Dt.-Jap. Kirchenkonsultation 2013 - Kommuniqué

Dt.-Jap. Kirchenkonsultation 2013 in Hamburg
12. - 15. Februar 2013
Evang. Missionsakademie Hamburg 


6. Deutsch-Japanische Kirchenkonsultation

Kommuniqué

Einleitung:

Vom 12.-15. Februar 2013 hat in den Räumen der Evangelischen Missionsakademie in
Hamburg die 6. Deutsch-japanische Kirchenkonsultation stattgefunden.

Zur japanischen Kirchendelegation unter der Leitung von Rev. Makoto Watabe, 
stellvertretender Moderator des NCCJ, gehörten die Generalsekretärin des National
Christian Council in Japan (NCCJ) Rev. Shoko Aminaka, die Vorsitzende des
Deutschlandausschusses des NCCJ Professorin Junko Kikuchi, Rev. Noboru Aiga (UCCJ),
Rev. Baekki Heo (KCCJ), Rev. Myeung Saeng Lee (JELC), Rev. Shingo Naito (JELC), Frau
Michiko Narimatsu (UCCJ), Frau Reiko Nishimoto (YWCA), Direktor Nobuyuki Sato (UCCJ),
Rev. Makito Suzuki (JBC)..

Zur deutschen Kirchendelegation unter der Leitung des Vorstandsvorsitzenden des 
Evangelischen Missionswerks (EMW) Bischof Jan Janssen und Herrn Uwe Michelsen,
Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gehörten der Direktor
des EMW Pfarrer Christoph Anders, Superintendentin Ute Kannemann (Evangelische Kirche
im Rheinland), Frau Cornelia Wolf (Evangelische Landeskirche in Württemberg) Pfarrer Dr.
Christof Theilemann (Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg und schlesische Oberlausitz),
OLKR i.R. Peter Kollmar (Vorsitzender der Ostasienkommission des EMW), Pfarrer i.R.
Hartmut Albruschat (Vorsitzender der Deutschen Ostasienmission), Professor Ulrich Dehn
(Universität Hamburg) und für die Evangelische Mission in Solidarität der
Verbindungsreferent Herr Lutz Drescher.

Für den Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund (SEK) hat Pfarrer Serge Fornerod an 
der Konsultation mitgewirkt.

Weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Gäste und Mitwirkende sind auf der beigefügten 
Teilnehmerliste aufgeführt.

Seit der letzten Konsultation, die vor 10 Jahren (16.-20.09.2003) in Ranzan in Japan 
abgehalten wurde, haben sich die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in beiden
Ländern trotz der weltweiten Finanzkrise von 2008 nicht wesentlich verändert. Die
Herausforderungen, die aus gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen für die Kirchen
erwachsen, sind in diesem Zeitraum jedoch deutlicher in Erscheinung getreten. Hierzu
gehören die demographische Entwicklung (Überalterung) und die Auswirkungen der
Einwanderung (Migration) in beiden Ländern.

Für alle Menschen in Japan stellt jedoch die Dreifachkatastrophe vom 11. März 2011 ein Ereignis dar, das alle Bereiche des Lebens zutiefst berührt hat und völlig neue Herausforderungen hervorgebracht hat. Auch in anderen Ländern hat diese Katastrophe eine Neubesinnung bezüglich der Nutzung von Atomenergie ausgelöst.


Verlauf:

Nach der geistlichen Eröffnung und Begrüßung durch Bischof Jan Janssen (Evang.-
lutherische Kirche in Oldenburg) gab Gerhard Ulrich Bischof der gastgebenden Evang.-
lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) eine Einführung in die Situation der
Kirche in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der Unterschiede zwischen Ost
und West.

Am Nachmittag des ersten Tages der Konsultation (12.2.) stellte Pfarrer Baekki Heo die 
Situation der koreanischen Minderheit und das Engagement koreanischer Gemeinden im
Zusammenhang mit der Katastrophe vom 11. März 2011 dar. Er wies jedoch auch auf einen
Mangel an Entschlossenheit und mangelnde Fähigkeit zur Zusammenarbeit der christlichen
Kirchen in Japan angesichts der großen Notsituation hin. Er beklagte das Aufleben
ausländerfeindlicher Tendenzen in der japanischen Gesellschaft.

Der zweite Tag (13.2.) stand ganz unter dem Thema „Migration“. Nach einer einleitenden 
Bibelarbeit des Direktors des Evangelischen Missionswerks (EMW), Pfarrer Christoph
Anders, führte Pastorin Martina Severin-Kaiser aus, welche Veränderungen und
Herausforderungen die Einwanderung für die deutsche Gesellschaft und für die großen
christlichen Kirchen bedeutet. Besonders in Großstädten wie Hamburg gelte es das
Miteinander zahlreicher christlicher Gemeinden anderer Sprache, Konfession und spiritueller
Prägung zu gestalten und sich auch den anderen Religionen zuzuwenden, die in der
Öffentlichkeit an Bedeutung gewinnen.

Während einer Exkursion konnte Pastorin Severin-Kaiser zeigen, wie die Präsenz von 
Christen aus anderen Ländern und Kulturen von der lutherischen Landeskirche positiv
wahrgenommen und auch unterstützt wird. Zur Situation in Hamburg gehört auch, dass
Kirchengebäude der lutherischen Landeskirche jetzt von anderen christlichen Kirchen
genutzt werden.

Die besondere Notlage von Ausländern nach der Katastrophe in der Tohoku (Nordost)-
Region wurde in einem Vortrag von Herrn Nobuyuki Sato verdeutlicht. Es handelt sich häufig
um Frauen aus China, den Philippinen oder Korea, die mit Japanern verheiratet sind. Die
japanischen Kirchen sehen sich in der Pflicht, diesen Menschen besonders zu helfen, wobei
vor allem Sprachunterricht und Berufsausbildung angeboten werden.

Am dritten Tag (14.2.) befasste sich die Konsultation vormittags mit der Tatsache, dass 
sowohl in Japan als auch in Deutschland durch die geringe Geburtenrate ein Prozess der
Überalterung der Gesellschaft eingesetzt hat. Pastorin Maren von der Heyde,
Diakoniebeauftragte des Kirchenkreises beschrieb die Bemühungen der EKD, das
Phänomen der längeren Lebenserwartung als Chance für die Kirche zu begreifen. Für die
Kirche gelte es, sich der diakonischen Herausforderung in der Pflege zu stellen und
insbesondere für Demenzkranke und ihre Angehörigen Angebote bereitzuhalten.

Frau Reiko Nishimoto vom YWCA brachte die Stimmen betroffener Menschen aus der 
Präfektur Fukushima zu Gehör. Sie schilderte, wie sie mit ihrer schwierigen Situation
umgehen. Viele bedürfen der Hilfe, andere sind aber auch mutiger, kritischer und
selbstbewusster geworden. Sie berichtete über eine diakonische Initiative , die darauf abzielt,
Familien mit Kindern Ferienaufenthalte in anderen Landesteilen zu ermöglichen (Second
House Programm) und dass langfristig die Begleitung der von der radioaktiven Strahlung
betroffenen Menschen erfolgen soll..

Am Nachmittag stand die missionarische Herausforderung thematisch im Mittelpunkt. Nach
einer theologischen Hinführung durch Pfarrer Christoph Anders, trug Pfarrer Naito vor, wie die japanischen Kirchen als kleine religiöse Minderheit zur Stimme des Protestes gegen Atomkraft geworden sind. Seit 1993 beteiligen sie sich an einem interreligiösen Netzwerk gegen Atomkraft. Christen seien gerade als kleine Minderheit missionarisch, wenn sie sich gegen Unrecht auflehnten. 

In seinem Vortrag stellte Pfarrer Michael Juschka aus Berlin ein Modell von Gemeindearbeit
vor, das besonders junge Familien mit kleineren Kindern anspricht. Unter den
Rahmenbedingungen der deutschen Volkskirche, könne auf diese Weise die Altersgruppe
der jungen Erwachsenen angesprochen werden, die häufig von der Kirche entfremdet sei.

Abschlusserklärung:

Mit der 6. Deutsch-japanischen Kirchenkonsultation sind wir einen Schritt vorangekommen in der Erkenntnis, dass erhöhte Aufmerksamkeit, Sensibilität und Engagement gegenüber ethnischen und religiösen Minderheiten nötig ist. Im gemeinsamen Hören auf das Zeugnis der Bibel wissen wir uns solidarisch mit Menschen, die ihre Heimat verlassen haben und in unseren Ländern ein Zuhause suchen.

Wir nehmen zur Kenntnis, dass das Leid der von der Katastrophe Betroffenen, insbesondere
der Opfer des AKW-Unfalls, der Frauen, der Kinder und der AusländerInnen noch weitergeht
und wir sind entschlossen, sie auch weiterhin zu unterstützen.

Wir haben uns daran erinnert, dass die deutsche Regierung den von der Vorgängerregierung 
beschlossenen mittelfristigen Ausstieg aus der Atomenergie zunächst rückgängig gemacht
und ihn unter dem Eindruck des Reaktorunfalls von Fukushima wieder beschlossen hat. Wir
haben uns ebenfalls daran erinnert, dass die japanische Regierung nach dem Atomunglück
zunächst die Abschaltung aller Kernkraftwerke in Japan beschlossen hat, diesen Beschluss
jedoch wieder rückgängig gemacht hat.

Die evangelischen Kirchen in Deutschland und in Japan unterstützen ausdrücklich eine
Energiepolitik, die sich endgültig von der Nutzung der Atomenergie abwendet und den
Übergang zur Nutzung erneuerbarer, nachhaltiger und sicherer Energiequellen vollzieht. Die
negativen sozialen und menschenrechtlichen Begleiterscheinungen der Atomenergienutzung
bestärken uns in dieser Überzeugung. Auch die Tatsache, dass mit der Verwendung der
Atomenergie ein unüberschaubares Gefahrenpotential an künftige Generationen
weitergegeben wird, ist für uns als Christen nicht zu verantworten.

Im Lichte der Erfahrungen, die im Zusammenhang mit der Reaktorkatastrophe von 
Fukushima gemacht wurden, erkennen wir noch klarer den Wert und die Notwendigkeit der
Beziehungen, die zwischen uns seit vielen Jahrzehnten bestehen und in Zukunft noch
verstärkt werden sollen. Wir wollen im Gebet füreinander verbunden bleiben und messen
dem Austausch von Informationen und Personen umso größere Bedeutung bei, als die
Probleme, vor denen Japan heute steht, genauso auch in jedem anderen technisch
hochentwickelten Land entstehen können.

Wir wünschen uns für die nähere Zukunft Begegnungen kleinerer Delegationen in kürzerem 
Abstand als eine Möglichkeit, die Beziehungen weiter zu vertiefen.

Wir werden die Inhalte und Ergebnisse der Konsultation in unseren jeweiligen Ländern und
in unseren Kirchen bekannt machen und dafür eintreten.


Für die japanische Delegation 

gez. Rev. Makoto Watabe
Stellv. Vorsitzender des Japanischen Nationalen Christenrats (NCCJ)


Für die deutsche Delegation

gez. Uwe Michelsen
Mitglied des Rates der EKD, Vorstandsmitglied des EMW

gez. Bischof Jan Janssen
Vorstandsvorsitzender des EMW

Das Kommuniqué - Deutsch als pdf

Das Kommuniqué - Japanisch als pdf 

 



Konsultationen

Zur Chronologie der Beziehungen:
DOAM und Tokyo / Tomisaka 

1945

Pfarrer Dr. Liemar Hennig in Kyoto, Pfarrer Theodor Jaeckel und der japanische Pfarrer FUKATSU Fumio in Tokyo.

1946

Dr. Hennig und Pfr. Jaeckel werden entlassen. Pfr. FUKATSU bleibt allein.

1952

Pfarrer Harald Oehler aus Halle wird als erster Missionar nach dem 2. Weltkrieg nach Japan entsandt. Er versteht seine Arbeit als "Pioniermission" in einer Zeit des Aufbruchs, des Suchens nach beständigen Werten in der jap. Gesellschaft. Er findet ein im Krieg weithin zerstörtes, aber in schwerer Nachkriegszeit schon wieder im Aufbau befindliches Tomisaka vor. Pfarrer FUKATSU Fumio hatte über Krieg und Nachkriegszeit alle Kraft zur Erhaltung des Besitzes verwendet. Ein Jahr später,

1953

wurde Pfr. Fukatsu entlassen, der sich dann zur Diakonie hin orientierte und das große Diakoniewerk "Kanita-no-Mura" in Tateyama, Chiba-Ken aufbaute.

1957

kam Superintendent Alfred Schmidt nach Tokyo um den Aufbau einer Akademiearbeit nach deutschem Vorbild in Japan voranzutreiben. Bis 1959 geschah dies in Zusammenarbeit mit der DOAM, danach machte sich die Akademiearbeit selbständig.

1961

kamen Pfr. Heyo Hamer und Pfr. Norbert Klein nach Tokyo. Letzterer arbeitete von 1962-1965 in der Akademie. Pfr. Hamer ging nach dem Studium in eine neue Arbeit nach Fukuoka bis 1968. Dort arbeiette er eng zusammen mit Prof. TAKIZAWA Katsumi von der Kyushu-Universität.

1965

wurde Pfr. Günter Dressler nach Japan entsandt, um die Nachfolge von Pfr. Oehler anzutreten. Er kehrte 1975 aus Japan zurück. Im gleichen Jahr,

1975

wurde Pfr. Schneiss im Auftrag des EMS (und DOAM) in den Dienst der Vereinigten Kirche Christi in Japan (Kyodan) nach Japan ausgesandt.

 

Die japanischen Mitarbeiter

1887

Gründung der Kamitomisaka-Gemeinde

1937-1954

Pfarrer Fukatsu Fumio

1954-1967

Pfarrer Matsumoto

1967-1984

Pfarrer Bitoh Shunichi

1985-1998

Pfarrer Ishimaru Yasuki
(Pfr. Ishimarui versieht weiterhin die Pfarrstelle)