Ein Shinto-Schrein, die Verfassung und der Friede

2017: Christen gegen Yasukuni

Yasukuni Schrein
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Christen für die Verhinderung der Verstaatlichung des Yasukuni Schreins

An Premierminister Shinzo Abe
und Kabinettsekretär Yoshihide Suga

Angesichts des anstehenden Frühlingsfestes des Yasukuni Schrein fordern wir den Ministerpräsidenten und das Kabinett dazu auf, sowohl auf den Schreinbesuch als auch auf die Opfergabe zu verzichten.

Vom 21. bis 23. April findet das Frühlingsfest des Yasukuni-Schreins statt. Beim letztjährigen Frühlingsfest opferte Premierminister Abe „Masakaki 真榊“ (1) unter Verwendung seines Titels „Ministerpräsident Abe Shinzo“. Außerdem besuchten einige Kabinettsmitglieder den Yasukuni-Schrein. Dabei behauptet Ministerpräsident Abe, dass dies eine Frage des persönlichen Glaubens sei. Der Ministerpräsident und die Kabinettsmitglieder sind jedoch Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Der Ministerpräsident opferte Masakaki unter dem Namen „Ministerpräsident Abe Shinzo“, obwohl er sein eigenes Geld dazu verwendete. Auch die anderen Kabinettsmitglieder, die den Schrein besuchten, gaben an, ihre Amtstitel verwendet zu haben.

Dieses Handeln dem Yasukuni Schrein gegenüber verstößt eindeutig gegen Paragraph 3 in Artikel 29 der Verfassung. Wir müssen darauf hinweisen, dass es durch den Ministerpräsident und die Kabinettsmitglieder, die verpflichtet sind, die Verfassung zu befolgen, kein solches Verhalten geben darf. Dass der Ministerpräsident, welcher der oberste Amtsinhaber der Verwaltung ist, und die Kabinettsmitglieder, die für Verwaltung zuständig sind, überhaupt etwas mit dem Yasukuni Schrein zu tun haben, beleidigt die anderen asiatischen Länder und fördert den öffentlichen Geschichtsrevisionismus. Daher wird dieses Verhalten nicht nur von den benachbarten Ländern, sondern auch international kritisiert. Wie jeder weiß, war der Yasukuni Schrein vor und während des 2. Weltkrieges eine sogenannte „militärische Einrichtung“, in welcher der jeweilige Oberbefehlshaber der Armee die Pflicht als „Gonguji 権宮司“ (2) erfüllte. Obwohl der Yasukuni Schrein heute als eine religiöse Körperschaft eingetragen ist, verherrlicht er den Krieg im Pazifik und erklärt, dass dies keine Invasion, sondern ein Befreiungskrieg für Asien war, wie die Ausstellung der zum Schrein gehörigen Einrichtung „Yushukan“ zeigt. Auf diese Weise vertritt er die gleiche Ideologie wie vor und während des Krieges und rechtfertigt die Invasion nachdrücklich. Dies ist keinesfalls mit Pazifismus zu vereinbaren.

Die Regierung versucht über die Festschreibung der Sicherheitsgarantien im Gesetz den aktiven Einsatz der Selbstverteidigungsstreitkräfte bei militärischen Aktionen im Ausland zu ermöglichen. Das würde bedeuten, dass es in Zukunft unter den vielen uniformierten Angehörigen der Selbstverteidigungsstreitkräfte wieder Kriegsopfer geben wird. Dieser Realität muss man sich stellen. Der Yasukuni Schrein müsste sich nicht nur mit den Kriegstoten der Vergangenheit, sondern auch mit den Kriegstoten der Zukunft beschäftigen. Das ist bereits jetzt ein Problem der Regierung.

Laut der Verfassung muss sich die Politik in Bezug auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vom Yasukuni Schrein trennen. Wie viel mehr, wenn man sich bewusst ist, dass der Ministerpräsident und die Kabinettsmitglieder Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sind und daher die Verfassung befolgen sollen! Angesichts des Frühlingsfestes des Yasukuni Schreins fordern wir nachdrücklich dazu auf, dass der Ministerpräsident und die Kabinettsmitglieder nicht mehr gegen die Verfassung verstoßen und nichts mit dem Yasukuni Schrein zu tun haben.

17.04.2017
Christen für die Verhinderung der Verstaatlichung des Yasukuni Schreins
Vorsitzender: Yuji Urase

Adresse:
Hiroyuki Urabe ("Christen für die Verhinderung der Verstaatlichung des Yasukuni Schreins"), 6-2-12-7 Minamisawa, Minami-ku, Sapporo-shi, Hokkaido, Japan

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Anmerkungen der Übersetzer
1. Masakaki 真榊: das sind Kultgeräte, die bei Schrein-Ritualien auf beiden Seiten des Altars stehen. Masakaki Bilder gibt es hier:
https://www.google.de/search?q=%E7%9C%9F%E6%A6%8A&safe=active&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=0ahUKEwiH1rP56LLTAhXCPxoKHecWAm8Q_AUICCgB&biw=1536&bih=747#spf=1
2. Gonguji 権宮司: (Stellv. Oberpriester) ist der zweitwichtigste Priester im Shinto Schrein, hinter „Guji 宮司“. "Gon" oder "kari" = Stellvertreter.





 


Video: F. Enns

Evang. Landeskirche in Baden: Arbeitsstelle Frieden 
Voice for peace Nr. 6: Friedensfragen 
"Können wir unsere christliche Ethik bei Konflikten mit anderen Religionen zugrunde legen?" Diese Frage beantwortet Prof. Dr. Fernando Enns, Leiter der Arbeitsstelle „Theologie der Friedenskirchen“ Universität Hamburg & Vorstandsmitglied der DOAM. Link: 
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