Studientagung 2007: Die Stuttgarter Schulderklärung

Studientagung 2007 - Woltersdorf bei Berlin

Schuldbekenntnis - Friedenszeugnis - Wächteramt.
Kirchen in Japan und Deutschland

24. - 27. September 2007

 

Die Stuttgarter Schulderklärung, 1945

Nach dem Zusammenbruch der nationalsozialistischen Herrschaft und der Nullpunktsituation des Kriegsendes wurde als Neuanfang im August 1945 bei der Kirchenversammlung in Treysa (Hessen) der Zusammenschluß der "Evangelischen Kirche in Deutschland" beschlossen. Die Stuttgarter Schulderklärung vom Oktober 1945 ermöglichte weitere Schritte des Aufbaus. Sie suchte ungelöste Fragen der unmittelbaren Vergangenheit anzusprechen und den Zugang zur weltweiten Ökumene zu öffnen.

"Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland begrüßt bei seiner Sitzung am 18./19. Oktober 1945 in Stuttgart Vertreter des Ökumenischen Rates der Kirchen.

Wir sind für diesen Besuch umso dankbarer, als wir uns mit unserem Volk nicht nur in einer großen Gemeinschaft der Leiden wissen, sondern auch in einer Solidarität der Schuld.

Mit großem Schmerz sagen wir: Durch uns ist unendliches Leid über viele Völker und Länder gebracht worden. Was wir unseren Gemeinden oft bezeugt haben, das sprechen wir jetzt im Namen der ganzen Kirche aus: Wohl haben wir lange Jahre hindurch im Namen Jesu Christi gegen den Geist gekämpft, der im nationalsozialistischen Gewaltregiment seinen furchtbaren Ausdruck gefunden hat; aber wir klagen uns an, daß wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.

Nun soll in unseren Kirchen ein neuer Anfang gemacht werden. Gegründet auf die Heilige Schrift, mit ganzem Ernst ausgerichtet auf den alleinigen Herrn der Kirche, gehen sie daran, sich von glaubensfremden Einflüssen zu reinigen und sich selber zu ordnen. Wir hoffen zu dem Gott der Gnade und Barmherzigkeit, daß er unsere Kirchen als sein Werkzeug brauchen und ihnen Vollmacht geben wird, sein Wort zu verkündigen und seinem Willen Gehorsam zu schaffen bei uns selbst und bei unserem ganzen Volk.

Daß wir uns bei diesem neuen Anfang mit den anderen Kirchen der ökumenischen Gemeinschaft herzlich verbunden wissen dürfen, erfüllt uns mit tiefer Freude.

Wir hoffen zu Gott, daß durch den gemeinsamen Dienst der Kirchen dem Geist der Gewalt und der Vergeltung, der heute von neuem mächtig werden will, in aller Welt gesteuert werde und der Geist des Friedens und der Liebe zur Herrschaft komme, in dem allein die gequälte Menschheit Genesung finden kann.

So bitten wir in einer Stunde, in der die ganze Welt einen neuen Anfang braucht: Veni creator Spiritus! (Komm, Schöpfer Geist!)"

Unterschriften :

D. Wurm (Württ. Landesbischof)
Asmussen DD (Präsident der Kirchenkanzlei der EKD)
H. Meiser (Landesbischof Bayern)
Held (Pfarrer in Essen, später Präses der Rhein. Kirche)
Dr. Lilje (Generalsekretär des Lutherischen Weltkonvents, später Landesbischof in Hannover)
Hahn (Pfarrer, später sächs. Landesbischof)
Lic. Niesel (Pfarrer, Theologieprofessor)
Smend D.Dr. (Theologieprofessor)
Dr. G. Heinemann (Rechtsanwalt, später Bundespolitiker und Bundespräsident)
Dibelius (Bischof von Berlin-Brandenburg)
Martin Niemöller D.D. (Pfarrer, später Kirchenpräsident von Hessen-Nassau)

Auf der Homepage der Markuskirche in Stuttgart: http://www.markusgemeinde-stuttgart.de/1_schuldbek.htm

Video: F. Enns

Evang. Landeskirche in Baden: Arbeitsstelle Frieden 
Voice for peace Nr. 6: Friedensfragen 
"Können wir unsere christliche Ethik bei Konflikten mit anderen Religionen zugrunde legen?" Diese Frage beantwortet Prof. Dr. Fernando Enns, Leiter der Arbeitsstelle „Theologie der Friedenskirchen“ Universität Hamburg & Vorstandsmitglied der DOAM. Link: 
https://youtu.be/_Js4f3seossMehr videoclips aus der Reihe "Voices for Peace: Friedensfragen" der Arbeitsstelle Frieden in der Evang. Landeskirche in Baden | YOUTUBE.COM

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