Dt.-Jap. Kirchenkonsultation 2013 - Alternde Gesellschaft

Dt.-Jap. Kirchenkonsultaion 2013 in Hamburg
12. - 15. Februar 2013
Evang. Missionsakademie Hamburg 


6. Deutsch-Japanische Kirchenkonsultation

Alternde Gesellschaft in Deutschland- die diakonische Herausforderung

Maren von der Heyde

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Alternde Gesellschaft - Was bedeutet das nun für uns als Kirchen?

„Nachdem über viele Jahre verlust- und defizitorientierte Altersbilder im Vordergrund standen“, schreibt die Orientierungshilfe der EKD, „wird derzeit ein aktives und leistungsorientiertes Altersbild betont.“5 Damit deuten sich auch für die Kirchen neue Aufgaben an. Denn obwohl die Bibel viele positive Bilder vom Alter zeichnet, ist das Alter auch in den Kirchen eher von Verlust und Weniger-Werden geprägt. Eine Umfrage unter Pastoren hat ergeben, dass sie sich von ihrem eigenen Alter lieber kein Bild machen wollten.

Nun wird es darauf ankommen die vielen verschiedenen Facetten und Gesichter des Lebens auch im Alter sichtbar zu machen und zu begreifen, was es bedeuten kann, dass wir in jedem Alter neu werden, auch wenn wir runzlig werden. Denn im Unterschied zu einer Sicht, die das Alter als neue Leistungsschau begreift, muss es uns in den Kirchen darum gehen, deutlich zu machen, dass Menschen immer im Werden und in Bewegung sind solange sie leben. Der Glaube weiß, dass wir immer auf andere angewiesen sein werden.
Das Vermögen oder Unvermögen etwas zu tun entscheidet sich darum nicht an der Frage wie selbstbestimmt ein Mensch noch sein Leben führt. Die höhere Verletzlichkeit des älteren
Menschen schließlich kann auch als eine besondere Gabe begriffen werden. Sie führt uns deutlich vor Augen, dass wir immer zugleich Gebende und Empfangende sind. Sie kann uns
hoffentlich auch milde stimmen. Das Alter bekommt damit auch eine höhere Autorität.

Wir kennen auch heute solche Ausnahmegestalten, die gerade aufgrund ihres Alters und ihrer Erfahrung und Sensibilität eine besondere Autorität verliehen bekommen. Dafür müssen wir aber schon jetzt bereit sein unserer Verletzlichkeit einen anderen Wert zu geben. Autonomie darf nicht das einzig erstrebenswerte Ziel bleiben.

In diesen Dingen ist für mich immer wieder Henning Scherf ein Vorbild. Er war über zwanzig Jahre lang Bürgermeister in Bremen und damit Ministerpräsident eines sehr kleinen Stadtstaates. Heute lebt er in einer Wohngemeinschaft, in der auch er neue Aufgaben übernommen hat. Oder ich denke an Heiner Geißler, lange Zeit Generalsekretär der CDU, ein Politiker, dessen Partei ich nicht gewählt hätte. Er nutzt seine Erfahrung, um sich neben junge Menschen zu stellen, die gegen den Turbokapitalismus protestieren und den Mächtigen sagen was hier schief läuft.

Auch die Bibel kennt Gestalten, die alt und dabei weise wurden. Ich denke an Simeon und Hanna, die in dem kleinen Kind den Messias erkennen oder an Abraham, der mit seiner Frau Sara den Wunsch nach einem gemeinsamen Kind schon aufgegeben hatte. Nicht immer muss das faktische Alter sehr hoch gewesen sein. Aber in der ehrfürchtigen Nennung von vielen Jahren spiegelt sich auch das Staunen darüber, dass uns Menschen ein langes Leben geschenkt ist, das immer wieder neu werden kann. In dem Staunen wiederum wird auch das Wissen darum spürbar, dass unser Leben begrenzt ist.

Es gilt also auch heute andere Bilder vom Alter zu entwerfen, die uns angemessen sind. Wir brauchen einen neuen Pflegebegriff, der über die medizinische Pflege hinaus geht und müssen als Kirchen dafür eintreten. Es gilt Wohnformen zu entwickeln, die eine pflegende Umgebung mit der Möglichkeit verbinden, selbst gewählte Aufgaben zu übernehmen, die Menschen jeden Alters zusammen führen. Und wir brauchen geeignete Instrumente, um Menschen, die einwandern zu integrieren, damit sie hier heimisch werden und arbeiten wollen. Für all das setzen sich die Kirchen ein. Nur leider ist gerade in Bezug auf eine aktive Migrationspolitik noch vieles sehr im Argen.

Alternde Gesellschaft: Wie geht die Gesellschaft damit um?

Parallel zur inneren Neuausrichtung der Kirchen im Verhältnis zum Alter gibt es eine heftige gesellschaftliche Debatte um die Frage, was das Alter kosten darf. Das ist eine ethisch höchst anfechtbare Frage.

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Nehmen wir unser Selbstverständnis als Kirche ernst, brauchen wir eine Entwicklung hin zu einer demenzsensiblen Kirche, die im Umgang mit dem Thema Demenz für andere gesellschaftliche Gruppen zugleich eine Vorbildfunktion hat indem sie

 Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen nicht ausgrenzt sondern mitten in das Gemeindeleben hinein nimmt
 durch ihr Handeln die Weggemeinschaft gegen Vereinsamung, Angst und Resignation erlebbar und erfahrbar macht
 nicht darauf angewiesen ist, sich von betroffenen Menschen und deren Familien zu
„befreien“, indem sie sie auf ihr Kranksein reduziert und an „Experten“ und
„Facheinrichtungen“ verweist („Morgen hat wieder die Beratungsstelle geöffnet“)
 die Vielfältigkeit des Menschseins als Bereicherung versteht und weiß, dass Segregation als Dauererfahrung nicht der menschlichen Existenz entspricht
 für Verunsicherungen offen ist und diese als Ressource und Antrieb für notwendige Veränderungsprozesse sieht.

Seit gut zehn Jahren gibt es darum hier in diesem Teil Hamburgs ein Lotsenbüro. Es bietet Angehörigen von Menschen, die an Demenz erkrankt sind, Rat und Hilfe, Aufklärung und ein eigenes Angebot sich ehrenamtlich zu betätigen. Der Druck auf diese Stelle ist in den vergangenen Jahren so groß geworden, dass wir aus der Honorarstelle eine feste Stelle machen mussten, ja schließlich auch konnten. Wir spüren wie sehr sich die Gesellschaft anfängt mit dem Thema zu beschäftigen. Ich bin sehr froh, dass es diese Initiative schon so lange gibt. So sind wir schon auf dem Weg.

 

 

 

 

 

 

 

 

Konsultationen

Zur Chronologie der Beziehungen:
DOAM und Tokyo / Tomisaka 

1945

Pfarrer Dr. Liemar Hennig in Kyoto, Pfarrer Theodor Jaeckel und der japanische Pfarrer FUKATSU Fumio in Tokyo.

1946

Dr. Hennig und Pfr. Jaeckel werden entlassen. Pfr. FUKATSU bleibt allein.

1952

Pfarrer Harald Oehler aus Halle wird als erster Missionar nach dem 2. Weltkrieg nach Japan entsandt. Er versteht seine Arbeit als "Pioniermission" in einer Zeit des Aufbruchs, des Suchens nach beständigen Werten in der jap. Gesellschaft. Er findet ein im Krieg weithin zerstörtes, aber in schwerer Nachkriegszeit schon wieder im Aufbau befindliches Tomisaka vor. Pfarrer FUKATSU Fumio hatte über Krieg und Nachkriegszeit alle Kraft zur Erhaltung des Besitzes verwendet. Ein Jahr später,

1953

wurde Pfr. Fukatsu entlassen, der sich dann zur Diakonie hin orientierte und das große Diakoniewerk "Kanita-no-Mura" in Tateyama, Chiba-Ken aufbaute.

1957

kam Superintendent Alfred Schmidt nach Tokyo um den Aufbau einer Akademiearbeit nach deutschem Vorbild in Japan voranzutreiben. Bis 1959 geschah dies in Zusammenarbeit mit der DOAM, danach machte sich die Akademiearbeit selbständig.

1961

kamen Pfr. Heyo Hamer und Pfr. Norbert Klein nach Tokyo. Letzterer arbeitete von 1962-1965 in der Akademie. Pfr. Hamer ging nach dem Studium in eine neue Arbeit nach Fukuoka bis 1968. Dort arbeiette er eng zusammen mit Prof. TAKIZAWA Katsumi von der Kyushu-Universität.

1965

wurde Pfr. Günter Dressler nach Japan entsandt, um die Nachfolge von Pfr. Oehler anzutreten. Er kehrte 1975 aus Japan zurück. Im gleichen Jahr,

1975

wurde Pfr. Schneiss im Auftrag des EMS (und DOAM) in den Dienst der Vereinigten Kirche Christi in Japan (Kyodan) nach Japan ausgesandt.

 

Die japanischen Mitarbeiter

1887

Gründung der Kamitomisaka-Gemeinde

1937-1954

Pfarrer Fukatsu Fumio

1954-1967

Pfarrer Matsumoto

1967-1984

Pfarrer Bitoh Shunichi

1985-1998

Pfarrer Ishimaru Yasuki
(Pfr. Ishimarui versieht weiterhin die Pfarrstelle)