In Memoriam: MURAKAMI Hiroshi

In Memoriam

MURAKAMI Hiroshi

* 04.05.1930  -  † 23.11.2017

Murakami Hiroshi 01Der Vorstand der DOAM befand sich bei der Studientagung in Meißen, als uns die Nachricht erreichte, dass unser geliebter Bruder Murakami-Sensei in die Ewigkeit abgerufen worden sei. Wir trauern - und sind doch getröstet und dankbar.

Im Folgenden veröffentlichen wir einen kurzen Lebenslauf von Hiroshi, eine Bibliografie und die Bestattungsrede von Pfr. Kamoshita am 25. Nov. 2017.

Die Beisetzung der Urne findet voraussichtlich im Frühjahr 2018 in seiner letzten Gemeinde vor dem Ruhestand, Yoyogi-Uehara in Tokyo, statt.

Wir danken Frau Dr. Masako Murakami und dem Sohn, Susumu Murakami, sowie derTochter Yuko, für die schnelle Benachrichtigung und die hier beigefügten Unterlagen.

Murakami-Sensei war der erste Ökumene-Referent in der EMS: 1974-78 mit Geschäftsführeraufgaben bei der DOAM.


Ein kurzer Lebenslauf

1930 Am 4.5.1930 in der Provinz Fukushima geboren
1955 Tokyo Union Theological Seminary (TUTS) absolviert
1965-62 Pfarrer in der Anjoh-Kirche (Kyodan)
1962-74 Pfarrer in der Okazaki-Kirche in der Aichi Provinz (Kyodan)
       1966-68 Studium in Deutschland (Wuppertal)
1974-78 EMS: Ökumene-Referent (Kenkyu shuji)
1978-97 Christliche Frauenuniversität Tokyo
1995-2002 Vorsitzender des TCC (1995.07 bis 2002.06)
1997-2010 Pfarrer der Yoyogi-Uehara-Kirche in Tokyo (Kyodan)
2010 Ruhestand
2013 Umzug in ein altersgerechtes Wohnen in der Provinz Gifu. Neue Bücher
2017 Am 23.11.2017 verstorben


Bibliographie

53 Ansprachen für Mittelschüler, Kyodan-Verlag 1962
Unter dem Himmel Westdeutschlands, Kyodan-Verlag/Okazaki-Kirche 1969
Leben unter der Verheißung des Reiches Gottes - Bergpredigt, Prot. Publishing Co. 1982
Die Situation der westdeutschen Kirchen - Alte neue Kirche, Prot. Publ. Co. 1984
Der Weg zum Leben, Prot. Publ. Co. 1984
Erschütterungen in Deutschland und die Kirche, Prot. Publ. Co. 1990
Bonhoeffer, Shimizu Shoin Verlag 1991 (Century Books)
Gott will das Leben, Prot. Publ. Co. 1992
Der Herr, der bei der Wüstenwanderung vorangeht (Predigten), Prot. Publ. Co. 1994
Lernen von den 10 Geboten, Kyodan-Verlag 2009
Dietrich Bonhoeffer, der Pfarrer, der gegen Hitler kämpfte, Kyodan-Verlag 2011
Auf den Spuren von Bonhoeffer, Prot. Publ. Co. 2012
Geborgen von guten Mächten - Der Weg eines Pfarrers, Kyodan-Verlag 2013
Einladung zum Buch der Offenbarung, Kyodan-Verlag 2014

Übersetzungen

Karl Barth, Dogmatik III, Prot. Publ. Co. 1964
G. Eichholz, Bergpredigt, Kyodan-Verlag 1972
E. Bethge, Bonhoeffer, Prot. Publ. Co. 1973
Marxsen, Wilkens u.a., Die Bedeutung der Auferstehung Jesu, Prot. Publ. Co. 1974
E. Bethge, Widerstand und Ergebung, Prot. Publ. Co. 1988


Ikeda in der Gifu Provinz, Japan, 25. November 2017

Predigt zur Bestattung des Herrn Pfr. Hiroshi Murakami

Ob wir wachen oder schlafen, wir leben zugleich mit ihm (zu 1 Thess 5,9f.)


von Pfr. Naoki Kamoshita
Gemeinde Akutami der Domei-Fukuin-Kirche
übersetzt von Dr. Hiroishi

Liebe Trauerfamilie, liebe Gemeinde,

Am ersten Sonntag dieses Monats haben wir den Gottesdienst für die Verstorbenen in der Gemeinde Akutami gefeiert und am selben Nachmittag für eine Gedenkfeier unsere kirchliche Grabstätte besucht. In Vorbereitung dessen ist mir in den Sinn gekommen, dass ich möglicherweise Herrn Pfr. Murakami im Pflegeheim besuchen könnte, denn er hat wohl schon lange nicht mehr am Herrenmahl teilgenommen.

Murakami sensei ist einmal in unseren Gottesdienst gekommen. Da er aber von mir aus gesehen wie eine erhabene Figur über den Wolken ist, habe ich mich lange nicht getraut, ihn persönlich zu besuchen. Als sein Sohn Susumu am letzten Sonntag zu uns in den Gottesdienst kam, fragte ich ihn nach seinem Vater. Er sagte mir, er sei seit zwei Wochen wegen schwerer Lungenentzündung ziemlich geschwächt und ein Besuch sei je früher, desto besser. Also ging ich sofort zu ihm und wir feierten das Abendmahl im kleinen Familienkreis.

Beim Tee danach sagte mir seine Frau Masako, dass ich die Bestattungszeremonie übernehmen soll, wenn er gestorben ist. Da ergriff mich das Gefühl von Scham. Ich war so faul, ich hätte noch öfters hier kommen sollen, denn ich habe viele Dinge, worüber ich gerne mit ihm reden würde. Ein paar Tage später kam aber der Anruf, der mir seinen Tod verkündete. Ich war sprachlos.

Gestern habe ich seine Autobiographie „Geborgen von guten Mächten - Der Weg eines Pfarrers“ (2013) und seinen Predigtband „Der Herr, der bei der Wüstenwanderung vorangeht“ (1994) nochmals gelesen. Insbesondere der Predigtband ist ein wichtiges Zeugnis davon, wie Pfr. Murakami die Zeit um den Mauerfall 1989 und der Wiedervereinigung Deutschlands erlebt und was er in der Besinnung auf diesen Wandel in der Kirche gepredigt hat.

Als ich etwa vor zehn Jahren in Deutschland war, habe ich in einem Antiquariat den Photoband gefunden „Das Gesicht des Theologen“ (1984, herausgegeben von Rudolf Bohren). Darin sind die Gesichter der großen Theologen wie Karl Barth, Helmut Gollwitzer, Hans Conzelmann, Eberhard Bethge, Rudolf Bohren und darunter auch von Pfr. Murakami zu sehen. Man sieht, dass er unter diesen Leuten war. Mit ihnen zusammen lebte er, predigte und arbeitete.

Dieses beeindruckte mich auch bei der Lektüre seiner Autobiographie und seinen Predigten. Ich stelle mir seinen Weg im goldenen Alter der großen deutschen Theologen vor. Es war aber eine schwierige und bewegende Zeit. Als der Photoband herauskam, war Deutschland noch in Osten und Westen geteilt, wogegen die Kirche kämpfte. Es war ein wirklicher Kampf. Von dem her ist mir sehr verständlich, dass ihm Dietrich Bonhoeffer ganz wichtig wurde.

Bonhoeffer ist ein Theologe, der zu einem Märtyrer des 20. Jahrhunderts wurde. Und Pfr. Murakami kannte viele Theologen im Westen und Osten, die mit Bonhoeffer zu tun hatten, auch persönlich und verstand deren Glaubenskampf gut. Dies im Herzen predigte er den japanischen Christinnen und Christen das Gotteswort in einfacher und kraftvoller Sprache. Er lebte so, indem er selber zu dem Gott aufblickte, der uns in der Wüste vorangeht.

In seiner Autobiographie ist ferner zu lesen, wie er als junger Gymnasiast die Berufung zum Pfarrer erlebte. Damals half er Pfarrer Watanabe bei dessen Missionsarbeit. Der Gedanke, dass er Pfarrer werden sollte, wurde stark. Liebe Trauerfamilie, Sie wissen die Geschichte ja gut. Er hatte aber davor Angst, ob man überhaupt vom Pfarramt leben kann. Die Kirchen in Japan sind klein, die Pfarrer sind arm. Darum hatte er auch Angst mit seinem Vater darüber zu reden. Eines Nacht auf dem Rückweg von der Kirche hörte er dann plötzlich eine Stimme wie vom Himmel herab: Du kannst daran sterben! Einfach so. Vielleicht war es eine Täuschung, aber sicher habe ich es gehört, so schreibt er. Die Stimme heißt: Du kannst dein Leben dem Christus ganz anvertrauen, den Rest übernimmt er. So hat er sich entschlossen, doch diesen Weg zu gehen.

Danach hat er eben so gelebt, indem er sein Leben auf Gott setzte, der ihn berufen hat. Als ich vor seinem Leichnam für ihn betete, erzählte mir Masako ein Gespräch, das das Ehepaar vor Jahren in Deutschland, und zwar in der Gefängniszelle, in der Bonhoeffer inhaftiert war, hatte. Masako war tief beeindruckt und fragte ihren Mann, wieso Bonhoeffer in dieser schrecklichen Situation die Hoffnung nicht aufgab und durchhalten konnte. Hiroshi antwortete: „Weil er wusste, dass der lebendige Herr mit ihm zusammen ist sowohl im Leben wie auch im Sterben.“ Dies ist ja ein Zitat aus dem Heidelberger Katechismus:

Frage 1: Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?
Dass ich mit Leib und Seele im Leben und im Sterben nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre.

Die Kirche bekennt seit langem dieses Glaubenswort. Pfr. Murakami wollte wohl damit sagen, dass auch Bonhoeffer diesen Glauben lebte. Und darin bestand auch der Glaube des Pfr. Murakami. Weder mein Leib noch meine Seele gehören mir, sondern dem Herrn. Und dieser Glaube ist in der Tiefe eins mit der Stimme, die der junge Hiroshi bei seiner Berufung zum Pfarrer gehört hatte.

Wir haben gerade das Lied gesungen, EGJ 469 „Von guten Mächten treu und still umgeben“. Die Lyrik basiert bekanntlich auf einem Gedicht von Dietrich Bonhoeffer. Die Verse werden am Ende der Autobiographie Murakamis zitiert. Ich lese sie in seiner japanischen Übersetzung vor:

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Diese Verse schrieb Bonhoeffer im Gefängnis am Silversterabend. Im darauf folgenden Jahr musste er sterben. Es war eine Hinrichtung durch das Naziregime. Selbst wenn der Tod kommen sollte erwarten wir ihn getrost, denn Gott ist bei uns immer und jeden Tag. Dieses Gedicht hatte eine große Bedeutung für das Leben von Pfr. Murakami. Und sicherlich ist Gott mit ihm gewesen. 

Masako erzählte mir, dass ihr Mann ein Tag vor dem Tod sie umarmte. Sie sagte mir: Es wäre schön gewesen, wenn er das noch früher getan hätte, als er noch mehr Kraft gehabt hatte. Sie lächelte. Ich fühlte, dass das Ehepaar ihren ganzen Weg auf diese Weise im gegenseitigen Vertrauen gegangen ist und dabei immer vom Herrn Jesus Christus getragen wurde.

Und das letzte Bibelwort, das Pfr. Murakami in seinem Leben hörte, war 1 Thess 5,9f.:

        "Denn Gott hat uns nicht bestimmt zum Zorn, sondern dazu,
        das Heil zu erlangen durch unseren Herrn Jesus Christus,
       der für uns gestorben ist, damit, ob wir wachen oder schlafen,
       wir zugleich mit ihm leben."

Es war Masako, die ihm diese Stelle vorlas. Dieses Wort des Paulus und jenes aus dem Heidelberger Katechismus stimmen wunderbar überein. „Damit, ob wir wachen oder schlafen, wir zugleich mit ihm leben“, genau dies ist der Kern des Glaubens, der das ganze Leben des Pfr. Murakami bestimmte.

Wir haben vorhin noch einen anderen Bibeltext, aus Psalm 23, gelesen. Auch dies ist ein Wort, das Pfr. Murakami immer begleitete. Am Ende steht geschrieben:

           "Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
           und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar."

Wir besinnen uns auf das vollendete Leben des Pfr. Murakami, der uns nun verlassen hat und in die himmlische Heimat einkehrte. Wir sind traurig aber auch getröstet, weil unser Leib und unsere Seele Jesus Christus gehört wie im Leben, so auch im Sterben. Pfr. Murakami ist jetzt eins mit seinem Herrn und im Frieden. Dieser Friede sei mit Euch, liebe Trauerfamilie, und der reiche Trost Gottes mit uns allen. Amen.


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Hier die japanische Version.

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Video: F. Enns

Evang. Landeskirche in Baden: Arbeitsstelle Frieden 
Voice for peace Nr. 6: Friedensfragen 
"Können wir unsere christliche Ethik bei Konflikten mit anderen Religionen zugrunde legen?" Diese Frage beantwortet Prof. Dr. Fernando Enns, Leiter der Arbeitsstelle „Theologie der Friedenskirchen“ Universität Hamburg & Vorstandsmitglied der DOAM. Link: 
https://youtu.be/_Js4f3seossMehr videoclips aus der Reihe "Voices for Peace: Friedensfragen" der Arbeitsstelle Frieden in der Evang. Landeskirche in Baden | YOUTUBE.COM

Geschichte der DOAM

4. Juni 1884 Gründung des Allgemeinen Evangelisch-Protestantischen Missionsvereins AEPM

1929 Umbenennung in Ostasienmission

Der AEPM benannte sich 1929 offiziell in "Ostasienmission" oder OAM um. Der Titel hatte schon seit 1921 als Untertitel Verwendung gefunden. Das sollte aber nicht bedeuten, dass der Verein für alle Zeiten sich auf Mission in Ostasien beschränken wollte... Im Jahresbericht von 1911 schreibt Missionar Emil Schroeder zu Kirche und Mission: "Nur die Kirche ist stark, die Mission treibt. Nur dort ist sie wirksam als Macht, wo sie Mission treibt."

1945 Trennung des schweizerischen Zweiges und Gründung der Schweizerischen Ostasien-Mission (SOAM)

1952 Gründung der Deutschen Ostasienmission (DOAM)

1972 Gründung des Evang. Missionswerkes in Südwestdeutschland EMS

1973 Gründung des Berliner Missionswerks BMW

1992 Vereinigung von OAM (im Bereich der ehemaligen DDR) und DOAM (im Bereich der ehemaligen BRD) zur Deutschen Ostasienmission DOAM.

2002 Vereinbarung zu enger Zusammenarbeit von SOAM und DOAM

2007/2008 Satzungsänderung

2009 Neugründung der Stiftung "Christian East Asia Mission" in Kyoto, Japan