Peace Train 2013 - Grußwort Michael Geier

Peace Train 2013:  8.10.-29.10.2013 Berlin-Moskau-Irkutsk-Peking-Pyongyang-Pusan

Berlin-Madang am 7. Oktober 2013
Heilandskirche Berlin und Pariser Platz
vor dem Brandenburger Tor

Hier die Berliner Erklärung zum Frieden auf der koreanischen Halbinsel (Deutsch & English)

Grußwort
Michael Geier

 

ehemals Botschaft in Nordkorea
Vors. der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft

 

Herr Landespfarrer Dr. Theilemann
Herr Oberkirchenrat Oppenheim
Herr Kim Joung-ju

Meine Damen und Herren,

vielen Dank, dass Sie mich als Vorsitzender der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft eingeladen haben, die in zwei Jahren ihren 50. Gründungstag feiern wird. Von 2003 bis 2006 war ich Deutscher Botschafter in Seoul, also zum Höhepunkt der später gescheiterten Friedenspolitik von Präsident Roh Moo-hyun gegenüber Nordkorea. Seinen frühen Tod bedaure ich sehr.
Ich möchte zum Thema deutsche und koreanische Wiedervereinigung auf einige Gemeinsamkeiten und Unterschieden hinweisen.

Vor dreiundzwanzig Jahren am 3. Oktober 1990 trat der Einigungsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik in Kraft, der ein Jahr lang nach dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 zwischen den deutschen Staaten ausgehandelt worden war. Parallel wurde der Zwei plus Vier Vertrag zwischen den vier Siegermächten des Zweiten Weltkriegs, den USA, England, Frankreich und der (noch) Sowjetunion und den beiden deutschen Staaten verhandelt, in dem Siegermächte auf ihre Vorrechte basierend auf dem Sieg über das Deutsche Reich im Jahre 1945 verzichteten und ihre Zustimmung zur Wiedervereinigung gaben. Die Ereignisse vor zwanzig Jahren und ihre Folgen wurden und werden von fast allen Deutschen als ein großes Glück und ein Geschenk der Geschichte empfunden.

Die Teilung Deutschlands war wie die Koreas Frucht des Kalten Krieges. Weder Deutschland noch Korea saßen am Verhandlungstisch, als dies besiegelt wurde. Die deutsche Teilung wurde auf der Konferenz von Jalta zwischen Roosevelt, Churchill und Stalin im Februar 1945, also kurz vor der deutschen Niederlage beschlossen. Nach den Gräueln, die die Nazidiktatur Deutschlands über ganz Europa gebracht hatte, wurde die Vier- später Zweiteilung als von vielen eine gerechte politische Bestrafung Deutschlands empfunden, als Garantie, dass kein Angriff mehr von deutschem Boden ausgehen kann. Die koreanische Bevölkerung dagegen empfindet Waffenstillstand und Teilung am 38. Breitengrad 1953 als zutiefst ungerecht: nach der langen japanischen Kolonialherrschaft büßten Koreaner erneut für politische Verhältnisse, an denen sie wenig Anteil hatten.

Die deutsche Wiedervereinigung vor zwanzig Jahren war dagegen auch Frucht der westeuropäischen und transatlantischen Einheit, von NATO und der Organisation, die wir heute Europäische Union nennen. Dies war die politische und emotionale Grundlage für die vier Siegermächte, der Wiedererstehung des größten und wirtschaftlich stärksten europäischen Staates zuzustimmen. Die deutsche Einheit und Einigung ganz Europas waren, wie es Bundeskanzler Kohl ausdrückte, zwei Seiten derselben Münze. Zum ersten Mal in der langen Geschichte ist Deutschland, das ja nicht wie Korea auf einer Halbinsel, sondern mitten in Europa mit Grenzen zu neun Staaten liegt, ausschließlich von Freunden umgeben. Korea ist dagegen die „Garnele zwischen Walen“ China, Russland und Japan. Wirklich gleichberechtigte Beziehungen Koreas mit diesen Ländern sind schwer vorstellbar.

Der deutschen Wiedervereinigung und damit dem Ende der Breschnew Doktrin waren blutig niedergeschlagene Aufstände in Ungarn 1956 und der Tschechoslowakei 1968 voraus gegangen, der friedliche Wandel Polens mit den Wahlen im Juni 1989. Für Korea würde dies bedeuten, dass politischer Wandel in China und Japan die Voraussetzung für eine koreanische Wiedervereinigung schaffen oder sie zumindest begünstigen würde. Davon ist in China wenig zu spüren.

Schließlich: die deutsche Wiedervereinigung ist vor allem Deutschen in der DDR zu verdanken, zuerst einigen mutigen Dissidenten, dann aber vielen DDR-Bürgern, die sich spontan vor den Kirchen und um „runde Tische“ organisierten und zunächst „Wir sind das Volk“ und später „Wir sind ein Volk“ riefen und damit dem ostdeutschen Repressionsapparat und den sowjetischen Waffen im Hintergrund trotzte. Ähnliche Massenbewegungen in Nordkorea sind mir nicht bekannt.

Zur wirtschaftlichen Lage: Die DDR entsprach etwa einem Fünftel der Bevölkerung und des Territoriums der Bundesrepublik Deutschland, Nordkorea ist im Vergleich zu Südkorea sehr viel größer. Andererseits war die Wirtschaftskraft der DDR pro Kopf immer noch viel größer als die Nordkoreas. Vielleicht stimmt die Gleichung: in Deutschland 1:8, in Korea mindestens 1:50. Ich habe mit Zustimmung der Bundesregierung mehrfach öffentlich erklärt, dass Korea mit den Lasten einer Wiedervereinigung nicht allein stehen werde. Eine Wiedervereinigung Koreas bietet auf mittlere und längere Sicht große wirtschaftliche Vorteile für Korea und für seine Nachbarn. Die Bevölkerung der Demokratischen Volksrepublik Korea ist gebildet und motiviert. Das Land verfügt über nicht unerhebliche Bodenschätze. Wiederherstellung und Neubau der veralteten Infrastruktur in Nordkorea und die Verbindung mit Südkorea hätte hohe Bedeutung: Schienen, Straßen, Pipelines.

Warum wird und muss die Wiedervereinigung Koreas – immer auf dem Hintergrund der deutschen Erfahrungen bald kommen? Wichtig ist, dass die koreanische Teilung von der ganzen Welt – nicht nur Deutschen und Koreanern – als zutiefst ungerecht empfunden wird. Eine Wiedervereinigung entspringt der Logik der Geschichte und der politischen Moral. Sie war bzw. ist ganz und gar unausweichlich, unabhängig davon, wie Regierungen und der Einzelne dazu stehen.

Dreiundzwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung beurteilen die große Mehrheit der Deutschen in Ost und West dies weiter als Geschenk an die Deutschen. Wir sind zusammengewachsen und wachsen weiter zusammen. Entscheidend war es, den „Zipfel des Mantels der Geschichte“ zu ergreifen, als sich unter Gorbatschow diese Gelegenheit bot, und nicht die Frage der Wiedervereinigung Bedenkenträgern und Neidern zu überlassen.

Ich bin überzeugt, dass die Einigung Koreas bald kommen wird, und dass dann Vorstellungen von einem kontrollierten und graduellen Zusammenwachsen von der politischen Logik vom Tisch gefegt werden. Oder können Sie sich ernsthaft vorstellen, dass südkoreanische Soldaten mit Maschinengewehren Nordkoreaner daran hindern werden, nach Südkorea zu kommen oder dass Südkorea zustimmen könnte, dass an der nördlichen Grenze chinesische Truppen diese Funktion übernehmen?

Korea kann von Deutschland vor allem aus der deutschen Wiedervereinigung lernen, dass der Glauben und die Kraft des Volkes Berge versetzen können. Lassen Sie mich in diesem Sinne schließen mit den Worten von Bundespräsiden Joachim Gauck, die er am 21. Juni dieses Jahres an das Deutsch-Koreanische Forum in Goslar richtete:

„Die Aussicht auf eine friedliche Wiedervereinigung erscheint angesichts der Lage auf der koreanischen Halbinsel derzeit wie eine Illusion. Aber schien es das vor 25 Jahren nicht auch im Herzen Europas? Auch in Korea gab es in der Vergangenheit unerwartete Wendungen. Aus meiner persönlichen Erfahrung werbe ich von ganzem Herzen für Geduld, Zuversicht und Mut: Ich habe selber erlebt, was geschehen kann, wenn viele Menschen gemeinsam die Furcht verlieren und ein übermächtiges System von innen verändern. Diese Hoffnung
kann uns alle weiter tragen. Ein Land, das wie Korea in seiner langen Geschichte überaus erfolgreich vermochte, seine kulturelle und nationale Eigenständigkeit trotz aller Widrigkeiten zu bewahren, wird auch seine Einheit wiederherstellen. Davon bin ich fest überzeugt.“

Soweit der Bundespräsident. Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Tagung.

 

 

 

 

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