2018: ...der Weg ist lang und steinig

Nach dem Gipfel ist vor dem Gipfel – der Weg ist lang und steinig!
Ein Kommentar vom Vorsitzenden der Deutschen Ostasienmission, Lutz Drescher
Mit Spannung, mit ungläubigem Staunen und sehr bewegt, haben viele von uns, die den Menschen in Korea intensiv verbunden sind, die Ereignisse in Panmunjom am 27.4. mit verfolgt. Panmunjom ist der Ort, an dem die feindlichen Brüder sozusagen Augen in Auge einander gegenüber stehen. Panmunjom markiert bislang die undurchdringlichste Grenze der Welt. Und diese Grenze wurde nun überschritten! Dabei kommt einem Moment der Begegnung zwischen den beiden Staatsmännern in besonderer Weise symbolische Bedeutung zu. Nachdem KIM Jong Un die Grenze aus dem Norden in den Süden überschritten hatte, lud er MOON Jae In ein, auch einen Schritt in die andere Richtung zu machen, was dieser dann auch tat. Dies war ein deutliches Zeichen dafür, dass im Prozess, Frieden zu schaffen beide Seiten Grenzen überschreiten und sich aufeinander zu bewegen müssen.

Ganz so überraschend, wie es oft in den Medien berichtet wird, ist es nicht, dass es zu diesem Treffen gekommen ist. Präsident MOON Jae In hat bereits kurz nach seiner Wahl im vergangenen Jahr seine Bereitschaft zu Gesprächen erklärt. KIM Jong Un hat seit seinem Amtsantritt vor fünf Jahren die Strategie des „Byungjin“ verfolgt, die Beides beinhaltet: militärische Stärke und wirtschaftliche Entwicklung. Die Logik, die dahinter steht ist die, dass nur militärische Stärke, die auch den Besitz von Nuklearwaffen umfasst, Nordkorea davor schützen kann, ein ähnliches Schicksal zu erleiden, wie einige Staaten im Nahen Osten. Wobei Nordkorea nicht müde wurde, zu betonen, dass diese Waffen einen rein defensiven Charakter haben und nur im Falle eines Angriffes zum Einsatz kommen werden. Nachdem – zumindest nach nordkoreanischen Angaben – ersteres erreicht ist, steht nun –wieder stärker die wirtschaftliche Entwicklung im Mittelpunkt. Und diese kann nur erreicht werden, wenn es gelingt ein Klima der Entspannung zu schaffen.

Der Auftakt hierfür beim Gipfeltreffen am 27.4. war gelungen. Nicht nur die Menschen in Korea selbst, sondern weltweit haben dieses begrüßt. Und auch wenn es vereinzelt Kritik an der „Panmunjom-Erklärung über Frieden, Wohlstand und Vereinigung auf der koreanischen Halbinsel“ gibt, so findet doch ihre recht pragmatische Tonart auch viel Zustimmung. Dass darin auch Schritte zu einem seit 65 Jahren überfälligen Friedensvertrag angekündigt werden, wird von den Kirchen Südkoreas begrüßt, die sich seit Jahren für den Abschluss eines solchen einsetzen.

Nun ist nach dem Gipfel vor dem Gipfel. Noch im Mai spätestens Anfang Juni soll es zu einem Treffen zwischen KIM Jong Un und dem Präsidenten der USA, Donald Trump, kommen. Was auf der Agenda stehen wird ist klar: Die USA verlangen die „vollständige, nicht umkehrbare, nachprüfbare Abschaffung von Nuklearwaffen“. Als Gegenleistung wird man von Nordkoreanischer Seite nicht nur die Aufhebung von Sanktionen, sondern auch darüber hinausgehende wirtschaftliche Zusammenarbeit (zumindest mit dem Süden) verlangen. Eine Kernfrage wird es sein, ob und wie es gelingt, die Sicherheit Nordkoreas zu garantieren. Es ist mit heiklen Verhandlungen zu rechnen, der Ausgang ist offen. Sicher ist - und das hat seine positiven Seiten – dass Präsident Trump gerne in die Geschichte eingehen würde als der, dem dieser „Deal“ gelungen ist.

Kein Zweifel: der Weg hin zu einem bleibenden Frieden auf der koreanischen Halbinsel besteht aus vielen kleinen Schritten und wird ein steiniger und mühsamer bleiben. Die Kirchen weltweit bleiben dazu aufgefordert, in ihrer Fürbitte für Korea und in ihrer Unterstützung für diesen Friedensprozess nicht nachzulassen. Es ist eine glückliche Fügung, dass gerade jetzt vom 3.-7. Mai eine hochrangige Delegation des Weltrates der Kirchen unter Leitung ihres Generalsekretärs, Olav Fykse Tveit Pjöngjang besuchen wird. Gleichzeitig hat auch eine Delegation des Nordkoreanischen Christenbundes zugesagt, im Juni in Genf an den 70Jahrfeiern des ÖRK und einem anschließenden Treffen des ökumenischen Forums für Korea teilzunehmen.
Lutz Drescher, 30.04.2018
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