LEE Hangyeore in Weingarten - 2008-2009

Partnerschaft Weingarten (Baden) - Jumin-Gemeinde (Korea)
Ökumenisches Freiwilligenprogramm der EMS

LEE Hangyeore, 2009

LEE Hangyeore, 22jähriger Student aus der Jumin-Gemeinde, lebte von August 2008 bis Februar 2009 in Weingarten. Er wohnte bei verschiedenen Gastfamilien und absolvierte Praktika in sozialen Einrichtungen in Weingarten und Umgebung: zunächst im Martinshaus in Berghausen, danach in einem Kindergarten in Weingarten und schließlich im Hohberghaus in Bretten.
Jeden Vormittag besuchte er einen Sprachkurs für Deutsch in Karlsruhe.

Am 14. September 2008 wurde LEE Hangyeore im Gottesdienst in der Evangelischen Kirche von Gemeindediakon Eberhard Blauth gesegnet, offiziell begrüßt und vorgestellt, besser gesagt, er hat sich selbst vorgestellt, und das auf Deutsch!

beim AbschiedAm 2. Februar 2009 wurde er im Gottesdienst offiziell verabschiedet, und beim gemeinsamen Mittagessen nach dem Gottesdienst im Gemeindehaus hatte die ganze Gemeinde Gelegenheit, sich persönlich von ihm zu verabschieden. (Foto: beim Abschied)

Hangyeore selbst berichtete im Gottesdienst sehr eindrücklich und bewegend über seine Zeit und die Erfahrungen, die er hier gemacht hatte und zeigte ein paar Bilder.

 



Der Abschlussbericht aus dem Abschiedsgottesdienst
am 1. Februar 2009, Evangelische Kirche Weingarten.



LEE Hangyeore


Bevor ich nach Deutschland gekommen bin, hatte ich folgende Erwartungen: Ich wollte eine Kultur kennen lernen, in der viele Menschen großen Wert auf Planen und Pünktlichkeit legen. Außerdem wollte ich Deutsch lernen, ein Spiel von der Bundesliga sehen und gutes Bier trinken. Jetzt weiß ich: Deutsche planen immer gut und das Bier schmeckt sehr gut, aber das ist nicht alles. Die Leute hier sind auf der einen Seite ernst, aber auf der anderen lustig. Ihre Pläne sind immer gut, weil sie sich überlegen, was das Beste wäre.

Während meiner Zeit in Deutschland habe ich in drei sozialen Einrichtungen gearbeitet: als erstes war ich im Martinshaus in Berghausen, wo Menschen mit einer geistigen Behinderung zusammen leben. Davor war ich sehr aufgeregt, weil dies meine erste Arbeitsstelle war und ich vorher noch nie Erfahrungen mit Menschen mit einer Behinderung gemacht hatte. Deswegen hatte ich mir überlegt, was ich dort machen könnte und wie ich ihnen helfen könnte. Aber nachdem ich angefangen hatte, dort zu arbeiten, merkte ich, dass Erfahrung und Kenntnis nicht so wichtig sind, sondern viel mehr die Liebe zu den Menschen. Sie brauchen gar nicht meine Hilfe. Jeden Tag, wenn ich ins Martinshaus gekommen bin, haben mich die Menschen dort so herzlich begrüßt. Das hat mir immer wieder neue Energie gegeben. Eine Mitarbeiterin hat einmal gesagt, dass sie nicht hart für die Bewohner dort arbeiten, sondern, dass sie in diesem Haus zusammenleben. Auch ich habe mit ihnen zusammen gesessen, mit ihnen Spiele gespielt oder wir sind zusammen spazieren gegangen. Das war nicht schwierig. Über die Menschen nachzudenken und kleine Dinge mit ihnen zu erleben, kann viel Kraft geben, das habe ich gelernt.



Im Kindergarten
im Kindergarten
Meine zweite Arbeitsstelle war der Kindergarten Waldbrücke. Mit den Kindern habe ich Fußball gespielt und habe den Nikolaustag und den Sankt Martinsumzug miterlebt. Ich habe einen großen Unterschied zwischen Kindergärten in Korea und in Deutschland festgestellt. In Korea haben die Kinder viel mehr Unterricht wie: Englisch, Musik, Koreanisch, Chinesisch und Naturwissenschaften, weil Kinder leichter Fremdsprachen und Musik lernen. In Korea wird zu viel von denjenigen Kindern, die vor allem spielen möchten, verlangt. Der Kindergarten in Deutschland hingegen gibt den Kindern viel Freiheit. Eine Mischung aus beiden Kindergärten fände gut. Wenn Kinder sich gestritten haben, konnte ich nicht helfen. Das war schwierig für mich. Aber an einem Tag hat mir eine Mutter eines Kindes erzählt, dass ihre Tochter zu Hause nachgeschaut hatte, wo Korea liegt. Das hat mich sehr gefreut und hat mich sehr ermutigt.


Im Hohberghaus
im Altenpflegeheim
Meine letzte Arbeitsstelle war das Hohberghaus in Bretten, wo Jugendliche mit verschiedenen Schwierigkeiten hinkommen. In der Tagesgruppe 10, in der ich war, sind sieben Jugendliche zwischen zwölf und 15 Jahren. Mit den Jugendlichen zu arbeiten, hat mir keine Schwierigkeiten gemacht. Bei der Wanderung, beim Sport und bei allem was wir zusammen gemacht haben, hatten wir viel Spaß. Ich habe gehört, warum die Jugendlichen ins Hohberghaus kommen. Jeder ist in einer schwierigen Situation. Aber die Jugendlichen, die ich während meinen drei Wochen gesehen habe, waren alle fröhlich. Die Jugendlichen bleiben nicht immer im Hohberghaus, da sie dann nach der 9. Klasse entweder eine Ausbildung machen oder auf die Realschule gehen. Während ihrer Zeit im Hohberghaus ist es wichtig, dass die Jugendlichen gut behandelt werden und zur Selbstständigkeit erzogen werden. Ich konnte sehen, dass die Erzieher darüber viel nachdenken und sich viel Mühe geben. Während meiner Zeit dort konnte ich viele positive Entwicklungen sehen.

Mehrere Male war ich bei einem Seminar vom EMS. Dort habe ich zum einen die Arbeit des Missionswerkes kennen gelernt und zum anderen konnte ich mich mit anderen Freiwilligen aus anderen Ländern austauschen. Es war interessant zu sehen, wie viele verschiedene Meinungen es über ein einziges Thema gibt.


Beim CVJM-Sport
beim Sport
Das alltägliche Leben hat mir in Weingarten das ganze halbe Jahr gefallen. Ich habe viele Erfahrungen gemacht: Gottesdienste, Hochzeit, Beerdigung, Geburtstag, Weihnachten, Silvester, Schule, Jungschar, Konfirmandenfreizeit, CVJM Sport, Christbaumsammelaktion und Kirchenchor. Das Konzert mit dem Kirchenchor am ersten Advent war die schönste Erfahrung. Bei allem, was ich mit den Menschen aus Weingarten gemacht habe, dachte ich, dass wir mit Gott leben. Obwohl am Sonntagmorgen nicht so viele Leute in den Gottesdienst kommen, gibt es innerhalb der Gemeinde viele Gruppen. Dort werden immer Andachten gehalten, zusammen in der Bibel gelesen und gemeinsam gebetet. Sogar im Sport und bei der Silvesterparty. Es gab nicht eine Schwierigkeit für mich. Alles war perfekt vorbereitet. Leider werde ich jetzt bald nach Korea gehen. Ich habe hier in einem Land gelebt, in dem es, meiner Meinung nach, nicht viele Schwierigkeiten gibt. Meine Arbeit war nicht schwierig. Wichtig ist, was ich ab jetzt machen werde: ich werde nicht nur für mich leben, sondern um mich herum schauen und das tun, was ich hier gesehen und erkannt habe.


Abschiedsfest
Vielen Dank an alle Leute vom Martinshaus, Kindergarten und Hohberghaus, dafür, dass ich dort arbeiten durfte. Vielen Dank an alle Gastfamilien, die gut für mich gekocht haben, mir ein schönes Zimmer gegeben haben und mich immer liebevoll umsorgt haben. Wenn ich an die Zukunft unserer Partnerschaft denke, bin ich immer glücklich. Die Arbeit, die wir wunderschön zusammen machen, ist immer spannend. Und ich freue mich, dass ich zu dieser Partnerschaft gehöre. Ich bete dafür, dass unsere Partnerschaft ewig besteht. Vielen Dank.

Partnerschaften

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zwischen Gemeinden

Derzeit gibt es Partnerschaften zwischen einer deutschen Kirchengemeinde und einer Kirchengemeinde in Ostasien u. W. nur eine funktionierende: die zwischen Weingarten/Baden und Jumin-Church in Songnam, Südkorea.

jumin logoJumin-Kirche

regionale Partnerschaften

Unseres Wissens gibt es hiervon im südwestdeutschen Raum drei Partnerschaften:
1. Region Nordbaden, d.i. Heidelberg, Lützelsachsen und Weinheim mit drei Kirchengemeinden in Südkorea
2. Region Pfalz: d.i. die Evang. Kirche der Pfalz unterhält zum Kirchenbezirk Yongdongpo in Seoul enge Beziehungen
3. Region Südhessen: d.i. der Bezirk Süd-Starkenburg unterhält eine Partnerschaft zum Kirchenbezirk Kwangju in Südkorea.