2016: Gegen "Miet-Mönche"

Süddeutsche Zeitung, 2.2.2016 (Panorama)


Gegen "Miet-Mönche"

Japanische Buddhisten haben den Onlinehändler Amazon aufgefordert, seinen "Rent-a-Monk"-Service zu stoppen. Ein in Tokio ansässiges Unternehmen namens Minrevi bietet seit Ende vergangenen Jahres über das Portal Mönche zum Mieten an. Der Basisdienst des "Mr. Monk Delivery" kostet demnach umgerechnet 270 Euro und umfasst den Mönch, seine An- und Abreise sowie eine Spende. Gemietet werden kann der geistliche Gast, um Beerdigungen oder andere Rituale zu Hause oder auf Friedhöfen zu vollziehen. "So etwas ist in keinem anderen Land der Welt erlaubt", kritisierte Akisato Saito, Direktor der Japanischen Buddhisten Vereinigung.

Viele Konsumenten in dem Land heißen den Service allerdings willkommen, denn die buddhistischen Zeremonien, die von Tempeln angeboten werden, gelten als überteuert. Laut der South China Morning Post kosten buddhistische Gedenkzeremonien bis zu 800 Euro, bei einer Beerdigung können bis zu 8000 Euro fällig werden. Ein Sprecher von Minrevi verteidigte das Miet-Mönch-Angebot: "Viele Menschen haben keine Beziehung zu einem Tempel. Sie wissen nicht, wo und wie sie eine buddhistische Zeremonie arrangieren können." Die 75 000 Tempel in Japan verlieren seit Jahren an Zulauf. Amazon äußerte sich nicht zu der Kritik. Das US-Unternehmen teilte mit, dass es Minrevi lediglich die Plattform biete. Seit Anfang Dezember haben sich etwa 100 Japaner als "Miet-Mönch" registrieren lassen wollen.







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