschiedliche Angaben über die Zahl der Opfer, sieht es jedoch als sicher an, dass ein systematisches Massaker begangen wurde.

Selbst im Votum des Richters Radhabinod Pal vom Internationalen Militärgerichtshof für den Fernen Osten (Tokyoter Prozesse), an den ein Gedenkstein auf dem Gelände des Yasukuni-Schreins erinnert, heißt es. „Auch wenn man der Propaganda und den Übertreibungen Rechnung trägt, spricht eine erdrückende Beweislast dafür, dass die japanische Armee diese Grausamkeiten an der Zivilbevölkerung der von ihr besetzten Gebiete sowie an Kriegsgefangenen verübt hat."

Wir fordern Sie im Namen der japanisch-chinesischen Freundschaft dazu auf, Ihre Äußerungen unverzüglich zurückzunehmen und sich hierfür zu entschuldigen.

Übersetzung: Nikolas Scheuer, Berliner Missionswerk

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