2005: Vorgeschichte

D. Knoche

Wie es dazu kam

Seit nunmehr 19 Jahren besteht eine offizielle Partnerschaft zwischen den Dekanaten der ehemaligen Propstei Nord-Starkenburg (heute Teil der Propstei Rhein-Main) der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und der Propstei Gwangju der Presbyterian Church in the Republic of Korea (PROK). Im Mittelpunkt eines Besuches von Pröpstin Helga Trösken, dem Beauftragten für Entwicklung und Partnerschaft Asien im Zentrum Ökumene der EKHN, der Vorsitzenden des Partnerschaftsausschusses und Delegierten der Partnerdekanate im Mai 2004 in der Propstei Gwangju stand ein Austausch über Erfahrungen im Rahmen der deutsch-deutschen Wiedervereinigung.

Während eines Partnerschaftssymposiums am 20. Mai 2004 in Gwangju wurde die Rolle der evangelischen Kirchen in diesem Wiedervereinigungsprozess zur Diskussion gestellt. In den deutschen Beiträgen wurde unter anderem auch die Bedeutung der zahlreichen innerdeutschen Begegnungen zu Zeiten der DDR und BRD für den späteren Wiedervereinigungsprozess herausgestellt. Dies war sicherlich mit einer der Gründe, dass am Ende des Besuches von Vertretrinnen und Vertretern unserer Partnerkirche die Bitte geäußert wurde, zu prüfen, ob es im Rahmen von einem der nächsten Gegenbesuche in der Propstei Rhein-Main auch zu einer Begegnung mit Vertretern und Vertreterinnen christlicher Gemeinden in Nordkorea kommen könnte. Erste Gedanken über eine mögliche Dreieckspartnerschaft standen im Raum, wenn auch mit viel skeptischen und zurückhaltenden Voten hinsichtlich der tatsächlichen Umsetzung dieses Gedankens.

Aber das Interesse unserer Partner in Südkorea, Räume für Begegnungen jenseits offizieller Konsultationen zu schaffen, war sehr deutlich spürbar. Bisher war es vor allem auf internationaler Ebene der im Jahre 1984 vom Ökumenischen Rat der Kirchen initiierte „Tozanso-Prozess", der den Kontakt zwischen Christen aus Süd- und Nordkorea ermöglichte. Seit 1986 fanden in diesem Kontext im schweizerischen Glion mehrere Zusammenkünfte mit Vertretern der Korean Christian Federation (KCF) und Christen aus Südkorea statt. Dabei standen die Fragen der Versöhnung und Wiedervereinigung wiederholt im Mittelpunkt. Begegnungen zwischen Christen aus Nord- und Südkorea zu ermöglichen, war in den letzten Jahren immer auch ein Interesse der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die dies in Zusammenarbeit mit verschiedenen Missionswerken am Rande der Kirchentage in Berlin (1989), Leipzig (1997) und Frankfurt (2001) ermöglichte.

Diesen unterschiedlichen Linien und Traditionen der Begegnungen zwischen Nord- und Südkorea weiß sich die EKHN und die Propstei Rhein-Main im Besonderen verpflichtet: „Die EKHN will die kirchliche Versöhnungsarbeit zwischen Nord- und Südkorea stärken, durch Unterstützung der EKD-Planungen ggf. gemeinsame Veranstaltung der nächsten Konsultation und durch eigene Aktivitäten. Sie wird prüfen, ob sie Beziehungen mit Christen in Nordkorea aufnehmen kann.“ So wurde dies formuliert am Ende des Besuches einer Delegation der Kirchenleitung der EKHN in Korea im September 2001. Einen ersten Ausdruck fand diese besondere Verpflichtung in der Gastgeberschaft und Unterstützung der EKHN für die „Internationale Kirchenkonsultation zur Rolle der Kirchen im friedlichen Wiedervereinigungsprozess auf der koreanischen Halbinsel“, die vom 11. bis 15. März 2004 in der Evangelischen Akademie Arnoldshain stattfand.

Nach Rückkehr der Delegierten der Propstei Rhein-Main aus Korea im Mai 2004 konnten die Überlegungen, eine Begegnung zwischen nord- und südkoreanischen Christen im Rahmen der Partnerschaft zu initiieren innerhalb der entsprechenden Gremien des Evangelischen Missionswerks in Südwestdeutschland (ems) und der EKD kommuniziert werden. Sie fanden dort eine breite Unterstützung und Ermutigung. Als sich dann im Spätsommer des Jahres abzeichnete, dass beide Teile Koreas eingeladen waren im Jahre 2005 Gastland der Frankfurter Internationalen Buchmesse zu sein, war sehr schnell deutlich, dass dies der Rahmen für eine solche Einladung sein könnte. Nachdem die Partner in Gwangju dem zustimmten und die Finanzierung einer solchen Begegnung von Seiten des Referates für Mission und Ökumene der EKHN gesichert war, erging im November 2004 eine Einladung an den nordkoreanischen Christenrat KCF.

Überraschend schnell, wurde die Einladung positiv aufgenommen und nach weiteren Klärungen des Rahmens letztlich auch angenommen. Die kirchenpolitische Bedeutung der Zusage des KCF ist daran zu ermessen, dass es die einzige Einladung aus dem europäischen und amerikanischen Ausland war, die er 2005 angenommen hatte, und dass die Annahme auch aufrechterhalten wurde, nachdem die Regierung Nordkoreas im Frühjahr 2005 offiziell die Teilnahme an der Buchmesse abgesagt hatte.

Die Motive, die letztlich zur Annahme der Einladung führten, wurden im Laufe der Begegnung von Seiten der Delegierten des KCF dann deutlich formuliert:

• es gibt innerhalb des KCF ein starkes Interesse an Beziehungen zu Kirchen / Gemeinden und an Begegnungen unterhalb der Ebene offizieller, internationaler Konsultationen;
in den Beziehungen zur Kirche in Deutschland ist in den vergangenen Jahren ein großes Stück Vertrauen gewachsen, das eine wichtige Basis auch für mögliche neue Beziehungen auf landeskirchlicher und gemeindlicher Ebene ist;
es gibt ein Interesse an der Begegnung mit Christen aus Südkorea in einem informellen Rahmen an neutralen Orten;
die Bundesrepublik Deutschland ist auf Grund ihrer eigenen jüngsten Geschichte wichtiger Gesprächspartner im Blick auf die erhoffte Wiedervereinigung der beiden Teile Koreas und als Ort der Begegnung in gewissem Maße politisch nicht belastet.

Die Federführung bei der Planung und Durchführung der Begegnung in Frankfurt lag im Zentrum Ökumene und beim Beauftragten für Entwicklung und Partnerschaft Asien. Aber ohne die enge Kooperation und Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen, Gruppen und Organisationen wäre das Programm mit seinen unterschiedlichen Angeboten nicht möglich gewesen. Vor allem durch die Unterstützung der koreanischen evangelischen Gemeinde Rhein-Main und Pfr. CHUNG, Hyun-Jin ist ein Rahmen geschaffen worden, in dem sich die Delegierten aus Nord- und Südkorea angenommen und verstanden wussten. Darüber hinaus gilt ein besonderer Dank folgenden Kooperationspartnern:

dem Frankfurter Büro des „Korean Organizing Committee For Guest Of Honour At The Frankfurt Book Fair“ (KOGAF) und seinem Leiter Herrn SHIN, der die Veranstaltung mit KIM, Chi-Ha und Prof. Dr. Jürgen Moltmann ermöglichte, den Delegierten Ehrenkarten für die Eröffnungsgala zur Verfügung stellte und darüber hinaus mit allen seinen Möglichkeiten das Begegnungsprogramm unterstützte;

dem Evangelischen Missionswerk in Südwestdeutschland und seinem Ostasienreferenten Lutz Drescher, der von Beginn an die Planungen beratend begleitete, die Veranstaltung am Mittwochabend moderierte und darüber hinaus in den Tagen in Frankfurt weitgehend präsent war;

der Evangelischen Kirche in Deutschland, die die Begegnung finanziell unterstützte und ihrem Asienreferenten Pfr. Paul Oppenheim, der ebenfalls beratend und teilnehmend die Begegnung begleitete;

der Pröpstin für den Propsteibereich Rhein-Main, Pfrn. Helga Trösken, die zu dieser Begegnung ermutigte und sich gestaltend in das kirchliche Begleitprogramm zur Buchmesse aktiv einbrachte;

den Veranstaltern der Reihe „HAN Nord- und Südkorea zu Gast in der evangelischen Kirche in Frankfurt“, die ihre Reihe zur Buchmesse geöffnet haben für die Gäste aus Nord- und Südkorea und darüber hinaus offen waren für eine enge thematische Kooperation;

Frau Dr. CHOE, Hyondok, Referentin für Südost- und Nordostasien am Missionswissenschaftlichen Institut missio, Aachen, für ihre hervorragende Übersetzung während der beiden Abendveranstaltungen in der Alten Nikolaikirche;

und nicht zuletzt der Hauswirtschaft in der Tagungsstätte des Zentrum Ökumene, die sich bis in den Speiseplan hinein auf die Bedürfnisse der koreanischen Gäste einzustellen wusste.

All dies hat letztendlich dazugeführt, dass die Begegnung in einer entspannten Atmosphäre stattfinden konnte, sich Räume der Begegnung eröffneten und wechselseitiges Vertrauen wachsen konnte. Die Begegnung hat so auch die Zuversicht wachsen lassen, dass es möglich ist, die Partnerschaft zwischen der EKHN und PROK für Kontakte zu Christinnen und Christen in Nordkorea weiter zu öffnen.


v.l.n.r.: Pfr. KIM Sun Su, Hr. Lutz Drescher, Hr. RI Su Ik, Pfr. KIM Nam Ho, Hr. RI Yong Ro, Pfr. KANG Yong Sop, Pfr. KIM Sung Ryong, Pfr. Detlev Knoche, Pfr. CHOE Youn Suk, Pfr. PARK Chung Hyun

Video: F. Enns

Evang. Landeskirche in Baden: Arbeitsstelle Frieden 
Voice for peace Nr. 6: Friedensfragen 
"Können wir unsere christliche Ethik bei Konflikten mit anderen Religionen zugrunde legen?" Diese Frage beantwortet Prof. Dr. Fernando Enns, Leiter der Arbeitsstelle „Theologie der Friedenskirchen“ Universität Hamburg & Vorstandsmitglied der DOAM. Link: 
https://youtu.be/_Js4f3seossMehr videoclips aus der Reihe "Voices for Peace: Friedensfragen" der Arbeitsstelle Frieden in der Evang. Landeskirche in Baden | YOUTUBE.COM

Projekte

Partnerschaften

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zwischen Gemeinden

Derzeit gibt es Partnerschaften zwischen einer deutschen Kirchengemeinde und einer Kirchengemeinde in Ostasien u. W. nur eine funktionierende: die zwischen Weingarten/Baden und Jumin-Church in Songnam, Südkorea.

jumin logoJumin-Kirche

regionale Partnerschaften

Unseres Wissens gibt es hiervon im südwestdeutschen Raum drei Partnerschaften:
1. Region Nordbaden, d.i. Heidelberg, Lützelsachsen und Weinheim mit drei Kirchengemeinden in Südkorea
2. Region Pfalz: d.i. die Evang. Kirche der Pfalz unterhält zum Kirchenbezirk Yongdongpo in Seoul enge Beziehungen
3. Region Südhessen: d.i. der Bezirk Süd-Starkenburg unterhält eine Partnerschaft zum Kirchenbezirk Kwangju in Südkorea.